Bürgerkrieg im Kongo Demonstranten stürmen Uno-Stützpunkt - Tote und Verletzte
Ein Videoausschnitt zeigt die aufgebrachten Demonstranten und die Blauhelmsoldaten in Beni
Foto: Ushindi Mwendapeke Eliezaire / AFPNach einem mutmaßlich islamistischen Angriff mit acht Toten haben Hunderte aufgebrachte Menschen das Lager der Uno-Friedenstruppe Monusco in Beni im Osten der Demokratischen Republik Kongo überfallen. Die Demonstranten warfen den Uno-Blauhelmen angesichts des Attentats "Untätigkeit" vor. Zuvor hatten sie bereits das Rathaus der Stadt gestürmt und in Brand gesetzt.
Kongolesische Sicherheitskräfte feuerten zunächst Warnschüsse in der Nähe des Monusco-Lagers ab. Die Demonstranten stießen dennoch weiter zu dem Uno-Lager vor und setzten ein Büro auf dem Gelände in Brand. Zu dem Zeitpunkt war das Lager offenbar bereits geräumt worden.
Nach Angaben der kongolesischen Armee wurden im Zuge der Auseinandersetzungen vier Demonstranten getötet, zehn weitere sowie drei einheimische Soldaten wurden verletzt.
Offensive der Armee: Dutzende Tote seit Anfang November
Anlass der Unruhen war der Armee zufolge ein nächtlicher Angriff der islamistischen Miliz Alliierte Demokratische Kräfte (ADF) am Wochenende in Beni, bei dem acht Menschen getötet und neun weitere entführt wurden.
"Im Moment sind Sicherheitskräfte und Uno-Truppen absolut nicht in der Lage, die Menschen in Beni und anderen Städten des Kongos zu schützen", sagte der stellvertretende Direktor der Menschenrechtsorganisation Amnesty International für Ostafrika, Seif Magango.
Die Gegend um Beni ist reich an Bodenschätzen - zahlreiche Rebellengruppen kämpfen dort gegeneinander und gegen die Armee. Zudem ist in der Region Ebola ausgebrochen, in den vergangenen zwei Monaten starben mehr als 200 Menschen an der Seuche.
Anfang November hatte die kongolesische Armee eine Offensive gegen die ADF-Miliz gestartet. Seither wurden in der Region Beni mehr als 70 Zivilisten getötet.
Schwierige Monusco-Mission in der Kritik
Die Monusco hatte zuvor erklärt, sie könne ohne Aufforderung seitens der Regierung nicht aktiv werden. Ein unkoordiniertes Vorgehen könne überdies zum Beschuss der eigenen Soldaten führen. In der vergangenen Woche waren bei einem gemeinsamen Einsatz mit kongolesischen Soldaten gegen die Rebellen sieben Blauhelmsoldaten getötet worden.
Die Blauhelm-Mission steht wegen ihrer hohen Kosten und geringen Effizienz in der Kritik. In einer Untersuchung von 2018 warfen Uno-Ermittler der seit 1999 in der Demokratischen Republik Kongo stationierten Truppe Führungsprobleme und Mängel in der Ausbildung vor.