Hausmitteilung: Demokratie, Debatte, Bürgerstimmen, Politikerduell, Taxifahrer - DER SPIEGEL
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Hausmitteilung Debatte, Bürgerstimmen, Politikerduell, Taxifahrer

• aus DER SPIEGEL 54/2026

Debatte

Die Demokratie ist in Gefahr. Extremismus, Desinformation und ein schwindendes Vertrauen in Institutionen bedrohen eine Weltordnung, die lange als sicher und gerecht galt. Was ist zu tun, wenn alte Gewissheiten nicht mehr gelten? Dieser Frage ging Autor Lothar Gorris (r.) im Luxus-Retreat Schloss Elmau, eines der besten Hotels Deutschlands, in den Alpen nach. Zweimal fand dort der G7-Gipfel statt. Diesmal aber hatten Schlossherr Dietmar Müller-Elmau und der bulgarische Politologe Ivan Krastev zum Denker-Gipfel geladen. Thema der Veranstaltung: »World in Pieces«, Welt in Trümmern. Wie verteidigt man die Demokratie? Die französisch-israelische Soziologin Eva Illouz diskutierte mit, der Philosoph Peter Sloterdijk, der Philanthrop Alex Soros, der Kalifornier Curts Yarvin, der als Ideengeber für US-Vizepräsident JD Vance gilt. »Ich habe selten eine interessantere und gleichzeitig luxuriösere Recherche erlebt«, sagt Gorris, der im Juni nach fast 29 Jahren beim SPIEGEL in Rente geht, »ob die Demokratie noch eine Chance hat, hängt davon ab, wie veränderungsbereit und anpassungsfähig sie ist.«


Bürgerstimmen

Wie denken die Bürger in diesem Land über unsere Demokratie? Redakteurin Carola Padtberg sprach mit Menschen in Berlin, die sich für demokratische Ideale einsetzen. Padtberg besuchte einen Koch im Bundestag, der sich mehr Kontakt zu Abgeordneten wünscht. Sie traf eine Seniorin, die im Stadtteil Friedrichshain die Schüchternheit älterer Menschen auszugleichen versucht. Zukunftsforscher Robert Gaßner erklärte der Redakteurin bei einem Spaziergang, wie wichtig klare Visionen sind. Padtberg sprach mit einem Personalrat, der für mehr Urlaubstage bei den Berliner Verkehrsbetrieben kämpft, und mit einer Podcasterin, die auf TikTok erklärt, wie verschiedene Formen der Diskriminierung zusammenhängen. »Der Schlüssel zu einem gelungenen Miteinander ist für alle die echte Begegnung«, sagt Padtberg, »erst wirklicher Kontakt schafft Betroffenheit und Verständnis.« Die Fotos dazu hat der Fotograf Nikita Teryoshin gemacht.


Politikerduell

Foto:

Patrick Junker / DER SPIEGEL

Der CDU-Politiker Reiner Haseloff (l.) hat eine klar ablehnende Haltung zur Partei Die Linke. Der 72-jährige, bis Januar 2026 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, sieht im Kommunismus ein gescheitertes »Experiment«, das die Linke noch immer verfolge. Eine spannende Voraussetzung für ein Doppelinterview, dachten sich die Redakteure Steffen Winter (2.v.l.) und Felix Bohr (2.v.r.) und fragten den Linken Bodo Ramelow, 70, an, ehemals Ministerpräsident von Thüringen. Beide sagten sofort zu. Haseloff schätzt Ramelow, weil der nie der DDR-Staatspartei SED angehörte, aus der die Linken hervorgingen. Und er habe sich von Ramelow vor Jahren versprechen lassen, dass dieser das Grundsatzprogramm der Linken nicht wörtlich nehme und das System der Bundesrepublik nicht abschaffen wolle. Inhaltlich eint die Ex-Landesväter zudem ihr christlicher Glaube und die Sorge um die Demokratie. Die Ankunft der Politiker im Hauptstadtbüro des SPIEGEL erinnerte deshalb zunächst an ein Klassentreffen mit großem Hallo. Doch im Gespräch wurden die Mienen schnell ernster.


Taxifahrer

Foto:

Dominik Asbach / DER SPIEGEL

Wenige Berufsgruppen erfahren so unmittelbar von den Sorgen und Nöten ihrer Kundschaft wie Taxifahrer. Sie sind Chauffeure und Zuhörer, manchmal auch Rat­geber und Seelsorger. Um zu erfahren, was die Menschen in Deutschland umtreibt, sind vier SPIEGEL-Reporter ins Taxi gestiegen und haben jeweils eine Nacht lang zu­gehört, was Fahrer und Fahrgäste erzählen. In Duisburg begleitete Jonah Lemm den Fahrer Timur Vardar durch die Schicht, in Magdeburg traf Max Polonyi den Taxiunternehmer Thomas Henschel. Alexander Smoltczyk stieg in Frankfurt (Oder) bei Frank Busse ein, Anna Weiß in Frankfurt am Main bei Fahrer Harald Amon. Amon erzählte ihr vom hohen Druck auf seine Branche durch Konkurrenten wie den Fahrdienstvermittler Uber. »Die Erzählungen von Amons Berufsanfängen in den Neun­zigerjahren klingen wie aus einer anderen Welt«, sagt Weiß. »Die Geschichten der Taxifahrer sind Erinnerungen an eine Zeit, die langsam, aber unwiederbringlich vorbeigeht.«

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