Theologe über Tebartz-van Elst "Eines Bischofs unwürdig"
Bischof Tebartz-van Elst: "Ablenkungen und Verschleierungen"
Foto: Boris Roessler/ dpaLimburg - Der Theologe Hermann Häring hat in einem Brief an Limburger Pfarrer den Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst scharf kritisiert. In dem wortgewaltigen Schreiben konstatiert Häring, "dass in der Amtsführung von Bischof Tebartz-van Elst keine Korrektur zu erwarten ist".
Nach Häring seien "Ablenkungen und Verschleierungen, Ausflüchte, Vertröstungen und halbrichtige Behauptungen" zur Routine geworden. Dieses Verhalten habe "ein jedes Vertrauen in das, was uns der Bischof und seine offiziellen Instanzen zur Selbstverteidigung erklären, schwinden lassen".
Häring, ein renommierter Theologe, Kritiker von Benedikt XVI. und ehemaliger Mitarbeiter Hans Küngs, entlädt enormen Frust in seinem Brief. Es ist ein weiteres Schreiben in diesem Konflikt, nachdem erst die Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken sowie Priester und Laien in einem offenen Brief gegen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst rebellierten , ehe der Geistliche selbst mit einem reuigen Schreiben reagierte .
Tebartz-van Elst steht seit Monaten wegen seines Führungsstils und angeblicher Verschwendung in der Kritik: Die Kosten für seinen neuen Bischofssitz sind explodiert, inzwischen musste er zugeben, dass der Gesamtbau wesentlich mehr als 10 Millionen Euro kosten würde. Viel Wirbel machte sein Flug erster Klasse nach Indien im vergangenen Jahr, den er zwischenzeitlich bestritt und dann doch einräumen musste. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen falscher eidesstattlicher Versicherung.
"Nicht fähig, sich selbst zu beobachten"
"Dieser enorme Vertrauensverlust ist ein unhaltbarer Zustand, den ein Bistum nicht verdient, der eines Bischofs unwürdig ist und die Betroffenen im Grunde verhöhnt", schreibt nun Häring in seinem Brief. Und weiter: "Ganz offensichtlich ist dieser Kirchenmann überhaupt nicht fähig, sich selbst zu beobachten und in eine selbstkritische Beziehung einzutreten, seine Schwächen zu erkennen und etwas zuzugeben, vielleicht Reue zu zeigen, geschweige denn darüber zu reden und sein Verhalten konkret zu ändern."
Häring sieht den Fall Tebartz-van Elst gar als beispielhaft für die Praxis der Kirche unter den beiden vorherigen Päpsten: Bischöfe seien bislang nur dann berufen worden, "wenn sie absolut obrigkeitshörig waren und sich von persönlichen Sonderproblemen der Gläubigen nicht irritieren ließen". Der Fall sei deshalb so wichtig, "weil er eine Mentalität bloßlegt, die sich - gedämpfter vielleicht - bei vielen Bischöfen eingenistet hat".
Den Brief des Bischofs nennt Häring einen "zarten, geradezu ängstlichen Beginn einer Annäherung", der "noch vieler vieler Schritte" bedürfe.
Einen Schritt ging Tebartz-van Elst mittlerweile: Am Donnerstag lädt er in den neuen Bischofssitz auf der Limburger Domplatte ein. Es sollen Gruppenführungen stattfinden. Während der Bauphase war das Objekt streng abgeschirmt worden. Nach SPIEGEL-Informationen konnten Handwerker den Bau jedoch dokumentieren. Am Montag sagte Tebartz-van Elst bei einer Veranstaltung in Königstein, es stünden Sachen in den Zeitungen, "die gar nicht stimmen". Er fühle sich ohnmächtig.
Häring schreibt am Ende seines Briefes: "Falls er sein Amt nicht zur Verfügung stellt, hat er noch einen dornigen Weg vor sich."