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"Musik ist lebensrelevant"

Konzerte fallen derzeit allerorts pandemiebedingt aus. Auch "Jugend musiziert", der bedeutendste Nachwuchswettbewerb für klassische Musik in Deutschland, kann in diesem Jahr nicht stattfinden. Glück dagegen hat das Nachwuchsprogramm "Meisterschüler – Meister", zu dem auch die Music Academy des Geigers Daniel Hope gehört.
Foto: Nicolas Zonvi
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Diesen September findet zum dritten Mal die Hope Music Academy für Nachwuchsmusizierende auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg statt. Ein Glücksfall für die jungen Musiker, denn der Workshop bei Daniel Hope beinhaltet weit mehr als nur eine musikalische Ausbildung. Der nicht nur für seine Musik, sondern auch für sein humanitäres Engagement bekannte Geiger hat dem von ihm betreuten Workshop noch eine Komponente hinzugefügt, die seiner Meinung nach in der Musikerausbildung oft zu kurz kommt: Karriereplanung. "Viele junge Musiker glauben, dass eine Einladung oder ein großes Konzert eine Karriere ermöglichen können. Dies ist längst nicht mehr der Fall. Eine Karriere besteht vor allem aus Wiedereinladungen, Stufe für Stufe, über Jahre hinweg. Außerdem weiß man nie, wer im Saal sitzt, egal wie klein oder unbekannt der Konzertort erscheint. Die goldene Regel lautet: Jedes Konzert ist lebenswichtig."

Tipps von gestandenen Musikern, die sich bereits eine Karriere aufgebaut haben, sind Gold wert. Wer Berufsmusiker werden möchte, braucht mehr als Talent. Hope selbst hatte berühmte Mentoren in seinem Umfeld, zum Beispiel Yehudi Menuhin. Nicht zuletzt darum möchte er der nächsten Generation helfen. "Ich finde es besonders wichtig, erfahrene Musiker zu kennen, die einen mit Ratschlägen, Netzwerken und Inspiration unterstützen können. Als Musiker ist man ständig auf der Suche, und der Anfang kann oft schwierig oder gar frustrierend sein. Wenn man jemanden kennt, der einige Türen öffnet und einem vor allem verschiedene Perspektiven bietet, ist dies besonders hilf- und lehrreich", sagt Hope.

Gerade in Zeiten der Covid-19-Pandemie ist Hope ein großes Vorbild für den Nachwuchs. Mehr als 70 seiner eigenen Konzerte mussten abgesagt werden, aber der Geiger hat kurzfristig reagiert. Er zeigt, wie Kreativität und Einsatz neue Ideen hervorbringen können. Hope lud Kunstschaffende und Freunde zu sich ein und gab Konzerte zunächst in seinem Wohnzimmer in Berlin sowie anschließend, nach dem Lockdown, in verschiedenen Orten in Deutschland vor Publikum, live übertragen von ARTE auf ARTE Concert. "Wenn wir uns in einer globalen Welt durchsetzen wollen, brauchen wir Kreativität, Einfallsreichtum und Innovation. Dies geschieht nicht nur durch Technologie, Finanzen und Wirtschaft, sondern auch durch die Fantasie der Menschen und durch deren Erfüllung in den Künsten. Das ist eine unersetzliche Art, die Welt zu verstehen und zu definieren", so Hope über den Zweck der Kunsterziehung.

Bereits im Alter von 13 Jahren hat Daniel Hope in England für die "Yehudi Menuhin Live Music Now"-Stiftung Konzerte in Krankenhäusern, Gefängnissen und Kinderheimen gegeben. "Dort habe ich zum ersten Mal gemerkt, was Musik bewirken kann. Zu sehen und zu spüren, wie ein Kind mit Autismus oder ein älterer Mensch mit Alzheimer auf Musik reagiert, ist in jeder Hinsicht eine Offenbarung. Und eine Erinnerung daran, warum wir das tun, was wir tun. Musik ist lebensrelevant", sagt Hope. Daher schmerze es ihn auch zu sehen, dass Musiker und Künstler es jetzt gerade so schwer haben. Dennoch sieht er auch Chancen, die aus der schwierigen Zeit erwachsen: "Wenn uns die Pandemie etwas gelehrt hat, dann, dass wir irgendwie alle im gleichen Boot sitzen. Der gute Ton, die Mitmenschlichkeit und die Anständigkeit haben in den letzten Jahren extrem gelitten. Vielleicht nutzen wir die Zeit jetzt, um zumindest zu versuchen, miteinander humaner umzugehen. Die Chance haben wir nur einmal."

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