Spanisch-Französischer Gemüsekrieg Welche Tomate schmeckt am besten?
Tomaten im Garten von Ute Studer in Zürich: »Gewächshaus ist überall Gewächshaus«
Foto: Martin StuderSPIEGEL: Ségolène Royal, Frankreichs ehemalige Umweltministerin, hasst auf einmal spanische Tomaten. Sie seien »ungenießbar«, hat sie gesagt, »fake bio«, hätten nichts in französischen Regalen verloren. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez kontert, Royal habe nie eine spanische Tomate probiert, die seien »unschlagbar«. Was soll der Tomatenkrieg ?
Studer: Sowohl spanische als auch französische Tomaten, um die es geht, kommen aus Gewächshäusern. Sie kriegen keine Sonne ab.
SPIEGEL: Das heißt, sie schmecken eh ähnlich?
Ute Studer in ihrem Garten
Foto: Martin StuderUte Studer, 76, leidenschaftliche Gärtnerin und Buchautorin, schrieb unter anderem »Tomatenlust«, erschienen 2019 im Haupt Verlag, Bern.
Studer: Ähnlich schlecht. Die Samen kommen alle von den Agroriesen. Bayer, Corteva, Syngenta beherrschen 50 Prozent des Saatgutmarktes. Ob die Tomaten dann Ochsenherz heißen, cœur de bœuf oder corazón de buey, ist einerlei.
SPIEGEL: Frau Royal scheint einen gewaltigen Unterschied herauszuschmecken. Französische Winzer haben sogar aus Protest schon spanische Tomaten verbrannt.
Studer: Ich vermute, es geht um Marktanteile und EU-Subventionen, weniger um den Geschmack. Obwohl spanische Tomaten, die in Frankreich verkauft werden, bestimmt etwas schlechter schmecken als in Spanien. Es liegt am Transport, die werden gekühlt. Unter 13 Grad verliert jede Tomate einen Teil ihres Geschmacks.
SPIEGEL: Die Rede ist immerhin von Bio.
Tomaten aus dem Garten
Studer: Gewächshaus-Bio. Auch dort sollen alle gleichzeitig reifen und für den Transport eine harte Haut haben. Und sie werden künstlich bewässert. Das bedeutet immer wenig Geschmack.
SPIEGEL: Gut, was ist mit den italienischen Tomaten? Ist Italien nicht Weltmeister?
Studer: Ein Gewächshaus ist auch in Italien ein Gewächshaus. Was die italienischen Konserven angeht, kommen 80 Prozent inzwischen aus China. Die Tomaten werden in China angebaut und eingekocht, dann werden sie in Italien in Dosen getan und als italienisch vermarktet.
SPIEGEL: Schmecken Sie China?
Studer: Ich habe das Glück, meine eigenen Tomaten im Garten anzubauen. Auch da kann man allerdings viel falsch machen. Ich empfehle: Nicht gießen, das verwässert den Geschmack, die Tomaten ziehen sich selbst genug Wasser aus der Erde. Nicht zu viel düngen. Und nicht zu viele Blätter wegschneiden, auch wenn sie wuchern – sollen sie doch.