München: Wiesn-Fahrgeschäft gestaltet Figuren neu – wegen Sexismusvorwürfen - DER SPIEGEL
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Neue Kleidung auf dem »Teufelsrad« Wiesn-Fahrgeschäft gestaltet Figuren neu – wegen Sexismusvorwürfen

Kurzer Rock, tiefer Ausschnitt, keine Schuhe: Teilen der Münchner Stadtverwaltung waren die Frauenfiguren am »Teufelsrad« zu stereotyp. Die Betreiberin hat nachgerüstet.
Die »Teufelsrad«-Frauen in der neuen Version
Die »Teufelsrad«-Frauen in der neuen Version

Die »Teufelsrad«-Frauen in der neuen Version

Foto: Stephan Rumpf / SZ Photo / picture alliance

Seit Jahrzehnten begrüßt das »Teufelsrad« auf dem Oktoberfest seine Gäste mit vier Figuren aus Pappmaché. Vor dem Start der diesjährigen Wiesn haben die Betreiber des traditionellen Fahrgeschäfts diese umgestaltet – nach Sexismus- und Rassismusvorwürfen aus der Stadtverwaltung. Das melden mehrere Medien, darunter die »Süddeutsche Zeitung«  (»SZ«). Zuerst hatte die »tz« berichtet .

Demnach hätten die Münchner Gleichstellungsstelle für Frauen sowie die Fachstelle für Demokratie angeregt, die Figuren zu überarbeiten. Eine der gezeigten Frauen trug zuvor einen kurzen Rock, eine Figur mit dunkler Haut war mit Blumenkette und ohne Oberteil und Schuhe zu sehen. Nach Angaben der Beitreiber soll sie eine »Hawaiianerin« darstellen.

»Die bisherige Darstellung der Figuren am Teufelsrad spielte mit dem Hochfliegen von Röcken und dem frei werdenden Blick auf den Intimbereich«, heißt es in einer Erklärung der kritisierenden Stellen, aus der die »SZ« zitiert. Auf dem Oktoberfest kommt es immer wieder zu sogenanntem Upskirting, dem strafbaren Fotografieren oder Filmen unter den Rock. Vor allem auf dem Teufelsrad ist das Berichten zufolge  ein Problem. Außerdem bediene »die Darstellung einer schwarzen Frau als einzige Figur ohne Schuhe (...) ein rassistisches Stereotyp«.

Das »Teufelsrad« vorher und nachher
Das »Teufelsrad« vorher und nachher

Das »Teufelsrad« vorher und nachher

Felix Hörhager / dpa / picture alliance / Stephan Rumpf / SZ Photo / picture alliance

Betreiberin Elisabeth Polaczy hat den betroffenen Figuren nun eine Bluse und Radlerhosen verpasst. Der »Hawaiianerin« habe sie Schuhe aufmalen lassen, »weil es laut Gleichstellungsstelle diskriminierend wäre, sie barfuß darzustellen«. Laut dem Bericht der »tz« hatte die Stelle schon im vergangenen Jahr angeregt, das Teufelsrad »vielfältiger« zu gestalten. Bei einigen Puppen sei der Ausschnitt zu tief und der Rock zu kurz, hieß es demnach. Und: Statt vier Frauen könne doch auch ein Mann abgebildet werden.

Aus der Opposition im Stadtrat kommt Kritik. Die Aktion sei »ein Prosit der Prüderie«, schreibt die CSU laut »SZ« in einer Mitteilung. Die Stadtverwaltung habe »ohne vorherige politische Abstimmung in eine jahrzehntealte historische Darstellung eingegriffen«. Laut Fraktionschef Manuel Pretzl hätten die Kritiker »jedes Maß verloren«.

Auch Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne) hätte sich wohl anders entschieden. »Ich persönlich hätte diese Umgestaltung nicht angestoßen«, sagte sie der »SZ«. Trotzdem halte sie es für gut, dass die Figuren nun anders aussehen. Sie würden weiterhin »sehr gut zum Ausdruck« bringen, wofür das »Teufelsrad« stehe: Vielfalt und Lebensfreude.

esw