Liu Xiaobo ist tot: Chinesischer Dissident und Friedensnobelpreisträger gestorben - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Chinesischer Dissident Liu Xiaobo ist tot

Der chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist tot. Er erlag einem Krebsleiden. Eine Behandlung im Ausland hatten die Behörden bis zum Ende verweigert.
Liu Xiaobo
Liu Xiaobo

Liu Xiaobo

Foto: HO/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der chinesische Dissident und Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist tot. Das teilte die Justizbehörde der Stadt Shenyang, wo der 61-Jährige unter Bewachung im Krankenhaus behandelt wurde, mit. Er starb demnach an multiplem Organversagen.

Liu war vor gut zwei Wochen aus der Haft ins Krankenhaus verlegt worden. Seine Behandlung im Ausland hatten die chinesischen Behörden verweigert. Der chinesische Bürgerrechtler, der 2009 wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Haft verurteilt worden war, litt unter Leberkrebs im Endstadium.

Liu studierte in den Achtzigerjahren Literatur, 1988 promovierte er mit einer Arbeit über Ästhetik und die Freiheit der Menschen. Schon damals, als Dozent an der Pekinger Universität und Feuilleton-Journalist, machte er sich einen Namen als Kritiker des politischen Monopols der Kommunistischen Partei.

Er forderte ein "freies, demokratisches und verfassungsmäßiges" China

Nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 in Peking saß Liu wiederholt in Haft - insgesamt fünf Jahre lang. Sein Leben lang hatte er sich friedlich für Demokratie, Menschenrechte und Toleranz in China eingesetzt. Er war Mitverfasser der 2008 von 300 Intellektuellen unterzeichneten "Charta 08", in der ein "freier, demokratischer und verfassungsmäßiger Staat" in China gefordert wird.

2010 hat Liu für seinen Einsatz für Demokratie und Menschenrechte den Nobelpreis erhalten, was Chinas Regierung empörte. Während der Autor die vergangenen Jahre im Gefängnis verbrachte, wurde seine Ehefrau Liu Xia in Peking unter Hausarrest gestellt.

Der Gesundheitszustand des Autors hatte sich nach Angaben seiner Ärzte seit vergangener Woche erheblich verschlechtert. Seit Montag schwebte der Patient demnach in Lebensgefahr und wurde intensivmedizinisch behandelt. Einen Tag vor seinem Tod hatten die Ärzte am Mittwoch mitgeteilt, dass seine Atmung versage und er an Organversagen leide. Seine Familie habe eine künstliche Beatmung abgelehnt.

Die Angaben ließen sich nicht überprüfen, weil sowohl Liu Xiaobo als auch seine Familienmitglieder im Krankenhaus unter Bewachung standen und nicht mit Journalisten sprechen durften. Chinas Zensurbehörden verhinderten, dass inländische Medien über den Fall berichteten.

cte/AFP/dpa