Die Lage am Abend Hinweise aus dem All
Die drei Fragezeichen heute:
Lage in Iran – was lässt sich aus dem All erkennen?
Sachsen-Anhalt – wie steigt der Kanzler in den Wahlkampf ein?
Nosferatu-Spinne – warum diesmal ohne Foto?
1. Wie ist die Lage in Iran?
Der Nachrichtentag begann heute mit einer Meldung aus der Nacht, dass die USA nach mehreren Wochen wieder Ziele in Iran angegriffen haben, Teheran reagierte mit Gegenschlägen. Solche Nachrichten zu lesen, verlangt oft meine volle Konzentration: Was genau wurde warum angegriffen? Wie groß ist der Schaden? Ändert der Vorfall etwas am Status quo? Sich ein genaues Bild von der Lage in diesem Konflikt zu machen, scheint ausgesprochen schwierig.
Antiamerikanisches Plakat in Teheran: Die Islamische Republik wirtschaftlich erwürgen?
Foto: Vahid Salemi / AP / dpaDas geht nicht nur uns so, sondern offenbar auch Menschen in Iran. Meine Kollegin Susanne Koelbl hat vor einigen Tagen Stimmen aus dem Land zusammengetragen, viele von ihnen klingen rat- und hoffnungslos. »Leben wir im Krieg oder in Frieden? Wir wissen es nicht«, schreibt etwa der Rechtsanwalt Hamid Azizi dem SPIEGEL. Der Programmierer Ramin Samadi schreibt: »Ich verlasse mich nur noch auf das, was ich sehe: Eine Explosion bedeutet Krieg, sinkende Preise deuten auf eine Einigung hin. Aber sie einigen sich nicht. Iran stehen schwere Zeiten bevor.« (Lesen Sie hier den Text .)
Was sich sicher sagen lässt: Der Krieg läuft völlig anders als geplant. Das gilt nun womöglich auch in Bezug auf Irans Nuklearprogramm. Eines der erklärten Hauptziele der Verbündeten USA und Israel war die nukleare Entwaffnung des Regimes in Teheran. Tatsächlich dürften die Angriffe auf die entsprechenden Anlagen auch wirkungsvoll gewesen sein. Satellitenbilder zeigen allerdings, dass die Reparaturen an einer mutmaßlichen Nuklearanlage in Iran längst begonnen haben. Meine Kolleginnen Anna-Lena Kornfeld, Jaya Mirani und Anna-Sophie Schneider haben die Bilder analysiert und erklären, was es damit auf sich haben dürfte. (Lesen Sie hier ihren Text .)
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: »Ich fühle mich gefangen in einem irren Überlebensmodus, der nicht enden will«
2. Wahlkrampf mit Friedrich Merz
Spannende sieben Tage liegen vor uns: Am Sonntag wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt – und weil in Deutschland erstmals nach1945 eine Machtübernahme durch Rechtsextreme auf Länderebene droht, schaut die Welt genau hin. Auch wir: Heute startet auf SPIEGEL.de ein Newsblog, in dem Sie im Laufe der Woche alle wichtigen Nachrichten und Entwicklungen zur Wahl finden. (Hier geht es zum Blog.)
Bundeskanzler Friedrich Merz
Foto: Andreas Gora / picture allianceHeute Abend steigt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in den Wahlkampf ein und reist zu einem Wahlkampftermin in Quedlinburg im Harz. Dabei grenzt sich der CDU-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, bisher deutlich vom Kanzler ab. Vielleicht auch deshalb wird der Besuch in Quedlinburg kein klassischer Wahlkampfauftritt: Berichten zufolge soll der Kanzler nur auf einen kleinen Kreis von rund 30 ausgewählten CDU-Mitgliedern treffen – unter weitgehendem Ausschluss der breiten Öffentlichkeit.
Texte, Analysen und Hintergründe rund um die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt finden Sie außerdem hier in unserer Themenübersicht.
Lesen Sie hier mehr: News zur Landtagswahl im Blog
3. Spinne ohne Schreck
Über große oder exotische Spinnen zu berichten, stellt uns hier in der Redaktion immer wieder vor ein Dilemma: Einerseits möchte man die Tiere natürlich zeigen, am besten mit einem tollen Bild, von ganz nah fotografiert. Andererseits wissen wir, dass ein Spinnenfoto Menschen mit großer Angst vor Spinnen davon abhalten kann, den entsprechenden Text zu lesen. Schlimmstenfalls meiden sie sogar unsere Website, solange dort prominent das Bild einer Spinne zu sehen ist.
Den einen oder anderen Text über Spinnen sollten allerdings gerade Phobiker lesen, etwa um zu erfahren, dass das darin beschriebene Tier harmlos ist/nur in Australien vorkommt/ausgestorben ist/von einer KI generiert wurde und in Wahrheit gar nicht existiert.
Illustration einer Nosferatu-Spinne: Das Bild zeigt absichtlich kein echtes Tier
Foto:Golden Cosmos / DER SPIEGEL
Deshalb hat sich das Wissenschaftsressort für seine Geschichte über die Nosferatu-Spinnen, von denen immer mehr in Deutschland leben, etwas überlegt: In der Aufmachung ist eine heitere Illustration zu sehen, und die Fotos der echten Spinnen im Text erscheinen erst nach einem Extra-Klick – also nur dann, wenn man bereit ist, hinzuschauen. Kontrollierte Konfrontation und so.
Im Text selbst beantwortet meine Kollegin Julia Köppe viele interessante Fragen zur Nosferatu-Spinne – etwa wie sie lebt, ob sie gefährlich ist und warum Forscher sich für ihre Spinnenseide interessieren. Trauen Sie sich also, es lohnt sich.
Hier finden Sie den Artikel: Wenn plötzlich Nosferatu durchs Wohnzimmer krabbelt
Was heute sonst noch wichtig ist
Schweizer Polizei nimmt Tatverdächtigen fest: Im schweizerischen Aarau kam es am Wochenende zu einer tödlichen Schießerei auf einem Open-Air-Event. Nun meldet die Polizei die Festnahme eines 43-jährigen Tatverdächtigen. Die Ermittler gehen von einem Einzeltäter aus.
Wadephul sieht nach Island-Referendum Handlungsbedarf in der EU: Die Isländer erteilen EU-Beitrittsverhandlungen eine Absage. Auch die Bundesregierung reagiert mit Bedauern. Außenminister Wadephul fordert: Die Europäische Union muss attraktiver werden.
Trump will strategische US-Reserven mit Öl aus Venezuela auffüllen: Venezuela sitzt auf gigantischen Ölvorkommen. Donald Trump möchte einen guten Teil davon schon bald in Lagern in den USA wissen – und spricht von einem »Geschenk an die Vereinigten Staaten«. Doch so einfach ist das nicht.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
CDU-Aufsteiger Amthor: »Philipp – last but not least«
Foto: Hannes Jung / DER SPIEGELDer Staatsnerd: Der neue Staatsminister Philipp Amthor findet, dass die Schlauesten, Fleißigsten und Robustesten Politiker werden sollten. Auch deswegen ging er selbst in die Politik. Wie weit kann er noch kommen?
Was heute weniger wichtig ist
Szene aus »Barbara – Becoming Shirin David«
Foto: NetflixHaarsche Kritik: Rapperin Shirin David, 31, zeigt sich enttäuscht von der Netflix-Doku über sie. Bereits im Frühjahr erschien die Dokumentation »Barbara – Becoming Shirin David«, nun kritisierte die Musikerin die Sendung in einer Instagram-Fragerunde. Der Film sei nicht authentisch, sondern »vollkommen an den Haaren herbeigezogen«.
Mini-Hohlspiegel
Benachrichtigung aus der App der Deutschen Bahn
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Thomas Plaßmann
Und heute Abend?
Könnten Sie etwas Leckeres kochen oder backen, das zur Jahreszeit passt. Hier in Norddeutschland isst man zum Beispiel derzeit gern Birnen, Bohnen und Speck (hier ein Artikel aus unserem Archiv dazu mit einem Rezept für eine moderne, etwas leichtere Variante). Das ist aber bestimmt nicht jedermanns Sache, deshalb lohnt auch ein Blick in unsere Effilee-Rezeptsammlung. Darin finden sich Anleitungen für Klassiker wie Zwetschgendatschi (hier das Rezept ) oder Brotsalat (hier das Rezept ), die hervorragend in die Saison passen und die selbst mir als mitteltalentierter Wochenendköchin durchaus machbar erscheinen.
Ich wünsche Ihnen einen anregenden Abend.
Herzliche Grüße
Ihre Judith Horchert, Blattmacherin in der Chefredaktion