Weiterfahrt ins Zwischenlager Castortransport bringt hoch radioaktive Ladung nach Deutschland
Entladung eines Castorbehälters am Hafen von Nordenham (Archiv): Deutschland ist verpflichtet, den gefährlichen Stoff zurückzunehmen
Foto: Sina Schuldt / picture alliance / dpaEs geht um sieben Behälter: Ein Castortransport soll hoch radioaktiven Atommüll nach Süddeutschland bringen. Er stammt aus einer Wiederaufarbeitungsanlage in Großbritannien. Deutschland ist verpflichtet, den gefährlichen Stoff zurückzunehmen. Wann und wie genau – das unterliegt strenger Geheimhaltung. Einige Informationen sind inzwischen jedoch bekannt.
Welche Route nimmt der Transport?
Die Behälter sollen von einer Wiederaufarbeitungsanlage in Großbritannien über einen deutschen Hafen in das Zwischenlager in Niederaichbach im Landkreis Landshut in Niederbayern gebracht werden. Am vergangenen Mittwoch meldeten die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) in Essen und das britische Unternehmen Sellafield Ltd., dass ein Spezialschiff den Hafen in Barrow-in-Furness verlassen habe.
Nach Einschätzung des Bündnisses »Castor stoppen!« wird das Spezialschiff im niedersächsischen Nordenham im Landkreis Wesermarsch erwartet. Demnach werden die Castorbehälter dort auf Waggons verladen. Der Zug werde vermutlich nicht vor Dienstag starten, heißt es auf der Seite des Bündnisses. Am Montagvormittag meldete die Gruppe eine Ansammlung von Polizeibooten in Bremerhaven, die auf eine baldige Ankunft des Transports hindeuteten. Die weitere Route soll demnach über Hannover, Göttingen und Fulda verlaufen.
Zwischenlager am Standort Isar: Sieben Castorbehälter mit Atomabfällen zusätzlich
Foto: Christopher Mick / BGZ / picture allianceDas Zwischenlager befindet sich am Standort Isar des ehemaligen Kernkraftwerks Isar. Dessen Block I war bereits 2011 abgeschaltet worden, Block II wurde 2023 vom Netz genommen. In dem Zwischenlager seien bereits abgebrannte Brennelemente in Castorbehältern gelagert, die aus den beiden stillgelegten Blöcken stammten, sagte ein Sprecher des Betreibers, der Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ). Nun kommen die sieben Castorbehälter mit Atomabfällen aus Sellafield hinzu.
Warum gibt es überhaupt noch Castortransporte?
Ursprünglich wurde der Atomausstieg in Deutschland 2002 beschlossen. Bis die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet wurden, dauerte es allerdings bis April 2023.
Bis zum Jahr 2005 sei es gängige Praxis gewesen, einen Teil der in Deutschland verbrauchten Brennelemente in Wiederaufarbeitungsanlagen nach Frankreich und Großbritannien zu bringen, teilte die Gesellschaft für Nuklear-Service mit. Diese Praxis wurde demnach von der Bundesregierung 2005 gesetzlich beendet.
Dennoch müssen aus Sellafield insgesamt noch 14 Castorbehälter zurückgenommen werden. Neben den sieben, die nun an den Standort Isar transportiert werden, sollen sieben weitere nach Brokdorf (Schleswig-Holstein) gebracht werden; wann genau, ist unklar. Sechs Behälter aus Sellafield wurden bereits 2020 in Biblis (Hessen) zwischengelagert.
Die Rückführung von Atommüll aus der Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague ist den Angaben nach mit dem Transport von vier letzten Castorbehältern 2024 nach Philippsburg (Baden-Württemberg) abgeschlossen worden. Zwischen 1995 und 2011 waren mehr als 100 Behälter ins Zwischenlager in Gorleben (Niedersachsen) gebracht worden.
Wie teuer ist der Transport?
Für den jetzigen Transport nach Niederbayern liegt keine Schätzung vor. Für einen Castortransport im November 2020 vom britischen Sellafield ins hessische Biblis gab die Bundesregierung Kosten in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro an. Damit sei die Unterbringung der Einsatzkräfte bezahlt worden, hieß es in der Antwort auf eine Kleine Anfrage . Die Kosten für den Transport selbst trage die Energiewirtschaft, hieß es dort.
Was sagen die Gegner?
Vor dem Bremer Hauptbahnhof versammelten sich bereits am Sonntag rund 30 Demonstrierende. Bei windigem Wetter hielten sie Banner mit Aufschriften wie »Atomkraft? Nein danke«, »Castor stoppen!« oder »100 % Erneuerbare!« hoch. »Wir wollen anlässlich dieses Transports darauf aufmerksam machen, dass das Atommüllproblem in Deutschland noch lange nicht gelöst ist«, sagte eine Demonstrantin. Das Problem werde zu wenig wahrgenommen.
Auch der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) in Bonn kritisierte den Transport über die Nordsee und quer durch das Bundesgebiet. Er rief zur Teilnahme an Mahnwachen und Protestkundgebungen an der Transportroute auf. Im Landkreis Landshut selbst geht man aber nicht von größeren Protesten aus, so berichtet es BR24 .