News des Tages: Wen holt Friedrich Merz in sein Kabinett? Wo fahndet das BSW nach Stimmen? - DER SPIEGEL
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Judith Horchert

meinung •Die Lage am Abend Bringt das neue Kabinett ein merzliches Wiedersehen?

Die drei Fragezeichen heute:

  1. Gelsenkirchen – warum holte die SPD nicht mehr die meisten Zweitstimmen?

  2. Bündnis Sahra Wagenknecht – sind Stimmen für das BSW verloren gegangen?

  3. Schwarz-rote Koalition – wer könnte am Kabinettstisch sitzen?

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1. Frische Wahl, bekannte Gesichter

Ich weiß nicht, wie oft mir das Wort »Politikwechsel« in den vergangenen Wochen als das große Versprechen der Union begegnet ist. Was nach Frische und Aufbruch klingt, könnte aber vor allem mit der Rückkehr einiger altbekannter Gesichter einhergehen.

Mein Kollege Florian Gathmann hat analysiert , wie ein Kabinett unter Merz aussehen könnte. »Noch haben sie nicht einmal über eine mögliche Koalition sondiert«, räumt er gleich zu Beginn ein. »Aber nach dem Ausgang der Bundestagswahl scheint alles auf eine künftige Regierung von CDU, CSU und SPD hinauszulaufen – nur Schwarz-Rot hat eine arithmetisch und politisch vorstellbare Mehrheit im neuen Parlament.«

Es folgt ein mögliches Personaltableau, darunter einige alte Bekannte, etwa Jens Spahn (CDU) und Julia Klöckner (CDU) oder Boris Pistorius (SPD) und Nancy Faeser (SPD).
Ob das – wie bei einem Klassentreffen – ein fröhliches Wiedersehen wäre? Oder ob man auf manche politische Neuauflage verzichten könnte? Urteilen Sie selbst.

2. Das BSW geht auf Stimmenfang – nach der Wahl

Liegt es auch an einer Verwechslung, dass das Bündnis Sahra Wagenknecht nicht im Bundestag gelandet ist? In einem internen Newsletter an Unterstützer der Partei hieß es, Stimmen für das BSW seien in mehreren Wahllokalen womöglich nicht korrekt übermittelt worden. Es hätten Menschen der Partei geschrieben, »die davon berichten, dass sie in ihrem Wahllokal dem BSW die Stimme gegeben haben, aber in der Auflistung der Stimmenergebnisse dieses Wahllokals das BSW mit null Stimmen ausgewiesen wird«.

In »häufigen Fällen« gehe die Null beim BSW »mit einem auffällig hohen Stimmenanteil« für das »Bündnis Deutschland« (BD) einher. Die rechtskonservative Kleinstpartei stand auf dem Stimmzettel meist direkt über dem Bündnis Sahra Wagenknecht.
Meine Kollegen Marcel Pauly und Marc Röhlig haben sich die Sache einmal genauer angeschaut . Sie haben exemplarisch die Ergebnisse aus mehreren Wahlbezirken ausgewertet und tatsächlich Hinweise auf Ungereimtheiten gefunden. »Die Zahlen zeigen, dass Wagenknechts Theorie der falsch zugeordneten BSW-Stimmen nicht völlig aus der Luft gegriffen ist«, schreiben meine Kollegen. Allerdings kämen diese Stimmen auf das ganze Land hochgerechnet nicht einmal in die Nähe von 13.400. Auch die fehlenden Stimmen der Auslandsdeutschen dürften keineswegs reichen, urteilen meine Kollegen.

3. Gelsenkirchen, my love

Gelsenkirchen hat für mich bis heute einen positiven Klang: ein Städtename voller Verheißung und Wärme. Meine Familie väterlicherseits stammte von dort, und in meiner Kindheit bedeutete ein Besuch bei »Oma und Opa Gelsenkirchen« nur Gutes: Liebe und Süßigkeiten in großer Menge, manchmal einen Ausflug in den Revierpark und meist ein Festessen, denn in der Regel gab es etwas zu feiern, wenn wir die Großeltern aufsuchten. Dass die Stadt schäbig wirkte und ihre Armut mit den Jahren immer offener zutage trat – all das konnte die positive Assoziation aus meiner Kindheit nicht mehr überschreiben.

Auch meine Kolleginnen und Kollegen blicken nach Gelsenkirchen – zum Glück mit weniger Verklärung. Als die Stadt im vergangenen Jahr internationale Aufmerksamkeit auf sich zog, weil Taylor Swift gleich drei Konzerte dort gab, fuhr meine Kollegin Nora Gantenbrink hin und beschrieb den Gegensatz zwischen dem funkelnden Star und der grauen Ruhrpottstadt, zwischen Glamour und Bergbau.

Nun macht die Stadt wieder Schlagzeilen: Bei der Wahl am Sonntag gingen in Gelsenkirchen, das immer eine SPD-Hochburg war, die meisten Zweitstimmen an die AfD. Mein Kollege Tobias Großekemper hat sich in der Stadt umgesehen und mit den Menschen vor Ort über den Rechtsruck gesprochen. Er beschreibt die Probleme der Stadt, es geht um Überforderung und Elend. Doch Tobias schafft es auch, etwas von der alten Wärme zu transportieren, die Menschen wie ich mit Gelsenkirchen verbinden und mit den Menschen dort, die ihr Herz immer »auf dem rechten Fleck« hatten.

Was heute sonst noch wichtig ist

  • »Wache über mich, sodass ich nicht in Dunkelheit versinke«: Israel hat Abschied genommen von Shiri Bibas und ihren beiden Söhnen Ariel und Kfir. Die drei wurden in einem gemeinsamen Sarg beerdigt. Der selbst erst aus Geiselhaft zurückgekehrte Witwer und Vater Yarden Bibas hielt die Grabrede.

  • EU-Kommission will Lieferkettengesetz um ein Jahr verschieben und gravierend abschwächen: Das Lieferkettengesetz soll Mensch und Umwelt schützen, gilt aber als bürokratisches Monstrum. Nun will die EU-Kommission den Unternehmen mehr Zeit verschaffen und die meisten vom Gesetz freistellen.

  • Trump postet groteskes KI-Video zur Zukunft des Gazastreifens: US-Präsident Trump hat angekündigt, den weitgehend zerstörten Gazastreifen in die »Riviera des Nahen Ostens« verwandeln zu wollen. Nun postete er ein Video, das diese äußerst umstrittene Vision nochmals überzeichnet.

  • Taipeh verurteilt von Peking angekündigte Schießübung: China setzt seine Schikanen gegen Taiwan fort und hat jetzt offenbar ein Gebiet für Schießübungen vor der Küste der Inselrepublik ausgewiesen. Die erklärt, man habe See-, Luft- und Bodenstreitkräfte entsandt, um »zu beobachten, zu warnen und angemessen zu antworten«.

Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

Aktivist Thelen, Farbaktion am Bundeskanzleramt: »Wie können wir das große Geld aus der Politik herausdrängen?«

Aktivist Thelen, Farbaktion am Bundeskanzleramt: »Wie können wir das große Geld aus der Politik herausdrängen?«

[M] DER SPIEGEL; Fotos: Jan Philip Welchering / DER SPIEGEL; Stefan Müller / PIC ONE / picture alliance

»Unsere Demokratie ist nicht der Weisheit letzter Schluss«: Die Letzte Generation gibt sich einen neuen Namen und will mit »Parlamenten der Menschen« selbst Politik machen. Und wenn Bund, Länder und Städte nicht reagieren? Aktivist Raphael Thelen sagt: Dann soll ziviler Ungehorsam folgen. 

Was heute weniger wichtig ist

Mamas gegen Musk: Die Autorin Ashley St. Clair, 26, wirft Elon Musk vor, kein besonders guter Vater zu sein. Ähnlich hatte sich kürzlich die Sängerin Grimes geäußert, mit der Musk drei Kinder hat. St. Clair hat nach eigenen Angaben ein Baby bekommen, dessen Vater Musk sei. Im »People«-Magazin klagte sie nun: Musk sei ein Mann, bei dem man sich »nicht einmal darauf verlassen kann, dass er kommuniziert, geschweige denn konsequent die Rolle eines Vaters wahrnimmt«.

Mini-Hohlspiegel

Von radiobielefeld.de

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Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Klaus Stuttmann

Und heute Abend?

Karnevalswagen zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche (2025 in Köln)

Karnevalswagen zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche (2025 in Köln)

Foto: Oliver Berg / dpa

Krawatte raussuchen, Perücke bürsten, Kostümjacke bügeln und früh schlafen gehen – zumindest Rheinländern ist völlig klar, was heute Abend zu tun ist. Morgen ist schließlich Weiberfastnacht und damit der Auftakt für den Straßenkarneval. In Köln wird bereits diskutiert, wo der Spaß dabei aufhört: Das Erzbistum kritisierte einen Mottowagen für den Rosenmontagszug, der sich mit Missbrauch in der katholischen Kirche auseinandersetzt. Der Leiter des Zuges findet diese Einmischung »befremdlich«. (Lesen Sie hier mehr zu dem Fall.)

Wenn Sie zu den Jecken gehören, lassen Sie es morgen krachen – ob nun zum Karneval, Fasching, Fastnacht oder wie das Fest bei Ihnen heißt. Wenn Sie nicht jeck sind, finden Sie hoffentlich Ihr eigenes Rezept, mit dem sich Ihre Stimmung für ein paar Tage hebt.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend

Ihre

Judith Horchert, Blattmacherin in der Chefredaktion

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