Unruhen: Flucht aus Libyen
Liveticker Regimetreue kämpfen um West-Libyen
+++ Gaddafi-Sohn: "Vater spielt auch in Zukunft eine wichtige Rolle" +++
[00:10 Uhr] Während im Osten des Landes die Menschen schon ihre Befreiung von der Herrschaft Muammar al-Gaddafis feiern, sagte Saadi Gaddafi, ein Sohn des Staatschefs, etwa 85 Prozent Libyens seien "sehr ruhig und sehr sicher". Es gebe zwar Proteste gegen die Herrschaft seines Vaters. Das sei normal. Jeder dürfe seine Meinung frei äußern. Sein Vater werde seiner Ansicht nach auch in Zukunft eine wichtige Rolle in dem nordafrikanischen Land spielen. Allerdings werde "neues Blut" die direkte Kontrolle übernehmen und Reformen einführen müssen, sagte der Sohn Gaddafis im Telefon-Interview der "Financial Times". "Mein Vater würde als der große Vater bleiben, der berät", fügte er hinzu. Sein Bruder Saif al-Islam arbeite an einer neuen Verfassung und werde bald eine Erklärung abgeben.
+++ Obama: "Das Blutvergießen ist inakzeptabel und abscheulich" +++
[23.30 Uhr] US-Präsident Barack Obama hat sich erstmals öffentlich zu der Eskalation in Libyen geäußert. "Das Leiden und Blutvergießen ist abscheulich und inakzeptabel", sagte er am Mittwoch in Washington. Die Gewalt in dem Land müsse beendet werden, sie verletzte internationale Normen. Seine Regierung werde alle Optionen ausschöpfen, um darauf zu reagieren. Außenministerin Hillary Clinton wird am Freitag in Genf an dem Dringlichkeitstreffen des UN-Menschenrechtsrates teilnehmen. Obama kündigte an, die USA würden alles tun, um amerikanische Bürger in Libyen zu schützen. Wie bereits Außenministerin Clinton forderte Obama allerdings weder ausdrücklich den Rücktritt Gaddafis noch Sanktionen. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte jedoch zuvor, es gebe eine "Reihe von Schritten", zu denen er auch Sanktionen zählte.
+++ Kanzlermaschine fliegt über 70 Menschen von Libyen nach Köln +++
[23.00 Uhr] Die deutsche Luftwaffe hat weitere 74 Menschen aus Libyen ausgeflogen. Die Kanzlermaschine "Konrad Adenauer" mit 47 deutschen und weiteren Passagieren aus 15 Nationen landete am Mittwochabend auf dem Militärflughafen Köln. Die Heimkehrer berichteten von chaotischen Zuständen am Flughafen in Tripolis: Tausende Menschen wollten ausreisen und belagerten das Flughafengebäude, sagte der Passagier Roland Gehrmann nach der Landung in Köln. "Sie kommen nirgendwo da rein, Sie müssen sich durchprügeln", sagte er. Unter den Passagieren waren auch einige Kinder. Mit diesem Flug sei nun "die Masse der Deutschen aus Libyen ausgeflogen worden", sagte der Kommandant des Flugzeugs, Oberstleutnant Johannes Stamm.
+++ Ban Ki Moon will Verantwortliche bestrafen lassen +++
[22.50 Uhr] Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon will dafür sorgen, dass die Verantwortlichen für die derzeit in Libyen ausgeübte Gewalt vor einem internationalen Gericht zur Rechenschaft gezogen werden. "Diejenigen, die das brutale Blutvergießen an Unschuldigen (anordnen), müssen bestraft werden", verlangte Ban am Mittwochabend vor Journalisten in New York. Die Berichte aus Libyen ließen nach Einschätzung seiner Völkermordexperten schwere Verstöße gegen die Menschenrechte vermuten, sagte Ban. Der Uno-Chef kündigte an, mehrere seiner Unter-Generalsekretäre nach Ägypten, Tunesien und andere Länder der Region zu entsenden.
+++ Hunderte US-Bürger mit Fähre evakuiert +++
[20.54 Uhr] Die von der US-Regierung angemietete Fähre hat Tripolis angelaufen, um US-Staatsbürger zu evakuieren. Das Schiff biete Platz für 575 Menschen und solle Libyen noch am Mittwoch in Richtung Malta verlassen, hieß es aus Washington. An Bord seien mindestens 35 US-Botschaftsmitarbeiter oder deren Angehörige. Zudem hätten rund 200 US-Bürger in Libyen um Hilfe bei der Ausreise gebeten. Man habe sich für eine Evakuierung auf dem Seeweg entschieden, da es Schwierigkeiten bei der Landegenehmigung für Charterflugzeuge gegeben habe.
+++ Gaddafis Tochter verliert Titel +++
[20.04 Uhr] Die Vereinten Nationen haben der Tochter Gaddafis den Titel einer Uno-Ehrenbotschafterin entzogen. Angesichts der "jüngsten Entwicklungen" in Libyen sei die Zusammenarbeit mit Aischa al-Gaddafi beendet worden, sagte ein Uno-Sprecher. Die Juristin war im Juli 2009 zur Ehrenbotschafterin des Uno-Entwicklungsprogramms (UNDP) ernannt worden. Zu ihren Aufgaben hatte das Eintreten gegen die Verbreitung von Aids und gegen die Unterdrückung von Frauen gezählt.
+++ Marineverband nimmt Kurs auf Libyen +++
[19.50 Uhr] Die Bundeswehr bereitet sich auf eine Evakuierung deutscher Staatsbürger aus Libyen vor. Laut "Kieler Nachrichten" ist ein Verband der Marine von Spanien aus Richtung Libyen unterwegs. Mit dabei seien auch Hubschrauber, um bei einem Ausfall des Flughafens von Tripolis notfalls Zivilisten auch von anderen Orten an der Küste zu evakuieren. Der Einsatzgruppenversorger "Berlin" befinde sich mit den beiden Fregatten "Brandenburg" und "Rheinland-Pfalz" derzeit vor der algerischen Küste. Der Verband mit fast 600 deutschen Marinesoldaten werde am Donnerstag gegen Mittag vor der libyschen Küste erwartet.
+++ Rückkehrer: "Kriegsähnliche Zustände" +++
[19.34 Uhr] Von China bis Kanada arbeiten zahlreiche Länder mit Hochdruck daran, ihre Bürger aus dem Land zu holen, die Rückkehrer berichten von kriegsähnlichen Szenen. Eine britische Lehrerin etwa erzählt von "mindestens 20 Explosionen", über Tripolis kreisten ständig Flugzeuge. "Es ist furchtbar. Vor dem Flughafen sitzen Tausende Menschen herum", sagte ein anderer Augenzeuge.
+++ AU verurteilt Brutalität der Milizen +++
[19.23 Uhr] Der Kommissionspräsident der Afrikanischen Union Jean Ping hat die "unverhältnismäßige Gewalt gegen Zivilisten" kritisiert. Er beobachte die Lage in Libyen mit "großer Sorge" und beklage den Tod vieler Menschen.
+++ USA geißeln Gaddafis Gewalt +++
[19.07 Uhr] Die USA prüfen nach Angaben des Weißen Hauses Optionen, Libyen zur Einstellung der Gewalt gegen die Protestbewegung zu zwingen. Dazu gehörten auch Sanktionen. Präsident Barack Obama verurteile das Blutvergießen in dem nordafrikanischen Land scharf und werde sich zu der Lage dort am Mittwoch oder Donnerstag äußern. Die Gewalt sei "völlig inakzeptabel" und müsse aufhören. Obama hat sich seit Beginn der Unruhen noch nicht öffentlich zur Lage in Libyen geäußert. Seit Mittwoch versuchen die USA wie andere Staaten auch, ihre Staatsbürger aus dem Land zu evakuieren.
+++ Israel lässt Palästinenser aus Libyen einreisen +++
[19.02 Uhr] Israel wird 300 Palästinensern aus Libyen die Einreise in die Palästinensergebiete erlauben. Dies werde in den kommenden Tagen geschehen, sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.
+++ Berichte: Zufahrtswege in der Hand von Gaddafi-Getreuen +++
[18.50 Uhr] Der BBC zufolge gibt es Hinweise darauf, dass Anhänger des Gaddafi-Regimes wichtige Zufahrtsstraßen zwischen der libysch-tunesischen Grenze und der Hauptstadt Tripolis kontrollierten. Einwohner von Tripolis sagten, Milizen Gaddafis feuerten willkürlich in den Straßen. Einer Augenzeugin zufolge seien die Straßen menschenleer. Verletzte könnten keine Krankenhäuser aufsuchen, aus Angst, erschossen zu werden.
Im Online-Netzwerk Facebook tauchten neue Videos auf, die Regierungsgegner in Sawija, außerhalb von Tripolis, beim Hissen der Flagge der Monarchie zeigten. In anderen Videos waren Aktivisten zu sehen, die Zementblöcke errichteten und Reifen anzündeten, um ihre Position auf einem Platz der Hauptstadt zu verteidigen. Eine Bestätigung der Bilder von unabhängiger Seite gab es nicht.
+++ Uno erwägt Flugverbot +++
[18.27 Uhr] Die Uno-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay fordert die Verhängung eines Flugverbots über dem libyschen Luftraum, sollten sich die Hinweise auf Luftangriffe des Regimes gegen Zivilisten erhärten.
+++ Libysches Flugzeug muss umkehren +++
[18.20 Uhr] Malta hat einem libyschen Flugzeug die Landeerlaubnis auf dem internationalen Flughafen in Valetta verweigert. Die Turboprop-Maschine der Fluglinie Libyan Arab Airlines mit 14 Menschen an Bord sei unerwartet in maltesischem Luftraum aufgetaucht und habe daher nicht landen dürfen. Der Pilot habe daraufhin erklärt, die Landung sei bereits für Dienstag vorgesehen gewesen, und er habe dafür eine Erlaubnis gehabt. Ihm fehle Treibstoff. Nach erfolglosen 20-minütigen Verhandlungen musste das Flugzeug schließlich wieder nach Libyen umdrehen.
+++ Öl-Sorgen: Dax bricht ein +++
[18.15 Uhr] Wegen der chaotischen Zustände in Libyen ist der deutsche Aktienmarkt erneut eingebrochen. Der Aktienindex Dax verlor 1,7 Prozent und ging bei 7195 Punkten aus dem Handel.
+++ Organisation: 640 Tote +++
[18.05 Uhr] Die Internationale Menschenrechtsliga (FIDH) schätzt die Zahl der bei den Unruhen in Libyen ums Leben gekommenen Opfer auf mindestens 640 Menschen. Unter ihnen seien 130 Soldaten, die sich geweigert hätten, auf Demonstranten in Bengasi zu schießen, teilte die Organisation mit. Allein in Tripolis habe es 275 Opfer gegeben. Nicht mitgezählt seien mögliche Tote in Tobruk, wo es ebenfalls Unruhen gab. Die libysche Regierung spricht offiziell von insgesamt 300 Toten.
+++ Fahnenwechsel in Rom +++
[17.50 Uhr] Dutzende Gaddafi-Gegner haben vor der libyschen Botschaft in Rom protestiert. Unter Rufen wie "Mörder, Mörder" und "Freiheit für Libyen" überwand ein Teil der Demonstranten die Absperrungen vor dem Botschaftsgebäude, berichteten italienische Medien. Es gelang ihnen, vorübergehend die offizielle Fahne Libyens gegen die des früheren Königreichs auszutauschen, hieß es. Die 1969 von Gaddafi eingeführte Fahne sei von der Menge verbrannt worden.
+++ Barroso für Kollektivverantwortung +++
[17.40 Uhr] Im Fall eines Ansturms von Flüchtlingen aus Libyen soll Europa nach Ansicht von Kommissionspräsident José Manuel Barroso gemeinsam handeln. Einer solchen Situation müsse auf eine "europäische Art" begegnet werden, sagte er Brüssel.
+++ Strafgerichtshof kann Verbrechen in Libyen nicht nachgehen +++
[17.28 Uhr] Der Internationale Strafgerichtshof ICC in Den Haag kann in Libyen begangene Verbrechen vorerst nicht untersuchen. Das Büro des ICC-Staatsanwalts Luis Moreno-Ocampo gibt eine entsprechende Erklärung ab. Nur wenn das betroffene Land die Autorität des Gerichts anerkenne oder aber der Uno-Sicherheitsrat das Gericht mit der Untersuchung beauftragt, könnten die Ermittler tätig werden. "Die Entscheidung, dass Recht gesprochen werden muss, sollte vom libyschen Volk ausgehen", heißt es in der Erklärung.
+++ Syrien schickt Schiffe zum Evakuieren +++
[17.24 Uhr] Auch Syrien will Schiffe an die libysche Küste entsenden. Die Marine soll die dort festsitzenden syrischen Landsleute aufnehmen. Auf Anordnung von Präsident Baschar al-Assad sollten die Schiffe Bengasi anlaufen, die zweitgrößte libysche Stadt, berichtet das syrische Staatsfernsehen.
+++ Britischer Ölarbeiter berichtet von "Alptraum" in der Wüste +++
[17.05 Uhr] James Coyle, ein Ölarbeiter aus Großbritannien, erzählt der BBC, er sei mit rund 300 anderen Menschen - unter anderem auch Deutsche und Österreicher - in einem Camp in der Wüste Ostlibyens gestrandet. Man habe nur noch Wasser und Vorräte für "vielleicht" einen Tag, bewaffnete Vandalen kämen zum Plündern. "Sie haben das deutsche Camp nebenan geplündert, alle Fahrzeuge mitgenommen", berichtet Coyle. "Das Ganze ist ein Alptraum."
+++ Noch 10.000 EU-Bürger in Libyen +++
[16.47 Uhr] Die noch festsitzenden EU-Bürger sollen notfalls auf dem Seeweg aus Libyen gebracht werden. Die EU sei bereit, dafür zusätzliche Transportkapazitäten bereitzustellen, sagt ein Sprecher der Europäischen Kommission in Brüssel. Noch rund 10.000 EU-Bürger sollen im Land sein.
+++ Demo und Festnahmen vor Botschaft in Berlin +++
[16.41 Uhr] Protest gegen Gaddafi auch in Berlin: Bei einer Demo vor der libyschen Botschaft stürmen zwei Teilnehmer auf das Gelände der Residenz. Es gelingt ihnen nach Angaben der Polizei, vorübergehend die offizielle Fahne Libyens gegen die des Königreichs auszutauschen. Verletzt wird dabei niemand. Die beiden Männer werden von der Polizei festgenommen.
+++ Autokorso in Tobruk +++
[16.27 Uhr] SPIEGEL-ONLINE-Reporter Mathias Gebauer aus Tobruk: In einem langen Auto-Konvoi ziehen Tausende Gegner des Regimes von Gaddafi neben den Autos durch die Hafenstadt im Osten Libyens, Die Fahrzeuge sind mit rot-grün-roten Fahnen, den Farben des alten Königs, geschmückt. "Sieg oder Tod", skandieren die Massen, "wir werden Gaddafi unsere Stadt nie wieder überlassen". Seit etwas drei Tagen haben die Armee und alle anderen Sicherheitskräfte die Stadt verlassen, Milizen haben nun die Macht. Viele der Männer auf den Autos sind bewaffnet, schwenken mit Pistolen und Maschinengewehren herum.
+++ Ex-Protokollchef nennt Gaddafis Verhalten "diabolisch" +++
[16.21 Uhr] In einem Interview mit dem arabischen Fernsehsender al-Dschasira erklärt der ehemalige Protokollchef von Gaddafi, warum er seinem einstigen Chef den Rücken gekehrt hat. "Diesen Irrsinn gab es vorher nicht", sagte er. Doch nun habe sich der Machthaber gegen das eigene Volk gewandt. "Das ist Massenmord", sagte der einstige Vertraute, der sich derzeit in Paris aufhält. "Man kann sich dann entscheiden, ob man Teil dieses diabolischen Tuns ist - oder ob man sich wie ein menschliches Wesen verhält und dem Ganzen den Rücken kehrt."
+++ Kampfflugzeug abgestürzt - Pilot wollte Bengasi nicht angreifen +++
[16.06 Uhr] Dramatische Szenen an Bord eines libyschen Kampfflugzeuges. Pilot und Co-Pilot der Maschine sprangen mit einem Fallschirm kurz vor dem Absturz in der Nähe der Stadt Adschdabija ab. Beide hätten den Befehl zum Angriff auf die Stadt Bengasi verweigert, berichtet die libysche Zeitung "Qurina" auf ihrer Website unter Berufung auf Militärkreise. Adschdabija liegt 160 Kilometer südwestlich von Bengasi. Aus gut unterrichteten Kreisen in Tripolis hieß es, einen solchen Angriffsbefehl könne nur Gaddafi selbst gegeben haben. Es soll sich um eine russische Maschine vom Typ Suchoi SU-22 gehandelt haben.
+++ Österreicher planen Rettungs-Konvoi +++
[15.42 Uhr] Österreich will seine Bürger möglicherweise mit einem Fahrzeugkonvoi aus Libyen retten. Man wolle 20 Österreicher aus dem Raum Tripolis über den Landweg in Sicherheit bringen, kündigt Außenminister Michael Spindelegger nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA an: "Ich hoffe, das gelingt." Die genaue Route sei noch unklar, in Richtung Ägypten gebe es aber praktisch kein Durchkommen mehr.
+++ Siegesfeiern in Bengasi und Tobruk +++
[15.35 Uhr] Vorfreude ist die schönste Freude. Noch hat Muammar al-Gaddafi nicht aufgegeben, aber in Teilen Libyens wird schon gejubelt. Die Bewohner mehrerer Städte im Osten des Landes feiern bereits die "Befreiung" ihrer Region. Augenzeugen berichten, in den Städten Bengasi und Tobruk seien die Vertreter der Staatsmacht entweder verschwunden oder hätten sich den Aufständischen angeschlossen.
+++ Leere Straßen in Tripolis +++
[15.21 Uhr] In Tripolis ist es auffallend ruhig. Sonst volle Straßen in der libyschen Hauptstadt sind leer. "Viele Menschen in Tripolis haben Angst, ihre Häuser zu verlassen", sagt der Tunesier Marwan Mohammed, als er die Grenze zu seiner Heimat überquert. Bewaffnete Anhänger von Gaddafi zögen umher und bedrohten alle, die in einer Gruppe zusammenkämen.
Proteste gegen Gaddafi: Libyen erhebt sich
+++ Wintershall stellt Ölproduktion ein +++
[15.13 Uhr] Die BASF-Tochter Wintershall muss auf die Unruhen in Libyen reagieren. Die Ölproduktion von 100.000 Fass am Tag sei aus Sicherheitsgründen eingestellt worden, sagte ein Sprecher der Kasseler Öl- und Gastochter des Chemieriesen. Libyen ist für Wintershall ein wichtiger Standort. Der Konzern hat 453 Beschäftigte in dem Land, darunter 30 deutsche Staatsangehörige sowie Niederländer, Kanadier, Briten und andere. Die BASF-Tochter betreibt derzeit acht Ölfelder in dem Land.
+++ Menschen in Tripolis verbarrikadieren sich +++
[15.06 Uhr] Ein Augenzeuge namens Sebastian, der gerade aus Libyen ausgeflogen worden ist, berichtet laut BBC: "Ich allein kenne um die 30 Leute, die in ihren Wohnungen festsitzen, die sich nicht zum Flughafen trauen." Auf den Straßen von Tripolis trieben sich plündernde und marodierende Soldaten herum, "da traut sich keiner mehr raus". Die Situation in der Hauptstadt sei "wirklich schrecklich".
Horror-Berichte von Flüchtlingen
+++ "Gott helfe ihnen" +++
[15.01 Uhr] Am Grenzübergang Ras al-Dschadir zwischen Tunesien und Libyen spielen sich dramatische Szenen ab. Ein BBC-Reporter zitiert einen Mann, der aus Libyen geflüchtet ist, mit den Worten, es gebe jenseits der Grenze kein Recht, kein Gesetz mehr. "Gott helfe ihnen", sagt der Flüchtling.
+++ Gaddafis Sohn lebt nicht mehr in München +++
[14.52 Uhr] Gaddafis zweitjüngster Sohn Saif al-Arab wohnt nicht mehr in München. Eine Sprecherin des Kreisverwaltungsreferates bestätigt damit einen Bericht des "Münchner Merkur". Er besaß eine Villa im Stadtteil Waldperlach. Saif al-Arab geriet er mit der Polizei aneinander: Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelte unter anderem wegen Waffenschmuggels und Körperverletzung gegen ihn. Es kam jedoch nie zu einer Anklage.
+++ Sorge um Ölproduktion +++
[14.48 Uhr] Experten gehen davon aus, dass die Unruhen in Libyen der Ölindustrie schaden werden. Als Szenarien für den wichtigen Ölexporteur sind Bürgerkrieg, Übergriffe auf die Energieinfrastruktur oder die Verwahrlosung des gesamten Sektors im Gespräch. "Ein länger andauerndes Chaos wird vermutlich die Raffinerie- und Öl-Aktivitäten unterbrechen", sagte Amy Jaffe, Nahost-Experte bei der Rice University in Houston. "Das Militär wendet sich von Gaddafi ab, also ist unklar, wer die Öleinrichtungen schützen soll", sagte Jaffe. Außerdem würden ausländische Beschäftige der Branche außer Landes gebracht. "Wer also bleibt, um die Industrie am Laufen zu halten?"
+++ Bans schwieriges Telefonat mit Gaddafi +++
[14.40 Uhr] Tapferer Ban Ki Moon: Der Uno-Generalsekretär redete Gaddafi bei einem 40 Minuten langen Telefonat ins Gewissen. "Ich habe ihm ganz klar gesagt, dass die Gewalt aufhören muss - auf der Stelle", sagte Ban. "Das war kein einfaches Gespräch."
+++ Horror-Berichte von Flüchtlingen +++
[14.29 Uhr] SPIEGEL-Reporter Mathieu von Rohr aus Ben Guerdane: In der Grenzstadt Ben Guerdane machen schreckliche Geschichten die Runde, die sich nur schwer bestätigen lassen. Die Rede ist von entfesselten Horden und afrikanischen Söldnern, die Gastarbeiter durch Tripolis jagen, internieren, die Frauen vergewaltigen. Einer behauptet, er habe in Tripolis gesehen, wie ein Tunesier geköpft wurde. Ein anderer will von Verwandten erfahren haben, dass Gaddafi-Anhänger die Wohnungen von Ausländern demolieren. Andere erzählen, dass sie von Taxifahrern ausgeraubt wurden, die sie zur Grenze bringen sollten.
+++ Gaddafi versteckt sich +++
[14.23 Uhr] Gaddafi soll sich mit vier Brigaden der Sicherheitskräfte auf dem Stützpunkt Bab al-Asisija in Tripolis verschanzt haben. Das berichteten gut unterrichtete Kreise in Tripolis der Nachrichtenagentur dpa.
+++ Wütende Schmuggler +++
[14.17 Uhr] SPIEGEL-Reporter Mathieu von Rohr: Der Flüchtlingstreck stört das Geschäft der Schmuggler in der tunesischen Grenzregion zu Libyen. Die Straßen sind traditionell voll von Läden, die Schmuggelware wie Lebensmittel, Benzin und Autoreifen verkaufen. In der Grenzstadt Dhiba im Süden Tunesiens haben Schmuggler jetzt Hilfskonvois und Journalisten verjagt.
+++ EU-Staaten stoppen Waffenexport +++
[14.11 Uhr] Die 27 EU-Staaten haben den Export von Waffen nach Libyen eingestellt. "Wir haben erfahren, dass jeglicher Waffenhandel ausgesetzt ist", sagt die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton. Gaddafi hatte zuletzt von der EU jedes Jahr Waffen im Wert von mehreren hundert Millionen Euro bekommen. Laut Jahresbericht über die Ausfuhr von Militärgütern erlaubten EU-Regierungen allein 2009 den Export von Waffen im Wert von 344 Millionen Euro.
+++ Ägypten schickt mehr Soldaten an die Grenze +++
[14.07 Uhr] Das ägyptische Militär beordert wegen der Unruhen in Libyen Verstärkung an die gemeinsame Grenze. Die Einheiten sollten bei der Aufnahme der vor Chaos und Gewalt flüchtenden Ägypter helfen, berichtet der arabische Nachrichtensender al-Arabija. Tausende Ägypter warteten auf eine Gelegenheit zur Ausreise in die Heimat.
+++ Zur Demo für Gaddafi gezwungen +++
[14.02 Uhr] SPIEGEL-Reporter Mathieu von Rohr: In Ras Dschasir, am tunesischen Grenzübergang zu Libyen, sind vier junge Männer angekommen, die in Zlida, einem Vorort von Tripolis, arbeiteten. Einer hat eine klaffende Wunde am Hinterkopf, der andere einen blutbeschmierten Sweater. Sie seien brutal geschlagen worden in Tripolis, von einer Menge aus Gaddafi-Anhängern und Polizisten: "Alle sind aggressiv gegen Ausländer dort, alle." Sie erzählen, sie seien in den ersten Tagen unter Waffengewalt gezwungen worden, für Gaddafi auf dem grünen Platz zu demonstrieren.
+++ Alle Häfen in Libyen geschlossen +++
[13.57 Uhr] Wegen der Unruhen haben sämtliche Häfen Libyens dichtgemacht. Alle Häfen in dem nordafrikanischen Land seien "vorübergehend geschlossen", teilt die französische Großreederei CMA CGM in Paris mit. Die drittgrößte Containerreederei der Welt hat ihre Niederlassungen in mehreren libyschen Hafenstädten geschlossen und lässt ihre Frachtschiffe einstweilen die Insel Malta anlaufen. Die Schließung der Häfen könnte auch die Ausreise von tausenden Ausländern behindern: Die Türkei versucht derzeit, rund 25.000 Landsleute auf dem Seeweg in Sicherheit zu bringen.
+++ "Gaddafi, deine Tage sind gezählt" +++
[13.45 Uhr] SPIEGEL-Reporter Mathieu von Rohr: Gestern abend kam eine Solidaritätskarawane aus der Stadt Gabes hier an. Tunesier zogen mit alten libyschen Flaggen durch die Straßen und sangen: "Gaddafi, deine Tage sind gezählt. Du wirst das libysche Volk nicht mehr erniedrigen."
+++ Hilfskonvoi aus Ägypten erreicht Libyen +++
+++ Wut auf die Heuchelei des Westens +++
[13.29 Uhr] SPIEGEL-Reporter Mathieu von Rohr: In der Grenzstadt Ben Guerdene schreit ein Mann seine Wut auf den Westen hinaus. Das sei alles der Heuchelei der westlichen Staatschefs zu verdanken, die Gaddafi all die Jahre wegen des Öls gestützt hätten.
+++ "shabalibya" korrigiert Twitter-Angaben über feuernde Kampfjets +++
[13.22 Uhr] "shabalibya" twittert: "Guten Morgen, heute steht noch einiges an." Der User korrigiert vorherige Angaben, denen zufolge Kampfjets in Tripolis in die Menge gefeuert haben. Vielmehr habe es am Boden Feuergefechte gegeben, die Flugzeuge seien nur über die Köpfe der Demonstranten hinweg geflogen. "Vor lauter Panik und Verwirrung haben uns die Leute gesagt, dass die Jets das Feuer eröffnet hätten." Bestätigt sei inzwischen allerdings, dass es die Anordnung gegeben habe, dass Schiffe der Marine auf die Hafenstadt Bengasi hätten feuern sollen. SPIEGEL ONLINE kann die Authentizität dieser Angaben nicht überprüfen.
Benzin in Deutschland wird teurer
+++ Flüchtlinge berichten über Verschwinden von Landsleuten+++
[13:18 Uhr] SPIEGEL-Reporter Mathieu von Rohr: Im tunesischen Ben Guerdane, der Stadt, die am nächsten beim Grenzübergang Ras al-Dschadir liegt und vom Schmuggelgeschäft mit Libyen lebt, werden die ankommenden Flüchtlinge aus Libyen in Zelten versorgt. Von hier aus bringen Busse sie nach Hause: Ein etwa 50-jähriger Mann, der seinen Namen nicht nennen will und nur mit einer kleinen Tasche angekommen ist, war Bauunternehmer in Tripolis. Er erzählt, viele Tunesier die er kenne, seien verschwunden. Er habe gesehen, wie Ausländer mit Waffen bedroht, verhaftet und abgeführt worden seien von Gaddafi-Treuen.
+++ Benzin wird immer teurer +++
[13:12 Uhr] Die Libyen-Krise bekommen jetzt auch die deutschen Autofahrer zu spüren. Der Durchschnittspreis für einen Liter Superbenzin stieg auf 1,50 Euro. Diesel kostete am Mittwoch nach Angaben aus der Mineralölindustrie im Schnitt sogar 1,40 Euro. Damit lag Diesel auf dem höchsten Niveau seit mehr als zwei Jahren.
+++ Libyens Botschafter in Wien kritisiert Gewaltorgie +++
[13:09 Uhr] Die libysche Botschaft in Wien hat sich von dem Regime in Tripolis distanziert. "Die Botschaft verurteilt die exzessive Gewalt gegen friedliche Demonstranten", heißt es in einer Mitteilung. Die Botschaft unter Leitung von Ahmed Menesi hält in dem Text fest, "dass sie das libysche Volk vertritt und ihre tiefste Anteilnahme den Familien der Opfer ausdrücken will."
+++ Laut Westerwelle noch 250 Deutsche in Libyen +++
[12.35 Uhr] In Libyen halten sich nach Angaben von Außenminister Guido Westerwelle noch etwa 250 deutsche Staatsbürger auf. Davon befänden sich 150 in der Hauptstadt Tripolis und weitere 100 im Landesinneren, sagt Westerwelle. Am Dienstag seien etwa 350 Deutsche ausgeflogen worden. An der Aktion sei auch die Lufthansa beteiligt gewesen. Ein Airbus der Bundeswehr ist inzwischen in Tripolis gelandet, um weitere Deutsche auszufliegen. Zwei Transall der Bundeswehr stehen nach Angaben eines Amtssprechers zudem auf Malta bereit.
+++ Innenminister Junis spekuliert über möglichen Suizid Gaddafis +++
[12.19 Uhr] In einem Telefongespräch mit dem Fernsehsender al-Arabija äußert sich Innenminister Abdulfattah Junis zum möglichen Schicksal von Staatschef Muammar al-Gaddafi. Der "Revolutionsführer" werde wohl eher Selbstmord begehen, als ins Exil zu gehen, sagt der Generalmajor dem Sender. "Das Gaddafi-Regime ist am Ende."
+++ Libanon verweigert Jet mit Gaddafi-Schwiegertochter Landeerlaubnis +++
[12.12 Uhr] Ein Privatjet mit der libanesischen Ehefrau einer der Söhne von Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi an Bord durfte nicht auf dem Flughafen Beirut landen. Das berichtete ein libanesischer Radiosender. Im Flugzeug der Frau von Hannibal al-Gaddafi waren auch andere Familienmitglieder. Die libanesischen Flugbehörden weigerten sich bereits am Dienstag, eine Landegenehmigung für den internationalen Flughafen in Beirut zu erteilen, nachdem Libyen die Identität der Insassen nicht preisgeben wollte. Die Behörden in Beirut sollen daraufhin den Piloten aufgefordert haben, seine Maschine in ein angrenzendes Land zu fliegen, entweder Syrien oder Zypern.
+++ CNN Turk: Türkischer Arbeiter in Tripolis erschossen +++
[12.07 Uhr] Nach Angaben des Nachrichtensenders CNN Turk ist in der Nähe der libyschen Hauptstadt Tripolis ein türkischer Gastarbeiter erschossen worden. Ein unbekannter Schütze soll das Feuer auf den Mann eröffnet haben, die Hintergründe der Tat seien aber unklar.
+++ "Nur noch Sirte und Tripolis unter Kontrolle Gaddafis" +++
[12.01 Uhr] Nur noch die Städte Tripolis und Sirte seien unter Kontrolle der Gaddafi-Leute, berichtet SPIEGEL-Reporter Mathieu von Rohr über Aussagen der tunesischen und ägyptischen Flüchtlinge. Nur an der Grenze sind die Wächter noch für den Despoten. Es gibt allerdings widersprüchliche Aussagen, ein Restaurantbesitzer aus der westlichen Stadt Suara sagte uns, die Leute im westen von Tripolis seien alle noch für Gaddafi."
+++ Hilfe für verwundete Flüchtlinge aus Tunesien +++
[11.55 Uhr] Ein Militärkonvoi aus Tunis mit medizinischer Hilfe ist angekommen, um Verwundete zu versorgen, berichtet SPIEGEL-Reporter Mathieu von Rohr aus der Grenzstadt Ras al-Dschadir. "Die meisten lassen ihr Hab und Gut, ihre Autos, ihre Restaurants, ihre Baufirmen zurück."
+++ "Sie schießen auf Zivilisten und Kinder" +++
[11.47 Uhr] Ägyptische Gastarbeiter berichten an der Grenze von Luftangriffen, dem Einsatz von Söldnern und blankem Chaos in Libyen. "Das ist ein Massaker da drüben", sagt Aschraf Mohammed über das blutige Vorgehen des Gaddafi-Regimes gegen die Demonstranten. "Sie schießen auf Zivilisten und Kinder", berichtet Mohammed, der als Schreiner in Tobruk nahe der Grenze gearbeitet hat.
+++ Protest gegen Gaddafi auch in Marokko +++
+++ Hektische Evakuierungsbemühungen +++
[11.38 Uhr] Viele Staaten intensivieren die Evakuierungen ihrer Bürger aus Libyen. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) ist nach eigenen Angaben um Hilfe für Tausende Menschen gebeten worden, die wegen der Unruhen flüchten wollen. Mehrere Regierungen aus Europa, Afrika und Asien hätten um Unterstützung bei der Ausreise ihrer Staatsbürger gebeten, teilte die in Genf ansässige Organisation am Mittwoch mit.
+++ "Nur eine Frage der Zeit" +++
[11.23 Uhr] Beim Kurznachrichtendienst Twitter sind immer wieder Kommentare und Nachrichten zu und aus Libyen zu lesen. User "shabablibya", nach eigenen Angaben eine libysche Jugendbewegung, schreibt: "Gaddafis Regime zerfällt. Es ist nur eine Frage der Zeit. Libyen wird frei sein."
+++ Ahmadinedschad appelliert an Gaddafi +++
[11.19 Uhr] Jetzt meldet sich auch Mahmud Ahmadinedschad zu Wort. Irans Präsident verurteilt das Morden in Libyen. An Gaddafi appelliert er, den Willen der Menschen zu respektieren. "Anstatt Menschen zu töten, höre auf sie", sagte Ahmadinedschad am Mittwoch in einer Ansprache des Nachrichtensenders Khabar, ohne den Namen Gaddafi zu nennen. "Wie ist es möglich, dass ein Staatschef Kampfflugzeuge, Panzer und Kanonen gegen seine eigenen Leute einsetzt und immer wieder davor warnt, wer etwas sagt, wird umgebracht?"
+++ Auswärtiges Amt will noch mehr Deutsche ausfliegen +++
[11.11 Uhr] Das Auswärtige Amt bemüht sich, weitere Deutsche aus Libyen auszufliegen. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, ihnen die Ausreise zu ermöglichen", sagt eine Sprecherin des Ministeriums in Berlin. Die Planungen liefen noch. Geprüft werde die Organisation weiterer Flüge aber auch eine Ausreise auf dem Seeweg. Noch etwa 250 Deutsche halten sich vermutlich noch in Libyen auf.
Angst vor einem Bürgerkrieg wächst
+++ "Es wird überall geschossen" +++
[11.04 Uhr] Rückkehrer aus Libyen schildern Horrorszenen aus dem Gaddafi-Land. "Es wird überall geschossen", berichten Italiener nach ihrer Landung auf dem Flughafen in Rom. "Auf der Fahrt von Sabratha nach Tripolis haben sie versucht, uns zu lynchen, es war entsetzlich", erzählt ein Passagier.
+++ Grenzsoldaten konfiszieren Handys +++
[10.55 Uhr] Die Grenzsoldaten Gaddafis nehmen den fliehenden Gastarbeitern aus Tunesien und Ägypten Handys, Sim-Karten und Fotoapparate weg. "Damit wollen Sie verhindern, dass Informationen über die Unruhen außer Landes geschafft werden können", berichtet SPIEGEL-Reporter Mathieu von Rohr aus der Grenzstadt Ras al-Dschadir.
+++ Schon 1000 Tote bei den Protesten? +++
[10.46 Uhr] Es könnten schon tausend Menschen bei den Unruhen in Libyen ums Leben gekommen sein, befürchtet Italiens Außenminister Frattini. Über genaue Zahlen verfüge er jedoch nicht.
+++ "Kyrenaika nicht mehr unter Gaddafis Kontrolle" +++
[10.40 Uhr] Italiens Außenminister Frattini berichtet, die im Osten Libyens gelegene Provinz Kyrenaika werde nicht mehr von Gaddafis Regime kontrolliert. Diese Information habe er von italienischen Botschaft in Tripolis. In der Küstenregion gibt es schon seit Jahren den größten Widerstand gegen das Gaddafi-Regime. Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi blicke mit "großer Sorge" auf die blutige Gewalt in Libyen. Mehrere hundert der insgesamt etwa 1500 Italiener, die in Libyen arbeiten und leben, sind inzwischen ausgeflogen worden.
+++ Italien warnt vor gigantischer Flüchtlingswelle +++
[10.29 Uhr] Italien befürchtet eine gewaltige Flüchtlingswelle, sollte Libyen im Chaos untergehen. "Zu erwarten ist ein Exodus in biblischem Ausmaß, ein Problem, das kein Italiener unterschätzen kann und darf", sagte Außenminister Franco Frattini dem Mailänder "Corriere della Sera". Es müsse mit Hunderttausenden Flüchtlingen gerechnet werden.
+++ Frankreich fordert Sanktionen der EU +++
[10.21 Uhr] Frankreich macht Druck: Die EU solle Sanktionen gegen Libyen beschließen, fordert Jean-David Levitte, ein Top-Diplomat von Staatschef Nicolas Sarkozy. Eine Militärintervention komme aber nicht in Frage.
+++ Hetzjagd auf Arbeiter aus Tunesien und Ägypten +++
[10.02 Uhr] Bis zu 2000 Gastarbeiter aus Tunesien flüchten täglich allein an der Grenzstation Ras al-Dschadir aus Libyen, berichtet SPIEGEL-Reporter Mathieu von Rohr. "Viele von ihnen sind verängstigt." Auch ägyptische Bauarbeiter berichteten ihm, von Gaddafis Sicherheitskräften misshandelt worden zu sein. Auch sie fliehen zu Tausenden an anderen Grenzstellen aus dem Land. Denn Tunesien und Ägypten waren von Gaddafis Sohn Saif für die Unruhen in Libyen für das Anstacheln der Revolte verantwortlich gemacht worden.
+++ Experte befürchtet langen Bürgerkrieg +++
[9.40 Uhr] Libyen droht nach Einschätzung eines Experten ein langer und blutiger Bürgerkrieg. Gaddafi habe genügend Rückhalt, warnt der Deutschlandkorrespondent des arabischen Senders al-Dschasira, Aktham Suliman, im ZDF-"Morgenmagazin". "Er beherrscht immer noch einen Teil des Landes, ein Teil der Armee ist ihm immer noch loyal", sagte Suliman. Er befürchtet ein langes Blutvergießen: "Auch wenn Gaddafi in den nächsten Stunden und Tagen abgesetzt werden sollte, stehen sich die zwei Gruppen gegenüber - mit viel, viel Blut dazwischen."
+++ Arabische Liga schließt Libyen aus +++
[9.17 Uhr] Die Arabische Liga hat die Brutalität des Regimes in Libyen gegen Demonstranten scharf verurteilt. Bis auf weiteres wurde Tripolis von Konferenzen der Organisation ausgeschlossen. Der Einsatz von Soldaten gegen Demonstranten sei "eine schwere Verletzung von Menschenrechten und internationalen Gesetzen", erklärte die Arabische Liga nach einem Treffen in Kairo.
+++ Türkei holt 3000 Bürger ab +++
[8.46 Uhr] Mit zwei Schiffen holt die Türkei rund 3000 Staatsbürger aus Libyen nach Hause. Die beiden Schiffe würden am späten Mittwochabend im Hafen von Marmaris erwartet, kündigte das türkische Außenministerium an. Die Schiffe, die ihre Fahrt in der libyschen Hafenstadt Bengasi begannen, werden von einer türkischen Fregatte begleitet.
+++ Totgesagter Minister wechselt die Seiten +++
[8.13 Uhr] Diktator Muammar al-Gaddafi erklärte ihn schon für tot, doch Innenminister Abdulfattah Junis ist quicklebendig. In einem Telefoninterview mit dem TV-Sender al-Arabija berichtete er, ein Anhänger von Gaddafi habe versucht, ihn zu erschießen. Der Schütze habe ihn jedoch verfehlt und stattdessen einen Verwandten des Ministers verletzt. Er sei nun kein Minister mehr, sondern ein Soldat im Dienste des Volkes.
+++ Luxemburgs Außenminister hält nichts von Sanktionen +++
[7.49 Uhr] Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn ruft die internationale Gemeinschaft auf, das brutale Vorgehen des Gaddafi-Regimes gegen Demonstranten zu stoppen. "Was in Libyen geschieht, ist Völkermord in höchster Potenz", sagt er im Deutschlandfunk. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Welt zuschauen kann, wie Hunderte oder Tausende Menschen abgeschlachtet werden." Von Sanktionen hält der Luxemburger allerdings nichts. "Das Wort Sanktionen gegen ein solches Phänomen ist ein schwaches Wort", meinte der Außenminister. Notwendig sei ein Uno-Mandat, um die Menschen zu schützen.
+++ Auch Sting kritisiert Gaddafi +++
[7.02 Uhr] Über Sting ist bekannt, dass er nicht nur singt, sondern sich auch gerne zu politischen Krisen äußert. Vor einem Konzert in Peru äußerte der Popstar die Hoffnung, dass in Libyen bald wieder Frieden einkehren werde. Denn Gaddafi halte unberechtigterweise an seiner Macht fest.
+++ Asiens Börsen im Minus +++
[6.15 Uhr] Die Unruhen im Ölexportland Libyen drücken auch auf die Stimmung an den asiatischen Aktienmärkten. Unter dem Druck steigender Ölpreise scheuten die Anleger das Risiko, so dass die Börsen in Fernost der New Yorker Wall Street ins Minus folgten. Investoren sahen die Erholung der Weltkonjunktur in Gefahr, sollte der Ölpreis wegen der Proteste in Libyen weiter anziehen. Das nordafrikanische Land fördert fast zwei Prozent des weltweiten Rohölbedarfs.
+++ Sorge um kritischen Reporter +++
[6.08 Uhr] Ein kritischer Reporter ist in Libyen verschwunden. Von Atif al-Atrasch fehle seit Donnerstag jede Spur, teilte das Komitee zum Schutze von Journalisten in New York mit. Atrasch habe für den Sender al-Dschasira aus Bengasi berichtet. Er hatte gerade noch gemeldet, dass einige Journalisten in der zweitgrößten Stadt Libyens festgenommen und sein Mobiltelefon abgeschaltet worden sei, als er verschwand. "Da versucht jemand ganz klar, mich mundtot zu machen", sagte er zuletzt.
+++ USA beginnen mit Evakuierung aus Libyen +++
[4.35 Uhr] Die USA wollen an diesem Mittwoch mit der Evakuierung von US-Bürgern aus Libyen beginnen. Die Amerikaner sollten spätestens am Nachmittag von der Hauptstadt Tripolis aus mit einer Fähre nach Malta gebracht werden, teilte das Außenministerium in Washington mit.