Wahlkampfauftakt in Bayern »Manche wollen von der CSU nichts wissen«
Auftakt zum heißen Basiswahlkampf-Sommer. Hier in Augsburg beginnt er pünktlich um 11 Uhr an diesem Infostand im Stadtteil Pfersee. Das Thermometer zeigt 30 Grad an. Entsprechend ist das Interesse.
Volker Ullrich mit Passanten
»Hallo, darf ich Sie ganz kurz ansprechen? Nein, kein CSU. Danke.« »Hallo, darf ich Sie ganz kurz etwas fragen? Bestimmt nicht. Vielen Dank.«
»Grüß Gott. Darf ich etwas mitgeben? Für die Minute ansprechen? Ganz schlecht, muss meine Wurst in den Kühlschrank bringen. Das ist aber schlecht für die Wurst.«
Volker Ullrich, Bundestagsabgeordneter CDU/CSU-Fraktion
»Das ist einfach so im Wahlkampf. Nicht jeder will sich mit Politik beschäftigen. Manche sind gerade in Gedanken ganz woanders, wollen auch vielleicht von der CSU nicht wissen. Kann ich mir selbst kaum vorstellen. Aber das muss man akzeptieren und man braucht auch manchmal am Infostand ein gewisses Frustrationspotenzial. Aber das gehört dazu. Teil des Jobs.«
Volker Ullrich sitzt seit 2013 für die CSU im Deutschen Bundestag. Von seiner Partei wurde er erneut mit mehr als 90 Prozent der Stimmen zum Direktkandidaten für den Wahlkreis Augsburg gewählt. Aber zum ersten Mal könnte es hier richtig eng werden für ihn.
Volker Ullrich mit Passanten
»Hallo? Darf ich eine Sekunde ihrer Zeit haben?« »Dürfen Sie, bis die Straßenbahn kommt.«
»Die kommt in sieben Minuten.« »Das ist lang, dafür dass ich Sie nicht wähle.« »Warum wählen Sie denn nicht die CSU?«
»Für mich ist gerade die Union, leider auch die SPD, Thema ›weiter so‹. Irgendwie mal hier ein bisschen, mal da ein bisschen. Ich vermisse die Visionen.«
2017 holte die CSU die meisten Stimmen in Augsburg und Königsbrunn, musste aber ein Minus von fast zwölf Prozent hinnehmen. Den größten Zuwachs in der Stadt wollte 2017 die AfD, die auf drei und zehn komma acht Prozent kam und damit auf das beste Ergebnis in einer westdeutschen Großstadt. Sollte Volker Ullrich sich ernsthaft Sorgen vor der Konkurrenz machen, lässt er sich es zumindest nicht anmerken. Und immerhin: Es gibt auch treue Wähler am Stand.
Volker Ullrich am Infostand
»Hier bin ich. Hallo! Das ist nur das ist das Heft, was ich gemacht habe. Die letzten vier Jahre war alles im Bundestag. Ja, das war eine Königsbrunn. Also hier. Straßenbahn Förderbescheid. Da haben wir für die Stadtwerke Förderung bekommen. Förderung für die Synagoge. Da war ich mit Markus Söder bei der Obdachlosenstiftung. Hier Koalitionsvertrag.«
Infostand-Besucher
»Ich bin CSU-Wähler. Nein, nein, Grüne die wähl ich überhaupt nicht. Oder die AfD oder was. Nein, nein. Oder die SPD - ist auch ganz unten.«
Volker Ullrich, Bundestagsabgeordneter CDU/CSU
»Ich mache mir so eine, so eine Rechnung. Wenn sie zehn Menschen begegnen am Infostand und zwei oder drei nur von den zehn ihnen positiv gestimmt sind, dann ist das eine gute Basis, weil natürlich nicht jeder wahlberechtigt ist und auch nicht alle zur Wahl gehen und natürlich auch Ergebnisse jenseits von 50 Prozent völlig unrealistisch sind.«
Volker Ullrich beim Dreh einer Instastory
»Zuhören, nachdenken, handeln ist mein Motto. Deswegen interessiert mich Ihre Meinung. Ich habe hier einen Fragebogen...«
Noch eine Aufnahme für die Social-Media-Kanäle und dann folgt die nächste Etappe.
Volker Ullrich, CSU-Bundestagsabgeordneter
»Die Rolle der CSU in einem gemeinsamen Unions-Bundestagswahlkampf ist immer überragend groß. Zum einen, weil die CSU als eigenständige Partei in der Unionsfamilie natürlich eine besondere Rolle spielt. Aber auch, weil in den vergangenen Bundestagswahl es sich gezeigt hat, dass es starke Unionsergebnisse nur geben kann, wenn die CSU in Bayern besonders gut abschneidet.«
Der Wahlkampf wird also hier gewonnen oder verloren. Es geht zum Frühschoppen mit der Basis im Stadtteil Kriegshaber.
Auch hier ein leidiges Thema: die aus Sicht vieler Bayern falsche Kanzlerkandidatur-Entscheidung. Volker Ullrich tut sein Bestes, um den Kandidaten Laschet der Basis schmackhaft zu machen.
Volker Ullrich, CSU-Bundestagsabgeordneter
»Jetzt ist die Entscheidung für Armin Laschet gefallen. Der aber sich nicht nur in der CDU durchgesetzt hat, sondern natürlich auch in der Frage gegenüber unserem Parteichef. Das zeigt schon, dass Armin Laschet auch eine hohe Standfestigkeit hat. Ich glaube, das ist auch etwas, was man braucht, wenn man Kanzler in Deutschland sein möchte. Ich will auch sagen, dass Markus Söder ein hervorragender Kanzlerkandidat gewesen wäre, gar keine Frage. Aber wer Union wählt, bekommt Ende des Tages beide. «
Teilnehmerinnen beim Frühschoppen
»Mir persönlich wäre der Herr Söder lieber gewesen, weil ich mich für absolut kompetenter halte. Und, weil er es sehr gerne macht hätt´.«
»Ich muss auch ganz ehrlich sagen, ich bin nicht so mit den mit der Meinung von Herrn Laschet einverstanden. Aber ich habe Sorge wegen der Frau Baerbock. Aber man muss abwarten.«
Vanessa Scherb-Böttcher, CSU-Stadträtin, Vizekanzlerin Hochschule Augsburg
»Ach, ehrlicherweise bin ich angesichts der jüngsten Entwicklungen sehr entspannt und sehe dem Ganzen mit großer Vorfreude entgegen, weil ich glaube an jetzt in den letzten Wochen hat sich gezeigt, wo die Stärke der Union liegt. Und dabei betone ich Union, eben einfach in dem gemeinsamen Zusammenhalt.«
Außer der Kanzlerkandidatur geht es aber an diesen Tisch vor allem um konkrete Themen: um Integration und Rassismus, Bildung, Bau, Pflege oder Kultur. Gesprächsbedarf gibt es viel. Dabei setzt man hier offenbar große Stücke auf die mögliche Gestaltungskraft des eigenen Abgeordneten.
Teilnehmer CSU-Frühschoppen
»Ich hoffe natürlich, dass das auch nach Corona oder nach der Wahl auch weiterhin vonstattengeht und ein bisschen was bieten kannst. Vielleicht auch, wenn du Minister bist, schauen wir mal. Also wir würden uns natürlich wünschen aus Augsburg heraus, dass wir mal Minister hätten. Das wäre natürlich schön.«
Worauf die Basis bei ihrem eigenen Kandidaten setzen kann: Der promovierte Jurist ist im Deutschen Bundestag permanent im Einsatz. Von frühmorgens bis spät abends debattiert er ganz offenbar mit Leidenschaft. Egal was das Thema ist.
Damit führt Volker Ullrich zum zweiten Mal in Folge mit 166 gehaltenen Wortbeiträgen die Top-Ten-Tabelle der fleißigsten Redner im Bundestag.
Zurück im Wahlkreis. Der Nachwuchs ruft. Es gibt ein Treffen mit der Jungen Union in einer Eisdiele. Volker Ullrich ist selbst als Teenager in die CSU eingetreten, war Landesvorsitzender der Schülerunion und des Rings christlich demokratischer Studenten in Bayern.
Wie es Schüler und Studierenden während der Pandemie ging, ist hier das drängendste Thema.
Ein letztes Erinnerungsfoto für Facebook, Twitter und Co. Jede Etappe wird dokumentiert. In puncto Social Media ist Volker Ullrich genauso aktiv wie Markus Söder.
Volker Ullrich/ Instastory
»Zuhören, nachdenken, Handeln ist mein Motto. Deswegen interessiert mich Ihre Meinung. Ich habe hier einen Fragebogen entwickelt. Es geht um die Themen nach Corona, aber auch das, was Sie für Augsburg-Königsbrunn interessiert. Sagen Sie mir Ihre Meinung, sie bekommen eine Antwort.«
Für Volker Ullrich wird der Sommer 2021 lang, heiß und durchgetaktet. An diesem Wochenende geht es zurück nach Berlin zur letzten Sitzungswoche. Ob es nur die letzte Reise von dieser Legislaturperiode sein wird, das wird sich im September zeigen.
Volker Ullrich, CSU-Bundestagsabgeordneter
»Also der Plan-B-Gedanke, den werde ich frühestens nach dem Wahltag beginnen irgendwie mir auszumalen. Ich bin optimistisch gestimmt. Ich habe noch viel vor. Ich weiß, was ich für Augsburg-Königsbrunn geleistet habe und spüre auch viel Rückenwind in den Gesprächen. Und ich bin ganz optimistisch, dass es nicht die letzte Sitzungswoche des Deutschen Bundestages war.«