News des Tages: Internationaler Gerichtshof, Israel, Krankenstand, Rezession, Handball - DER SPIEGEL
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Sophia Schirmer

meinung •Die Lage am Abend Deutschland einig Krankenland

Die drei Fragezeichen heute:

  1. Aufforderung aus Den Haag – ändert Israel nun sein Vorgehen im Gazastreifen?

  2. Aufsehenerregende Studie – sind die Kranken schuld an der Rezession?

  3. Aussicht aufs Finale – gewinnt die deutsche Handballnationalmannschaft heute gegen Dänemark?

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1. Vorentscheidung im Verfahren gegen Israel

Internationaler Gerichtshof in Den Haag: Vorentscheidung im Verfahren gegen Israel

Internationaler Gerichtshof in Den Haag: Vorentscheidung im Verfahren gegen Israel

Foto: Piroschka van de Wouw / REUTERS

Bald sind vier Monate vergangen, seit Hamas-Terroristen Israel brutal überfielen. Vier Monate, seit Israel zum Gegenschlag ausholte. Mit ebendiesem Gegenschlag, mit dem Krieg Israels gegen die Hamas beschäftigt sich seit gut zwei Wochen auch der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag.

An diesem Freitag fällten die Richter nun eine erste Entscheidung, die trotz ihres vorläufigen Charakters den Druck auf Israel erhöhen dürfte. Das Land müsse dafür sorgen, dass sich die humanitäre Lage im Gazastreifen verbessere, erklärten die Richterinnen und Richter. Und: Es müsse sicherstellen, dass alle in seiner Macht stehenden Maßnahmen ergriffen würden, um einen Völkermord an den Palästinensern zu verhindern.

Völkermord. Es ist das größte, das monströseste Verbrechen im Völkerstrafrecht, definiert als die Absicht, eine nationale, ethnische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu vernichten. Südafrika wirft Israel vor, genau das im Gazastreifen vorzuhaben . Ende Dezember reichte es daher vor dem IGH Klage gegen Israel ein.

Bei der Verhandlung heute ging es noch nicht um diesen Hauptvorwurf, sondern zunächst um einen Eilantrag Südafrikas: Israel sollte aufgefordert werden, alle Kampfhandlungen sofort einzustellen. Das IGH gab dem Antrag zwar nicht statt, trotzdem sei die Entscheidung für Israel weitreichend, sagt meine Kollegin Juliane von Mittelstaedt – und richtig: »Begeht Israel einen Genozid? Das ist ein Wort, das Bauchschmerzen macht, ich würde es nicht verwenden. Aber darum ging es jetzt ja auch erst mal nicht. Israel wurde aufgefordert, Zivilisten zu schonen und humanitäre Hilfe zuzulassen. Das ist ein Urteil für die Menschlichkeit.«

Innerhalb eines Monats muss Israel nun etwa Rechenschaft darüber ablegen, ob sich die humanitäre Lage im Gazastreifen tatsächlich verbessert hat.

2. Wirtschaftsfaktor Schnoddernase?

Ich gebe es lieber gleich zu: Die Überschrift für diesen Teil stammt nicht von mir, sondern von meinem Kollegen Benjamin Bidder aus unserem Wirtschaftsressort. Er hat die Meldung verfasst, die ich heute als Allererstes gelesen habe: Der hohe Krankenstand könnte eine Ursache dafür sein, dass die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr um 0,3 Prozent geschrumpft ist.

Dass zuletzt viele Menschen krank waren, habe ich natürlich mitbekommen. Aber gleich so viele, dass sie eine Rezession auslösen?

Ein Blick auf die Fakten: Laut der Techniker Krankenkasse (TK) war jede dort versicherte Erwerbsperson 2023 im Schnitt 19,4 Tage krankgeschrieben. Das ist deutlich mehr als in den Jahren vor der Coronapandemie (im Schnitt etwa 15 Fehltage) – aber nicht wesentlich mehr als 2022 (im Schnitt etwa 19 Fehltage ).

Die Untersuchung des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (VFA), auf die sich Benjamins Meldung stützt, kommt trotzdem zu dem Ergebnis: Trotz Energiekrise, Inflation und Sanktionsfolgen hätte die deutsche Wirtschaft 2023 wachsen können – wenn nicht so viele Beschäftigte krank geworden wären.

Mein Kollege Florian Diekmann, ebenfalls aus dem Wirtschaftsressort, hat mit Claus Michelsen, einem der Autoren, über die Untersuchung gesprochen. Michelsen sagt, der Krankenstand übertrage sich zwar nicht eins zu eins etwa auf die Produktion, sei aber eben durchaus relevant für die Wirtschaftsleistung. Er schlussfolgert: »Es ist auch volks- und betriebswirtschaftlich wichtig, sich um die Gesundheit zu kümmern.« Sprich: Politik und Unternehmen sollten Prävention betreiben. Wie das gehe, so Michelsen, hätten sie ja in der Coronapandemie gelernt.

3. Der Traum vom Finale

Deutschlands Spielmacher Juri Knorr beim Siebenmeter

Deutschlands Spielmacher Juri Knorr beim Siebenmeter

Foto: Tom Weller / dpa

Und noch ein Geständnis: Hätten Sie mich vor zwei Wochen gefragt, wer Andreas Wolff, Juri Knorr oder Julian Köster sind, ich hätte es Ihnen nicht sagen können. Mittlerweile weiß ich nicht nur, dass die drei in der deutschen Handballnationalmannschaft spielen, sondern auch, dass Andreas Wolff ganz schön viele Bälle hält!

Heute Abend spielen die drei und ihre Teamkollegen im Halbfinale der Handballeuropameisterschaft gegen den amtierenden Weltmeister Dänemark. Ich bin zwar absolute Handball-Laiin (Was passiert da? Und warum geht es so schnell?), trotzdem werde ich mir das Spiel zumindest in Auszügen anschauen. Und weil ich gern wissen würde, ob sich das Mitfiebern lohnt, habe ich vorher meinen Kollegen Marcus Krämer aus unserem Sportressort um eine Einschätzung gebeten: Hat die deutsche Mannschaft eine Chance?

»An einem normalen Tag sind die Dänen nicht zu schlagen, Deutschland ist klarer Außenseiter«, sagt Marcus. »Doch mit 20.000 Fans im Rücken und wenn die Schlüsselspieler Andreas Wolff im Tor sowie Juri Knorr und Julian Köster im Rückraum ihre Bestform erreichen, kann das deutsche Team das Finale erreichen.«

Ich werde also die Daumen drücken. Um 20.30 Uhr geht es los, dann startet auch der Liveticker meiner Kollegen Jan Göbel und Henrik Bahlmann auf SPIEGEL.de.

Was heute sonst noch wichtig ist

  • Lindner prognostiziert Nullrunde beim Bürgergeld: Die FDP stört sich an der Erhöhung des Bürgergelds – und hofft auf eine Nullrunde im kommenden Jahr. Hintergrund der letzten Erhöhung waren allerdings gesetzlich festgelegte Mechanismen, die seit vielen Jahren gelten.

  • Faeser will Finanzströme in rechtsextremen Netzwerken aufdecken: Woher kommt das Geld? Bundesinnenministerin Faeser will verstärkt die Unterstützung für rechtsextreme Organisationen wie die »Identitäre Bewegung« ins Visier nehmen. An die Geldgeber sprach sie eine Warnung aus.

  • Rechnungshof rügt Schusstests für neues Sturmgewehr: Wegen Präzisionsmängeln beim G36 wurde die Ausstattung der Bundeswehr mit einem neuen Sturmgewehr angeordnet. Nun aber hagelt es Kritik: Prüfer des Bundesrechnungshofs stellten Ungereimtheiten bei den Schusstests mit der neuen Waffe fest.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

  • Klopps Abschied in die Freiheit: Beim FC Liverpool hat er eine Ära geprägt. Im Sommer ist es damit vorbei. Wenn man Jürgen Klopp zuhört, kann man zu dem Schluss kommen, dass dies nicht bloß ein Rückzug aus der Premier League ist. Sondern vom Fußball .

  • Was nach dem Bundeswehr-Sondervermögen kommt? Die Ampel hat keinen Plan: Die 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr sind in spätestens vier Jahren aufgebraucht. Doch viele Rechnungen für Kampfjets und Fregatten sind noch offen: Wie soll die neue deutsche Wehrhaftigkeit finanziert werden? 

  • Weselsky wütet – und will mit der Bahn reden: In den Konflikt kommt womöglich Bewegung: GDL-Chef Weselsky will sich offenbar noch am Freitag mit Bahn-Vertretern treffen. Zuvor schaltet er in seiner Heimat Dresden aber noch mal voll auf Konfrontation .

Was heute weniger wichtig ist

Campbewohner Fabio

Campbewohner Fabio

Foto: Tag 7 / RTL

In der Dschungelschmuddelei: Seit genau einer Woche zeigt RTL jeden Abend neue Folgen von »Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!«, bedauerlicherweise, muss man fast sagen. Mit dabei unter anderem Schauspieler Heinz Hoenig, 72, und Influencer Twenty4Tim, 23. Gestern Abend gab es, natürlich, widerliche Fressprüfungen mitzuerleben, dazu Gespräche über Bodycounts und komplizierte Familienbeziehungen – und leider auch ein paar übergriffige Sprüche. Was noch passieren wird? Man darf gespannt sein (oder nicht). In diesem Sinne: »Flüche gehen raus!« 

Mini-Hohlspiegel

Von der Website des Würzburger Senders Radio Gong, radiogong.com

Von der Website des Würzburger Senders Radio Gong, radiogong.com

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Illustration: Chappatte

Und heute Abend?

Kartoffelsuppe mit Raclettekäse und Knuspertoppings

Kartoffelsuppe mit Raclettekäse und Knuspertoppings

Foto: Sebastian Maas / Der SPIEGEL

Könnten Sie sich der übrig gebliebenen Packung Raclettekäse in Ihrem Kühlschrank annehmen. Mein Kollege Sebastian Maas sucht und findet für seine Kolumne »Kochen ohne Kohle« seit mittlerweile mehr als drei Jahren Rezepte, die wenig kosten und trotzdem schmecken. Und kürzlich kam er eben mit einer Verwertung für Raclettekäse ums Eck: Den rührt er kurz vor Schluss in seine Kartoffel-Lauch-Suppe, die eh schon cremig ist und so noch cremiger wird.

Für mich klang die Kombi erst etwas wild. Aber Sebastian hat mich überzeugt. »Ich kann das Rezept sehr empfehlen«, schrieb er mir, »war wirklich das Leckerste, was ich seit Langem gemacht habe.« Und das will bei ihm was heißen.

Sie mögen kein Raclette oder, im Gegenteil, stopfen ihr Pfännchen immer so voll, dass längst kein Käse mehr übrig ist? Die Suppe schmeckt auch mit Cheddar oder Gorgonzola. Sogar veganen Schmelzkäseersatz können Sie problemlos verwenden, das habe ich extra noch mal bei Sebastian nachgefragt.

Ob Sie die Suppe auch im Magen behalten, wenn Sie nach dem Abendessen das Dschungelcamp schauen? Da übernehme ich keine Garantie.

Einen schönen Abend. Herzlich

Ihre Sophia Schirmer, stellvertretende Ressortleiterin Job&Karriere/Start

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