Die Lage am Morgen Sorry, Donald, das wird wohl wieder nichts
Heute wird bekannt, wer den Friedensnobelpreis bekommt – und wer nicht.
Die Uefa will Gianni Infantino loswerden – und den Weltfußball revolutionieren.
In Berlin sondieren Linke, Grüne und SPD – jetzt garantiert weder antisemitisch noch kriminell.
Preiswütig statt preiswürdig
Heute verkündet das Norwegische Nobelkomitee, wer den Friedensnobelpreis bekommt, und das ist doch ein schöner Anlass, sich noch einmal kurz daran zu erinnern, wer ihn vergangenes Jahr nicht bekommen hat: Donald Trump. Gut, das wissen Sie selbstverständlich noch. Aber erinnern Sie sich an das Theater rund um die letztjährige Preisverkündung?
Trump mit überlassener Nobelpreismedaille und Preisträgerin Machado (Januar 2026)
Foto: Daniel Torok / The White House / REUTERSSchon das ganze Jahr über hatte Trump den Preis für sich eingefordert, seine Penetranz gipfelte in der Äußerung, eine Nichtvergabe an ihn wäre eine »Beleidigung für die USA«. Nachdem dann nicht er, sondern die venezolanische Oppositionelle María Corina Machado den Preis zugesprochen bekam, meldete sich postwendend sein Sprecher zu Wort: Das Nobelkomitee habe die Politik über den Frieden gestellt (mehr dazu hier). Im Januar hat Trump sich die Medaille dann von der eigentlichen Preisträgerin Machado schenken lassen, womöglich hängt sie jetzt irgendwo im Weißen Haus an der Wand.
Wenige Tage später wurde eine beleidigte Nachricht von Trump an den norwegischen Ministerpräsidenten bekannt, in der er mitteilte, da man ihm den Preis verweigert habe, sehe er sich jetzt nicht mehr ausschließlich dem Frieden verpflichtet (mehr hier). Immerhin: An diese Ankündigung hat er sich gehalten (mehr dazu hier).
Ich finde es bei aller Gewöhnung an Trumps tägliche Ungeheuerlichkeiten immer noch unglaublich, dass sich ein demokratisch gewählter Staatsmann dermaßen peinlich selbstherrlich verhalten kann. Wahrscheinlich hofft er auch heute wieder auf den Nobelpreis. Ich hoffe stattdessen auf eine gute Entscheidung, über die sich die ganze Welt freuen kann. Bis auf einen. Vielleicht läuft es ja wie bei der Literatur – und der Preis geht nach Kanada.
Nach Kanada hier entlang: Nobelpreis für Literatur geht an Anne Carson
Schaun mer mal, dann geht er scho
Mit dem US-Präsidenten müssen wir noch gute zwei Jahre leben, aber mit der Herrschaft eines ähnlich unangenehmen Zeitgenossen könnte es bald schon vorbei sein: Gestern haben sich in Berlin die Spitzen des europäischen Fußballverbands Uefa getroffen, um darüber zu beraten, wie sie den Fifa-Boss Gianni Infantino loswerden können (mehr dazu hier ). Spätestens beim Fifa-Kongress im kommenden März wollen sie ihn durch einen Kandidaten ihrer Wahl ersetzen. Wer das dann sein soll, sickerte gestern zwar noch nicht durch, mein Kollege Peter Ahrens weiß aber von geplanten Umwälzungen zu berichten, die weit über die Personalie hinausgehen.
Ungeliebter Fifa-Boss Infantino: Nur noch bis März?
Foto: Cristobal Herrera-Ulashkevich / EPAKünftig soll der Fifa-Präsident nach den Vorstellungen der Uefa eher repräsentativ tätig sein, das neue Machtzentrum wäre ein Gremium namens Fifa Council. Bis zum 18. November hat die Uefa nun Zeit, einen Gegenkandidaten zu nominieren. Es soll jemand mit Strahlkraft für den Fußball sein, hat Peter erfahren. Einer, den man nicht nur in Europa, sondern auch anderswo in der Welt kennt und wertschätzt. Hört sich so an, als sei die Uefa auf der Suche nach einer leibhaftigen Lichtgestalt.
Die ganze Geschichte hier: Wie der DFB und die Uefa den Weltfußball revolutionieren wollen
Fast alles klar in Berlin
In Berlin wollen Linke, Grüne und SPD Sondierungsgespräche für die Bildung einer Koalition aufnehmen. Voraussetzung dafür war eine Festlegung der drei Parteien auf eine Reihe von Grundsätzen, die so selbstverständlich sind, dass die Agenturmeldungen zur Einigung unfreiwillig komisch klangen: »Linke, Grüne, SPD vereinbaren: kein Kontakt zu Kriminellen«, hieß es bei der dpa. Und: »Linke, Grüne, SPD: Antisemitische Vorfälle ahnden«. Gut, dass das jetzt mal klar ist.
Unterhändler Krach (SPD), Wolter (Linke), Graf (Grüne): Kein Kontakt zu Kriminellen
Foto: Clemens Bilan / EPAMein Kollege Philipp Wittrock berichtet über die Einigung der drei potenziellen Partner – und kennt auch die Hindernisse, die weiterhin vor einer gemeinsamen Regierung stehen. Da ist zunächst die Situation in der Berliner Linken, wegen der die gemeinsame Erklärung gegen Antisemitismus und Kontakte zu organisierten Kriminellen erst notwendig wurde (mehr dazu hier ). »Ob sich jene Kreise in der Linken, die sich in der Vergangenheit besonders lautstark und radikal gegen Israel geäußert haben, von der ›Berliner Vereinbarung‹ beeindrucken lassen, muss sich noch zeigen«, meint Philipp. Und die Frage sei auch, wie ernst es die Linkenspitze meine, wenn sie bei Verstößen den Ausschluss aus Fraktion und Partei androhe. Bisher sind diese Konsequenzen nur Ankündigungen.
Und dann ist da noch die kriselnde Koalition im Bund. Aus der Union sind Stimmen zu hören, so ein rot-grün-rotes Bündnis in Berlin wäre ein Misstrauensvotum der SPD gegen die schwarz-rote Koalition. Zudem steht die Befürchtung im Raum, dass eine Zusammenarbeit der Sozialdemokraten mit der Linken von interessierter Seite in der Union zum Anlass genommen würde, eine Zusammenarbeit mit der AfD zu rechtfertigen.
Die Wahlsiegerin Elif Eralp fehlte bei der Vorstellung der Vereinbarung. Sie ist krankgeschrieben. In dieser Sache kann man die Volksnähe der Linken nicht bestreiten, denn so geht es gerade vielen. Von hier aus: Gute Besserung!
Die ganze Geschichte hier: Das gibt Ärger – in der Linken und in der Krisenkoalition des Kanzlers
Lesen Sie hier den aktuellen SPIEGEL-Leitartikel
Friedrich Merz muss nicht nur die Brandmauer, sondern die eigene Glaubwürdigkeit retten: Der CDU-Vorsitzende spielt die Rolle seiner Parteifreunde bei der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt herunter. Friedrich Merz droht der rechte Rand der Partei zu entgleiten.
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Verlierer des Tages…
BND-Zentrale in Berlin
Foto: Clemens Bilan / EPA…ist der BND. Als wäre die Affäre um den Ex-Geheimdienstchef August Hanning nicht schon bizarr genug. Jetzt berichten meine Kolleginnen und Kollegen aus unserem Investigativteam auch noch, Hannings ehemaliger Büroleiter, der ihn mutmaßlich jahrelang mit Geheimdokumenten versorgt hat, habe sich seine Nebentätigkeit für Hanning vom BND genehmigen lassen. Und da frage ich mich, was die Vorgesetzten des Mannes wohl dachten, worin die Tätigkeit für Hanning bestehen könnte. Sie werden ihm ja kaum die Beihilfe zum Handel mit Staatsgeheimnissen erlaubt haben. Meinten die etwa, er bügelt Hannings Hemden?
Die ganze Geschichte hier: BND genehmigte Nebentätigkeit für Hannings mutmaßlichen Komplizen
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
Pentagon will Hinrichtung von Attentäter per Livestream übertragen: Am 3. Dezember soll Nidal Hasan von einem Militärkommando erschossen werden. Der Tod des Attentäters von Fort Hood wird dabei live im Internet übertragen – so plant es zumindest der US-Verteidigungsminister.
Zwei Behördenmitarbeiter in der Oberpfalz erschossen – 60-Jähriger festgenommen: Eine simple Waffenkontrolle ist in Berngau komplett eskaliert. Ein Mann schoss auf zwei Vertreter der Behörden und verletzte sie tödlich. Die Polizei hatte sein Haus umstellt, in der Nacht folgte der gewaltsame Zugriff.
ICE-Beamte schießen auf Mann in Auto – mit Kind an Bord: Einheiten umstellten das Fahrzeug, dann fielen Schüsse: Vertreter der US-Einwanderungsbehörde haben in New York einen Mann verletzt, offenbar in Beisein seines Kindes. Bürgermeister Mamdani reagierte erbost.
Heute bei SPIEGEL Extra: Der Umami-Trick, der Gerichte rund und gesünder macht
Philotheus Nisch / DER SPIEGEL
Wer Tomatenmark anschwitzt, getrocknete Pilze mahlt oder einen Schuss Sojasoße zum Essen gibt, kocht automatisch mit Umami. Der fünfte Geschmack kann helfen, auf Salz zu verzichten und die Gesundheit zu schonen .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion