OT Passantin:
»Ich habe Angst, einfach nur Angst«
Jetzt also doch – der Weihnachtsmarkt in der Magdeburger Innenstadt wird aufgebaut. Ein Jahr nach dem verheerenden Anschlag steht er kurz vor der Eröffnung. Aber wie sicher ist es noch, hier einen Glühwein zu trinken? Darüber gibt es Streit zwischen Stadt und Landesverwaltungsamt. Dieses wollte das Sicherheitskonzept zunächst nicht durchgehen lassen, dann wurde nachgebessert.
OT Passanten:
»Ein bisschen mulmig ist einem schon, wenn man hier geht. Aber wie gesagt, bei der Sicherheit, was jetzt hier aufgetragen wird, da sollte man eigentlich keine Angst haben.«
»Das ist einfach das Gefühl, was einen da so beschleicht. Es könnte ja trotzdem jederzeit auch wieder passieren.«
»Das wäre Blödsinn, den nicht aufzumachen. Die Sicherheitssachen sind doch alle so weit da. Wenn einer mit dem Rucksack hierhin kommt oder mit einem Messer, was wollen sie machen? Dann können wir auch nichts machen.«
Am Abend des 20. Dezember 2024 raste der 50 Jahre alte, ein aus Saudi-Arabien stammender Arzt und Psychiater Taleb Al Abdulmohsen mit einem Mietwagen über den Weihnachtsmarkt. Mehr als 300 Menschen wurden dabei verletzt, fünf Frauen und ein neunjähriger Junge starben. Die Tat ist immer noch präsent – auf dem Weihnachtsmarkt und auch in den Herzen der Menschen.
OT Passanten:
»Wenn man sich dann vorstellt, dass man hier ist und nicht ausweichen kann, man sieht den vielleicht kommen und weiß nicht wohin und ist dem Ganzen ausgeliefert, das ist schon sehr bedrückend, jetzt hier lang zu gehen nach einem Jahr.«
»Die Vorstellung, dass hier Menschen gestorben sind… Ich drücke es jetzt mal ein bisschen krass aus, auch Menschen mehr oder weniger zerfetzt wurden. Also, dass hier Körperteile lagen, die Vorstellungen, ist sehr, sehr schlimm.«
Nun hat der Prozess gegen den Attentäter Taleb Al Abdulmohsen begonnen – ausgerechnet jetzt, wo der nächste Weihnachtsmarkt vor der Tür steht – und auch unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen. Für viele Magdeburgerinnen und Magdeburger ist das eine Belastung. Zumal der Täter vor Gericht mit wirren und verschwörungstheoretischen Aussagen auffällt.
OT Passanten:
»Ganz ehrlich, also ich muss mich wirklich zusammenreißen, ich habe so einen Hals. Ich finde das so unmöglich, dass der Mensch so eine Bühne kriegt. Er hält den Laptop hoch, September 2026, diese Botschaft, da frage ich sie, was soll das jetzt heißen? Droht er uns wieder?«
»Wir haben tatsächlich etliche Betroffene bei uns im Bekanntenkreis, da sieht es nicht lustig aus. Das kann man einfach so sagen. Die werden ihr Leben lang Schaden davon tragen und dafür soll er einfach büßen. Fertig, aus!«
»Der Zeitpunkt ist auch doof gewählt für die Gerichtsverhandlung, würde ich sagen. Hätte man das vielleicht später ansetzen sollen oder früher? Weil der Fall liegt ja klar auf der Sache.«
»Meiner Meinung nach gehört der Kerl weggesperrt für immer, weil der hat ja selber gesagt, er würde es wieder tun und er würde wieder Menschen umbringen.«
Dass der Weihnachtsmarkt nach dem Hin und Her um die Sicherheitsauflagen nun doch stattfindet, ist allerdings auch ein Zeichen: Denn sonst hätte der Täter mit seiner Terror-Tat sein Ziel erreicht.