Großbritannien-Wahl: Bye, bye, Ukip - DER SPIEGEL
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Wahlschlappe für Eurokritiker Ukip: Nigel Farage tritt ab

Foto: Peter Macdiarmid/ Getty Images

Farage-Pleite bei der Unterhauswahl Bye-bye, Ukip

Sein Einsatz war hoch, die Pleite bei der Wahl deshalb doppelt bitter: Ukip-Chef Nigel Farage hat den Sprung ins Parlament verpasst - und den Parteivorsitz abgegeben. Was bleibt nun von den EU-Gegnern?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nigel Farage ist das Gesicht der UK Independence Party (Ukip). Sein breites Grinsen begleitete den Erfolg bei der Europawahl im vergangenen Jahr, sein markantes Lachen war auch im Wahlkampf der vergangenen Wochen wieder und wieder zu hören. Doch das dürfte dem Rechtspopulisten vergangen sein. Er ist gescheitert. Und man muss sagen: Nigel Farage war das Gesicht der Ukip.

Zugegeben, sein Einsatz war hoch. Der 51-Jährige hatte angekündigt, als Ukip-Chef zurückzutreten, wenn er bei der Unterhauswahl am Donnerstag kein Mandat bekommen sollte. Nach einer langen Wahlnacht steht nun fest: Thanet South stimmte gegen ihn. Ins Unterhaus zieht für den Wahlkreis nun der Tory Craig Mackinlay, nicht Farage.

Am Freitagmittag machte er seine Ankündigung wahr und gab den Parteivorsitz ab. Seinen Humor hat er trotz des enttäuschenden Ergebnisses nicht verloren. "Vor fünf Jahren lag ich am Wahltag nach einem Flugzeugabsturz auf der Intensivstation", sagte Farage. "Verglichen damit geht es mir verdammt gut." Damals war er im Wahlkampf mit einer Kleinmaschine auf einem Feld notgelandet und hatte sich Verletzungen zugezogen.

Fünf Jahre später beschränkte sich die Bruchlandung zum Glück nur auf das Wahlergebnis. Denn bei der Zahl der Abgeordneten-Mandate hatte die Partei auf mehr gehofft. Tim Aker etwa, Ukip-Kandidat in Thurrock und gemeinsam mit Farage Abgeordneter im Europaparlament, verfehlte den Einzug knapp, der Sitz geht an die Konservativen.

Nach Prozentpunkten erreichten die Europa-Kritiker zwar mehr als zwölf Prozent der Stimmen. Durch das Mehrheitswahlrecht, wonach nur der Gewinner eines Wahlkreises ins Parlament zieht, bringt ihnen das jedoch nicht entsprechend viele Abgeordnete in Westminster.

Allein Douglas Carswell konnte seinen Sitz verteidigen. 2010 war er für die Tories ins Parlament gezogen, im vergangenen Jahr hatte er seinen Rücktritt erklärt und war zu Ukip übergelaufen. Bei der Nachwahl verteidigte er damals sein Mandat - so auch jetzt wieder.

Doch was wird aus der Ukip ohne Farage?

Bei seinem Abschied empfahl Farage auch gleich noch eine Nachfolgerin für seinen Posten: Suzanne Evans aus dem Parteivorstand. Sie hätte eine gewaltige Aufgabe zu meistern, denn Farage erscheint unersetzlich. Er hat die Partei in den vergangenen fünf Jahren als Vorsitzender groß gemacht, indem er die Schwächen der Tories brutal offenlegte. Er weiß, dass ein Teil des konservativen Stammklientels europaskeptisch ist und die EU am liebsten verlassen würde. Farage hat diesen Wählern eine politische Heimat gegeben.

Gleichzeitig baute er die Ukip von einer Ein-Themen-Partei zu einer breit aufgestellten Bewegung um, die ein Wirtschaftsprogramm besitzt und ihr Wahlmanifest von unabhängigen Experten prüfen lässt. Inzwischen ist die Ukip zu einer Sammelpartei sowohl für enttäuschte Tories geworden, als auch für Arbeiter und Angestellte, die früher Labour wählten und sich vor Billiglöhnern aus Europa fürchten.

Mit dem Wahlprogramm polarisierte die Partei: Großbritannien solle die Europäische Union verlassen, unqualifizierte Einwanderer fünf Jahre lang nicht ins Land kommen dürfen und ein Punkte-System für potenzielle Immigranten soll eingeführt werden, ähnlich wie in Australien. Zu mehr Sitzen im Parlament hat dieser radikale Kurs nicht geführt.

Dennoch: Die Partei bestimmte die politische Debatte im Vereinigten Königreich, trieb vor allem die Konservativen thematisch vor sich her. Ohne Farage hätte Premierminister David Cameron kaum ein EU-Referendum für 2017 versprochen. Auch die Angst vor EU-Einwanderern schürte vor allem die Ukip. Selbst gegen die Schotten wetterte Farage - sie würden vom englischen Steuerzahler gefüttert -, und gegen seinen Lieblingsfeind: Europa.