30 Jahre Grüne Latzhose war gestern
Hamburg - Die bürokratische Geburt der Grünen beginnt im Chaos. In der Stadthalle Karlsruhe diskutieren die 1004 Delegierten am 23. März 1980 so lange über den Gründungsbeschluss, dass die Zeit knapp zu werden droht. Denn eigentlich haben sich die Grünen selbst eine Frist gesetzt, bis zu der abgestimmt werden muss. Die betreffende Stunde rückt immer näher - doch ein Beschluss ist nicht abzusehen. Es gibt eine Viertelstunde Aufschub, dann noch eine, später stellt sich sogar heraus, dass offenbar jemand die Uhr im Saal verstellt hat, etwa zehn Minuten nach hinten.
Schließlich einigen sie sich doch. Eine bunte Truppe aus Friedensbewegten, Öko-Aktivisten, Atomkraftgegnern und Idealisten gründet die Grünen.
Die Diskussionsfreudigkeit der Grünen in den achtziger Jahren ist legendär, ihre spektakulären Auftritte sind es ebenso. Der Schock für viele etablierte Abgeordnete ist groß, als die Neulinge am 23. März 1983 mit großem Tamtam erstmals in den Bonner Bundestag einziehen. Zwei Welten prallen aufeinander: auf der einen Seite Konservative in Schlips und Anzug, auf der anderen Latzhosen, wilde Zauselbärte, Strickzeug - und Blumen, die im Bundestag nur zu besonderen Anlässen gestattet sind. Die Öko-Parlamentarier haben als Symbol für die Umweltzerstörung eine erbärmlich gerupfte Tanne mitgebracht, von der sie CDU-Kanzler Helmut Kohl einen Zweig überreichen. Er lächelt säuerlich.
Dass später einmal einer grüner Außenminister werden und einen Kampfeinsatz der Bundeswehr im Ausland mittragen wird, kann sich damals wohl kaum jemand vorstellen.
Von der Protestpartei zum Establishment - SPIEGEL ONLINE zeigt die bewegendsten Momente aus 30 Jahren grüner Geschichte:
30 Jahre Grüne: Bärte, Blumen, Turnschuh-Eid