Derwischprotest in Istanbul: »Regierung, Rücktritt!« - DER SPIEGEL
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Foto: Umit Bektas / REUTERS

Derwischprotest in Istanbul Gegen die Staatsgewalt

• aus SPIEGEL Chronik 1/2025

Die Türkei erlebt nach der Festnahme von Ekrem İmamoğlu am 19. März 2025 die größten Proteste seit mehr als einem Jahrzehnt. Dieser Demonstrant im Derwisch-Outfit schützt sich mit einer Gasmaske gegen den Einsatz von Pfefferspray durch die Polizei. İmamoğlu, der Oberbürgermeister von Istanbul, ist wichtigster Oppositionspolitiker des Landes und Rivale des amtierenden Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Und wurde nun, kurz bevor seine Partei, die Cumhuriyet Halk Partisi (CHP), ihn offiziell zum Präsidentschaftskandidaten für 2028 nominieren wollte, unter anderem wegen angeblicher Korruption, Gründung einer kriminellen Organisation und Unterstützung der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verhaftet. Dahinter stecke politische Motivation, so seine Anhänger.

»Wir stehen einer großen Tyrannei gegenüber«, erklärt İmamoğlu in einer Videobotschaft auf Social Media kurz vor seiner Festnahme. Mehrere Tausend versammeln sich in Istanbul, Ankara und Izmir trotz Demonstrationsverboten und massiver Polizeipräsenz auf der Straße. Sie fordern: »Tayyip istifa« (Tayyip, tritt zurück) und halten Porträts des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk in die Höhe. Vor allem junge Türken protestieren für einen Politikwechsel.

Die Polizei reagiert hart: Beamte setzen Tränengas, Pfefferspray und Gummigeschosse ein, Demonstrierende werden eingekesselt, geschlagen und in Massen festgenommen. Bis zum Monatsende gibt es laut Innenministerium etwa 2000 Verhaftungen. Die CHP wirft der Polizei »Folter« der Festgenommenen vor, Menschenrechtler kritisieren Polizeigewalt.

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İmamoğlu wird dennoch am 23. März mit überwältigender Mehrheit zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei gewählt. 1,6 Millionen Parteimitglieder stimmen nach Angaben der CHP bei den Vorwahlen für ihn. Nichtmitglieder können über Solidaritätswahlboxen symbolisch abstimmen, rund 13 Millionen Menschen bekunden so ihre Unterstützung.

lph
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