Riewas "Skandal-Video" Granate im Bad
Hamburg - Strubbelige Haare, die weiße Schlafanzugjacke nur mit einem Knopf verschlossen - so schlappt ein ziemlich zerknitterter Jens Riewa durchs Video der Hamburger Popband "Shine". Als dann das Schlagzeug einsetzt, lässt der 41-jährige "Tagesschau"-Sprecher alle Hemmungen fahren. Der Fön in der Hand verwandelt sich in ein Mikrofon, Riewa schmettert mit verklärtem Gesicht den Refrain "Popmusic, Popmusic. Popstar. Here we are". Wow! Riewa, ein Popstar! Derweilen sitzt Schauspieler Heinz Hoenig auf dem stillen Örtchen, missmutig lauscht er den Tönen, die Riewa und die Band produzieren: Schließlich zerknüllt Hoenig wutentbrannt seine Zeitung und sorgt für Ruhe. Ein fetziger Song, ein cooles Video, ein Spaß.
Doch dieser Spaß ist Riewa nicht vergönnt. "Darf sich ein 'Tagesschau'-Sprecher so zum Clown machen", fragt heute die "Bild"-Zeitung, natürlich ausschließlich getrieben von aufrichtiger Sorge um Sitte, Moral und Anstand in diesem Land. Natürlich nicht, lautet die Antwort - und die kommt aus dem ARD-Programmbeirat. Charlotte von Enhuber, Vertreterin des Bayerischen Rundfunks im Programmbeirat, spricht in dem Blatt von einer "Klamauknummer". Riewa könne durch solche Auftritte "in der Beliebtheitsskala nur absteigen", sagt sie, und dass die "Tagesschau" ein "seriöses Sprecherprofil" verlange. Konsequenzen seien nicht ausgeschlossen. "Wir werden das im Rundfunkrat diskutieren und den Intendanten einschalten."
Beim NDR, der für die ARD-Nachrichten verantwortlich ist, gibt man sich dagegen nachsichtig: Jens Riewa dürfe wie jeder freier Mitarbeiter genehmigten Nebentätigkeiten nachgehen. Eine NDR-Sprecherin bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass diese vorgelegen habe. "Bei freien Mitarbeitern der 'Tagesschau' ist darauf zu achten, dass deren private Aktivitäten der Glaubwürdigkeit der 'Tagesschau' nicht schaden. Bei dem Musikvideo der Popband 'Shine' ist das sicher nicht der Fall", heißt es in einer Erklärung des stellvertretenden NDR-Fernseh-Programmdirektors, Thomas Schreiber.
So nachsichtig waren seine Vorgesetzten nicht immer mit Riewa. Im Februar hatte der damalige NDR-Fernsehdirektor Jürgen Kellermeier seinem Sprecher eine "klare gelbe Karte" gezeigt, weil er bei einem Eishockey-Spiel das Stadion-Mikrofon an sich riss und die gegnerische Mannschaft bepöbelte. "Scheiße, Scheiße, Scheiß-Iserlohn", hatte er gebrüllt - und damit beinahe eine Massenschlägerei in der Halle ausgelöst. Im Sommer 2002 war der Moderator vom NDR schon einmal auf Bewährung gesetzt worden: In der "Bild"-Zeitung hatte er Michelles Liebesqualitäten in vollen Worten gelobt: Die blonde Sängerin sei eine "Granate im Bett". Dass er selbst eine Granate ist, hat er nun mit dem Video bewiesen. Nur eben im Bad.