Arafat: Die Witwe sorgt für neue Polonium-Schlagzeilen - DER SPIEGEL
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Suha Arafat Die unbeliebte Witwe

Jassir Arafats Witwe Suha spielt eine zentrale Rolle bei den Untersuchungen zum angeblichen Giftmord. Doch ihre Glaubwürdigkeit bei der Aufklärung ist umstritten: Mit nahezu allen einstigen Weggefährten des Palästinenserchefs liegt sie im Clinch.
Suha Arafat: Die umstrittene Witwe sorgt wieder für Schlagzeilen
Suha Arafat: Die umstrittene Witwe sorgt wieder für Schlagzeilen

Suha Arafat: Die umstrittene Witwe sorgt wieder für Schlagzeilen

Foto: FADI AL-ASSAAD/ REUTERS
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Paris - Verschwörer wollten ihren Mann umbringen. Das war für Suha Arafat schon klar, als Palästinenserführer Jassir Arafat noch gar nicht tot war. "Es geht ihm gut, und er kommt bald nach Hause", behauptete 2004 die damals 41-Jährige, als Arafat im französischen Militärkrankenhaus Percy zwischen Leben und Tod schwebte.

Die Palästinenserführung, die den 75-jährigen Kranken besuchen wollte, um sich selbst ein Bild zu machen, ließ Suha Arafat nicht durch. Vor ihrem Besuch zeterte sie im Interview mit dem arabischen Fernsehsender al-Dschasira: "Sie wollen nur erben. Sie kommen nach Paris, um Abu Ammar lebendig zu begraben." Abu Ammar war der Kampfname Jassir Arafats.

Drei Jahre lang hatte Suha Arafat ihren Mann nicht gesehen. Nun behandelte sie den Sterbenden wie ihr Eigentum. Nach seinem Tod lehnte die Witwe es ab, die Krankenhaus-Unterlagen zu veröffentlichen. Eine Autopsie wurde nicht durchgeführt. Suha Arafat wäre die einzige gewesen, die diese hätte beantragen können.

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Verdacht auf Giftmord: Arafats schneller Verfall

Foto: ABBAS MOMANI/ AFP

Diese Vorgeschichte macht es Suha Arafat schwer, jetzt die Rolle der Aufklärerin zu spielen, wo es wieder um den Tod des Friedensnobelpreisträgers geht: Sie genießt keine hohe Glaubwürdigkeit, weil sie eigene Interessen in der Angelegenheit verfolgt.

Suha Arafat verheimlichte die Krankenakte

Die Witwe hatte 2012 den Anstoß zur Untersuchung gegeben. Sie übergab einem al-Dschasira-Reporter persönliche Gegenstände Arafats - seine Zahnbürste, eine Unterhose, sein ikonisches Kopftuch. Der Sender beauftragte Schweizer Wissenschaftler mit der Untersuchung. Sie fanden Polonium-Spuren.

Daraufhin forderte Suha Arafat acht Jahre nach dem Tod des Palästinenserchefs eine Autopsie. Ramallah kam ihrer Aufforderung nach. Am Mittwoch präsentierte das erneut von al-Dschasira beauftragte schweizerische Forensiker-Team die Autopsie-Ergebnisse. Sie sind nicht so eindeutig, wie Suha Arafat sie darstellt - sie sprach sofort von Mord.

Nach acht Jahren ist es extrem schwierig, das schnell zerfallende Polonium nachzuweisen. Eine Vergiftung, also dass Arafat das Isotop verabreicht bekam, ist nahezu unmöglich zu beweisen. Nach dem Bericht der Schweizer bleibt es weiterhin eine Glaubensfrage, ob Arafat nun ermordet wurde oder nicht.

Im Nahen Osten sorgte die Nachricht dementsprechend kaum für Aufsehen. Viele Palästinenser sind sowieso überzeugt, dass Israel Arafat umgebracht hat. Viele Israelis wiederum halten dies für verleumderischen Humbug. Einig ist man sich wohl nur in der Skepsis gegenüber Suha Arafat.

Hinter den Vorwürfen steckt auch ein Erbstreit

Im Streit zwischen der Witwe und Arafats Weggefährten geht es auch ums Erbe - darum, wer sich wie viel davon einverleibt hat und glaubt, der jeweils andere habe mehr abbekommen.

Knapp eine Milliarde Dollar habe Jassir Arafat aus den Einnahmen der Palästinenserbehörde abgezweigt, sagte der Internationale Währungsfonds nach einer Überprüfung der Konten Ramallahs. Wohin dieses Geld verschwand, wusste wohl nur der Palästinenserchef selbst.

Arafats Witwe hatte bei den Palästinensern schon immer einen schweren Stand. Das offensichtliche Luxusleben der Christin aus reichem Elternhaus irritierte viele Palästinenser. Doch auch mit den Weggefährten ihres Mannes verscherzte sie es sich früh: Sie warf ihnen Korruption vor.

Suha Arafats Lebenswandel hat seit dem Tod ihres Mannes etwas gelitten. Monatlich rund 200.000 Dollar soll er ihr nach Paris überwiesen haben. Manchmal wohl auch mehr. Frankreich nahm 2004 Ermittlungen gegen sie wegen Geldwäsche auf, weil sie 11,5 Millionen Dollar über sein Schweizer Konto erhalten hatte. Sie behauptete, hinter den Vorwürfen stecke eine Verschwörung des israelischen Premierministers Ariel Scharon.

Inzwischen lebt sie auf Malta und bekommt als Witwenrente noch immer etwa 13.000 Dollar monatlich von Ramallah überwiesen.