Terror in Christchurch Die Entwicklungen des Tages im Newsblog
Neuseeland erlebte am Freitag den folgenschwersten Terroranschlag seiner Geschichte. Zwei Moscheen in Christchurch wurden angegriffen, mehr als 40 Menschen starben. Entwicklungen und Reaktionen im Newsblog.
Überlebenden des Anschlags vor einem Krankenhaus
Foto: TESSA BURROWS/ AFP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
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Bei einem Anschlag auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch wurden mindestens 49 Menschen getötet, Dutzende weitere verletzt. Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern sprach von einem "terroristischen Angriff". Die Attacke löste weltweit Entsetzen aus. SPIEGEL ONLINE hat die Geschehnisse von 10 bis 15 Uhr nachrichtlich live begleitet. Der Newsblog zum nachlesen.
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"Wir trauern mit euch", schrieb der ehemalige US-Präsident Barack Obama an Neuseeland und die muslimische Gemeinschaft gerichtet. "Wir alle müssen gegen alle Formen von Hass stehen."
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Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hat sich ebenfalls betroffen gezeigt. "Israel trauert angesichts des blindwütigen Mordes an unschuldigen Betenden in Christchurch und verurteilt den rücksichtslosen Terrorakt in Neuseeland", schrieb er bei Twitter.
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Weitere Reaktionen aus dem britischen Könighaus: Nach der Queen meldeten sich auch Prinz Harry und Herzogin Meghan, sowie Prinz William und Herzogin Kate mit einem gemeinsamen Statement zu Wort - sie alle hatten Christchurch in der Vergangenheit besucht. Sie seien sicher, dass die Menschen in Neuseeland sich zusammenschließen werden, um zu zeigen, dass dieses Böse niemals Mitgefühl und Toleranz besiegen könne. "Wir senden heute unsere Gedanken und Gebete zu jedem in Neuseeland."
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Auch in New York wurde während der Morgengebete das Polizeiaufgebot an den Moscheen der Metropole verstärkt. "Das NYPD ist der Sicherheit aller Gotteshäuser und der Freiheit verpflichtet, seine Religion frei und ohne Angst auszuüben", schrieb die Polizei auf Twitter.
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Das Wiesenthal-Zentrum hat den Angriff als Massenmord verurteilt. "Eine Attacke auf jedes Gotteshaus, sei es eine Kirche in Frankreich oder den USA, Synagogen in Jerusalem oder Pittsburg oder (...) der schreckliche Massenmord in zwei Moscheen in Christchurch, ist ein Angriff auf die Menschenwürde und unser Recht als Gläubige, zu Gott zu beten", hieß es in der Mitteilung. Die Motivation und der Hass der Angreifer ähnelten sich. Besonders beunruhigend sei es, dass die Attacke in Christchurch live über soziale Medien übertragen wurde. Das 1977 gegründete Zentrum mit Hauptsitz in Los Angeles ist mit der weltweiten Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern bekannt geworden. Es bemüht sich aber auch um die Förderung von Toleranz und kämpft in aller Welt gegen Rassismus, Antisemitismus, Terrorismus und Völkermord.
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In dem Manifest des mutmaßlichen Täters hieß es, er habe mit der Tat unter anderem den Tod der elfjährigen Schwedin Ebba Akerlund bei einem islamistischen Anschlag im Jahr 2017 rächen wollen. Die Mutter des Mädchens verurteilte den heutigen Anschlag in einem Interview scharf. Die Tat widerspreche allem, für das ihre Tochter stand, sagte Jeannete Akerlund dem Fernsehsender STV. Ebba sei den Menschen zugewandt gewesen, sagte ihre Mutter. "Sie strahlte Liebe aus, keinen Hass". Sie leide mit allen Familien, die von dem Anschlag betroffen seien, fügte Akerlund hinzu. "Ich verurteile jede Form von Gewalt".
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Der britische Innenminister Sajid Javid fordert nach dem Anschlag Internetkonzerne wie Youtube, Google, Facebook und Twitter auf, mehr gegen extremistische Inhalte auf ihren Plattformen zu tun. Sie sollten etwas Verantwortung übernehmen, verlangte der Politiker. "Genug ist genug" , schrieb er bei Twitter.
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Helen Clark, die ehemalige Premierministerin Neuseelands, verglich den Anschlag mit dem Attentat Anders Breiviks im Jahr 2011, wie der "The New Zealand Herald" berichtet. "Das ist unser vergleichbarer Moment", sagte sie.
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Mustafa Farouk, Präsident der neuseeländischen Islamverbände, sagte dem Sender TVNZ, muslimische Gläubige hätten sich in dem Land stets sehr sicher gefühlt. "Wir hätten nie erwartet, dass so etwas passiert", sagte er. Am Verhältnis der Muslime zu Neuseeland werde der Angriff aber nichts ändern: "Muslime leben seit über hundert Jahren in Neuseeland, so etwas ist uns noch nie zugestoßen. Es wird also überhaupt nichts daran ändern, wie wir zu Neuseeland stehen."
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Auch Nuha Assad ist laut „The Press“ noch auf der Suche nach ihrem Ehemann, der am Morgen sich auf den Weg in die Moschee machte. Sie selbst vergaß ihr Handy, als sie für Einkäufe das Haus verließ. Bisher konnte sie ihn nicht erreichen, um sich zu vergewissern, dass er noch lebt. „Ich habe Menschen auf der Straße gefragt, ob ich ihr Handy benutzen könne, doch mein Mann hat nicht abgehoben.“ Es sei ein Albtraum, sagte sie. „Neuseeland ist ein ruhiger und sicherer Ort. Manchmal gehen wir schlafen und vergessen den Schlüssel, der von außen im Türschloss steckt.“
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Nach dem Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland mit mindestens 49 Toten hat Frankreich seine Sicherheitsvorkehrungen vor den Freitagsgebeten erhöht: Innenminister Christophe Castaner rief alle Präfekten am Freitag auf, die Überwachung der religiösen Stätten im Land zu erhöhen. Er kündigte verstärkte Patrouillen von Sicherheitskräften vor Moscheen und anderen Gotteshäusern an.
Präsident Emmanuel Macron verurteilte "die schändlichen Taten" in Christchurch. Vertreter des Islam in Frankreich äußerten sich schockiert über den Anschlag und riefen die Gläubigen zur Wachsamkeit auf. Ein Vertreter des Islamrats CFCM, Abdallah Zekri, sprach von einem "beispiellosen Verbrechen" gegen Muslime.
Präsident Emmanuel Macron verurteilte "die schändlichen Taten" in Christchurch. Vertreter des Islam in Frankreich äußerten sich schockiert über den Anschlag und riefen die Gläubigen zur Wachsamkeit auf. Ein Vertreter des Islamrats CFCM, Abdallah Zekri, sprach von einem "beispiellosen Verbrechen" gegen Muslime.
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Das Weiße Haus verurteilte die Anschläge als "bösartigen Akt des Hasses". US-Präsident Donald Trump sprach sein Mitgefühl aus. Die USA ständen Neuseeland nach dem "schrecklichen Massaker" in den Moscheen bei.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre Trauer über den mutmaßlichen Terrorangriff auf zwei Moscheen in Neuseeland ausgedrückt. «Es handelt sich hier um einen perfiden Angriff auf Betende und ihre Gotteshäuser», sagte Merkel. «Das ist ein Anschlag, der gegen Muslime gerichtet ist. Er ist damit auch ein Anschlag auf die neuseeländische Demokratie und auf die offene und tolerante Gesellschaft.»
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Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat Neuseeland nach dem Terrorangriff mit Dutzenden Toten die Solidarität des Militärbündnisses zugesichert. «Bei der Verteidigung unserer offenen Gesellschaften und gemeinsamen Werte steht die Nato an der Seite ihres Freundes und Partners Neuseeland», schrieb der Norweger über den Kurznachrichtendienst Twitter. Er verurteile den «entsetzlichen Terroranschlag» gegen die Moscheen in der Stadt Christchurch aufs Schärfste. https://twitter.com/jensstoltenberg/status/1106475839326167040
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Italiens Regierungschef Giuseppe Conte hat sich nach dem mutmaßlichen Terrorangriff auf Moscheebesucher in Neuseeland «erschüttert» gezeigt. «Wehrlose Menschen wurden getroffen, während sie sich an einem Ort des Gebets aufhielten. Jede Form von Intoleranz, Hass und Gewalt ist inakzeptabel», twitterte der Premierminister. Auch Vize-Premierminister Luigi Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung gedachte der Opfer von Christchurch. «Italien ist all jenen Familien nah, die heute mit ansehen mussten, wie ein lieber Mensch fortgeht oder durch die Hand des Terrorismus verwundet wurde.» Vize-Premierminister Matteo Salvini von der rechten Lega äußerte sich zunächst nicht.
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Zahlreiche Familienmitglieder und Freunde von möglichen Opfern warten laut "New Zealand Herald" vor einem Krankenhaus auf Nachricht von ihren Angehörigen. "Wir haben gerade sehr schlechte Nachrichten bekommen", sagte Mahdi Zougub demnach. Er befürchte, dass sein Freund nie wieder nach Hause kommen werde. Zougub selbst sei gerade auf dem Weg zur Moschee gewesen, als ein Freund ihn angerufen und von den Schüssen berichtet habe. Er habe das Gebäude nicht betreten dürfen. "Ich konnte Leichen sehen. Jetzt warten wir nur noch darauf, zu erfahren, was mit den Vermissten ist", sagt er. "Wir wollen nur reingehen und sie finden."
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Ein Mann mit Wunden an Händen und Beinen habe dem "New Zealand Herald" zufolge das Krankenhaus verlassen dürfen. „Ich kann es nicht glauben“, sagte er der Zeitung. „Meine Kinder… Ich bin einfach nur erleichtert, dass ich sie heute nicht mit zum Gebet genommen habe.“
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Der Attentäter von Christchurch hat dem bosnischen Botschafter in Neuseeland zufolge auf dem Weg zum Tatort ein Lied über den früheren Serbenführer Radovan Karadzic gehört, sagte Mirza Hajric dem Sender N1 TV. Das gehe aus einem Video der Tat hervor. Das nationalistische Kampflied "Karadzic, führe deine Serben" kursiert im Internet seit einigen Jahren im Zusammenhang mit einem anti-muslimischen Meme. Karadzic gilt als einer der Kriegstreiber des Balkans in den 1990er Jahren und als politisch Hauptschuldiger für den Völkermord von Srebrenica. Das Uno-Kriegsverbrechertribunal hatte ihn 2016 zu 40 Jahren Haft verurteilt - derzeit läuft ein Berufungsprozess.
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In seinem Video forderte der mutmaßliche Täter dazu auf, dem Youtuber PewDiePie zu folgen. Der Schwede ist extrem erfolgreich, aber auch umstritten. Nun distanzierte er sich deutlich von der Tat in Neuseeland und sprach Opfern und Angehörigen sein Beileid aus: Es mache ihn krank, dass "diese Person" seinen Namen in den Mund genommen habe.
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Die britische Königin, Elizabeth II., meldete sich nun ebenfalls zu Wort: "Ich bin zutiefst betrübt über die schrecklichen Ereignisse in Christchurch heute. Prinz Philipp und ich sprechen den Familien und Freunden derer, die ihr Leben verloren haben, unser Beileid aus", hieß es in einer Erklärung. "Ich möchte auch den Rettungsdiensten und Freiwilligen meine Anerkennung aussprechen, die die Verletzten unterstützen. In dieser tragischen Zeit sind meine Gedanken und Gebete bei allen Neuseeländern."
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Iran hat die Angriffe aufs Schärfste verurteilt. Man verurteile Terrorismus in jeder Form und unter welchem Motiv auch immer. «Daher fordern wir von der neuseeländischen Regierung auch eine lückenlose Aufklärung dieses brutalen und unmenschlichen Terrorakts», sagte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi. Rassismus im Allgemeinen und Islamfeindlichkeit im Besonderen bedrohten die Sicherheit von Menschen weltweit und sollten daher auch weltweit verurteilt und bekämpft werden, so der Sprecher nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA.
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat der Generalgouverneurin von Neuseeland, Dame Patricia Lee Reddy, sein Beileid ausgesprochen. Die Nachrichten von den vielen Opfern "erfüllen mich mit tiefer Trauer", schrieb Steinmeier Angaben des Präsidialamts zufolge. "Besonders verachtenswert ist, dass Menschen Opfer dieser feigen Anschläge wurden, die friedlich ihrem Glauben nachgingen", hieß es. "Deutschland trauert mit Ihnen. Wir wünschen Ihrem Land die Kraft, sich in dieser schweren Stunde seine Offenheit und Zuversicht zu bewahren."
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Die Polizei hat im Zusammenhang mit den Ermittlungen ein Wohngebiet in der 350 Kilometer von Christchurch entfernt gelegenen Stadt Dunedin evakuiert. Einige Anwohner seien vorsichtshalber in Sicherheit gebracht worden, hieß es von der Behörde. Das Haus sei im Zusammenhang mit den Ermittlungen "von Interesse", hieß es. Nähere Einzelheiten wurden nicht genannt.
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Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat den blutigen Anschlag scharf verurteilt: "Wir sind erschüttert über das Ausmaß des schlimmsten Terrorangriffes in der Geschichte Neuseelands, den offenbar rechtsradikale Terroristen von langer Hand geplant und mit ideologisch verbrämtem Muslimhass, Rassismus und Menschenverachtung ausgeführt haben", sagte er. "Wir beten für die Opfer, trauern um sie und sind in Gedanken in diesen schweren Stunden bei den Angehörigen und Hinterbliebenen", sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek. Er rief dazu auf, die Freitagsgebete in Deutschland mit Totengebeten und Mahnwachen zu verbinden.
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