Taliban Mullah Omar ruft Polizisten und Soldaten zum Aufstand auf
Fahndungsfoto von Mullah Omar: Der Talibanführer meldet sich nur selten zu Wort
Foto: NCTCKabul - Die Botschaft ist mehrere Seiten lang und erschien im Internet kurz vor dem islamischen Fest zum Fastenbrechen. Mullah Mohammed Omar berichtet darin von angeblichen Erfolgen der Taliban. Demnach ist es den Radikalislamisten geglückt, die afghanischen Sicherheitskräfte zu unterwandern. "Dank der Infiltration sind die Mudschahidin in der Lage, sicher in Basen, Büros und Geheimdienstzentralen des Feindes einzudringen", hieß es in dem am Freitag verbreiteten Text Mullah Omars. Der untergetauchte Taliban-Chef rief Soldaten und Polizisten auf, sich den Aufständischen anzuschließen. Die Zeit sei reif, "weil der Tag nicht fern ist, an dem die Invasionsarmee des Feindes aus Afghanistan fliehen wird".
Angriffe von Afghanen in Armee- oder Polizeiuniform auf ausländische Soldaten haben deutlich zugenommen. Die internationale Schutztruppe zählte seit Jahresbeginn 29 solcher Vorfälle, bei denen 39 ausländische Soldaten getötet wurden. Im gesamten vergangenen Jahr kamen bei 21 entsprechenden Angriffen 35 Menschen ums Leben. Die Isaf führt die meisten der Fälle aber nicht auf Infiltration zurück, sondern auf Faktoren wie persönliche Animositäten oder Stress.
Der jüngste Fall ereignete sich erst an diesem Freitag. Dabei tötete ein afghanischer Polizist nach Angaben der Nato zwei US-Soldaten. Ein Mitglied der örtlichen Polizei habe in der westlichen Provinz Farah seine Waffe gegen die Soldaten gerichtet, teilte die Isaf mit. Auch der Angreifer wurde demnach getötet.
Mullah Omar lobt in seiner Botschaft zudem die Sommeroffensive der radikalislamischen Aufständischen. Sie sei "einmalig", da sie alle Bereiche des Landes erreicht habe. Ausländische und afghanische Kräfte seien vielerorts gezwungen gewesen, ihre Posten zu räumen. Nach einem Rückzug der ausländischen Truppen würden die Taliban sich um eine islamische Regierung unter Einbeziehung aller Fraktionen bemühen. Das "islamische Emirat" werde sich nicht in Angelegenheiten anderer Staaten einmischen und internationales Recht respektieren. Die Einführung der Scharia in Afghanistan sei nicht verhandelbar, erklärte der einäugige Taliban-Führer.