Proteste in Oregon: Rechtsradikale besetzen Naturschutzgebiet - DER SPIEGEL
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Rechtsradikale Rancher besetzen Nationalpark High Noon in der Eiswüste

Eine rechtsradikale Miliz hält im tiefsten Oregon ein Naturschutzgebiet besetzt. Der Protest der schwerbewaffneten Rancher ist mehr als eine Wildwestaktion - sie offenbart Amerikas rassistischen Zeitgeist.
Rechtsradikale Rancher besetzen Nationalpark: High Noon in der Eiswüste
Rechtsradikale Rancher besetzen Nationalpark: High Noon in der Eiswüste

Rechtsradikale Rancher besetzen Nationalpark: High Noon in der Eiswüste

Foto: Jim Urquhart / REUTERS
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Das Malheur National Wildlife Refuge ist ein Paradies für Ornithologen. 1908 von US-Präsident Teddy Roosevelt gegründet, ist das Naturschutzgebiet in Oregon heute Heimat von mehr als 320 seltenen Vogelarten. Wer sie beobachten will, hat eine mühevolle Tour vor sich: Die nächste Siedlung ist 100 Kilometer entfernt, ein Flughafen 350 Kilometer - im Nachbarstaat Idaho.

Von der beschwerlichen Anreise rät die staatliche Parkverwaltung jetzt aber sowieso ab: "Bis auf Weiteres geschlossen", warnt die Website .

Doch die Schließung ist nicht freiwillig. Seit Sonntag hält eine schwer bewaffnete rechtsradikale Miliz den kleinen - und dank der Feiertage unbemannten - Verwaltungsbau besetzt, außerdem einen Wachturm und die Zufahrt zu dem 800-Quadratkilometer-Areal.

Das Gebiet gehöre dem Volk, nicht dem Staat, behaupten sie: Aus Protest gegen die "Tyrannei" der Zentralregierung in Washington, verkündete Ammon Bundy, einer der Anführer, werde man "Tage, Wochen oder noch länger" ausharren - wenn nicht gar Jahre. Und sollte es wirklich nötig sein, wolle man dafür auch sterben.

High Noon in der Hochwüste: Worum geht es in der eisigen Einöde im Nordwesten der Staaten? Auf den ersten Blick scheint die Aktion - zu der die Männer in Kampfmontur und mit halbautomatischen Waffen anrückten - nur eine weitere, skurrile Zurschaustellung von Wildwestallüren zu sein. Ein Mini-Aufstand, wie er die USA immer wieder mal beschäftigt.

Doch auf den zweiten Blick steckt etwas viel Bedrohlicheres dahinter: Die Besetzung entspricht Amerikas Zeitgeist - einem regierungs- und gesetzesfeindlichen Rassismus, der im Vorwahlkampf und nicht zuletzt dank des polemischen Anti-Washington-Agitators Donald Trump plötzlich neue politische Legitimation gefunden zu haben glaubt.

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Besetztes Gebäude: Showdown im Nationalpark

Foto: Rebecca Boone / AP / dpa

Der Hintergrund der Aktion: Seit Jahrzehnten gärt nicht nur in Oregon der Dauerstreit zwischen der Verwaltung staatlicher Weiden und örtlichen Farmern, die diese pachten oder sich wie beim Malheur-Naturschutzgebiet ganz ausgeschlossen sehen. Sie wollen von Washington in Ruhe gelassen werden - und auch keine Steuern zahlen.

Doch dann forderte im April 2014 das US-Innenministerium vom Farmer Cliven Bundy in Nevada eine Million Dollar für die unbefugte Nutzung eines Naturschutzgebiets und beschlagnahmte seine Rinder. Bundy bewaffnete und verschanzte sich flugs, flankiert von Mitgliedern einer Miliz, bis die Regierung nachgab. Bundy wurde zur Ikone der rechten Bewegung.

"Der Krieg hat erst angefangen", drohte sein Sohn Ammon damals - der jetzt die Proteste in Oregon anführt.

Ammon Bundy im Video: "Bringt eure Waffen mit!"

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Anlass für die Besetzung des Parks ist jedoch ein anderer Fall. Die Rancher Dwight Hammond, 73, und sein Sohn Steve, 46, wurden als Brandstifter verurteilt: Über Jahre hinweg hatten sie mehrere Buschfeuer gelegt, von denen sich einige auf das Malheur-Gebiet ausbreiteten. Ein US-Berufungsgericht hatte die zunächst milden Strafen im Oktober 2015 noch einmal auf je fünf Jahre erhöht - nach einem obskuren Anti-Terror-Gesetz von 1996, das die Beschädigung von Staatseigentum besonders schwer ahndet.

An diesem Montag sollten sich die Hammonds im Gefängnis melden. Ein Protestmarsch am Wochenende eskalierte in der Besetzung. "Wir sind hier, weil die Menschen lange genug missbraucht worden sind", sagte Ammon Bundy in einem Facebook-Video. Man werde ausharren, bis die Regierung das Naturschutzgebiet an die Bürger "zurückgibt".

Amerikas Militia-Bewegung hat ihren Ursprung in rechtsradikal-rassistischen Gruppen und fand ihren Höhepunkt in den Neunzigerjahren. Danach wurde es still um sie. Mit der Wahl von US-Präsident Barack Obama 2008 fanden die rassistischen Hassvereine jedoch neuen Zulauf. Nach Schätzung der Watchdog-Gruppe Southern Poverty Law Center (SPLC) sprang ihre Zahl zwischenzeitlich auf bis zu 1000, viele davon im Süden oder im einsamen Westen der USA.

Rassistische Brandredner wie Donald Trump heizen die Stimmung an, indem sie Washington dämonisieren - sowie alle, die anders aussehen und anders denken wie Muslime oder Einwanderer. Obamas Pläne, im Alleingang neue Waffenkontrollen durchzuboxen, haben den lange schlummernden radikalen Rand vollends aufgeweckt. Zwei zündelnde Farmer sind da am Ende nur ein Vorwand.