Die Lage am Morgen Männer, die auf Flugzeuge starren
Heute geht es um die Berlin Air Show mit Bundeskanzler Friedrich Merz, um ein wichtiges Treffen zwischen Koalitionsspitzen und Sozialpartnern und um die Halbinsel Krim, wo es kein Benzin mehr gibt.
Ende mit Schrecken
Es hätte für Hobbypiloten und Bundeskanzler Friedrich Merz ein entspannter Rundgang werden können auf der heute beginnenden »Internationalen Luft- und Raumfahrtmesse« in Berlin. Bisschen Flugzeuge gucken, über die Luftfahrtstrategie der Bundesregierung sprechen, Flugvorführungen bewundern.
Wären da nicht diese vier Buchstaben: FCAS. Sie stehen für »Future Combat Air System«, auf Deutsch: »Zukünftiges Luftkampfsystem«. Und seit zwei Tagen stehen diese Buchstaben auch für das Scheitern des Versuchs von Deutschland und Frankreich, einen gemeinsamen Kampfjet zu bauen. Ausgerechnet.
Bundeskanzler Merz, Präsident Macron: Verhärtete Fronten bei den Unternehmen
Foto: Manon Cruz / EPALange hat die Politik versucht, das Projekt zu retten. 2017 hatten es der französische Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel – gemeinsam mit Spanien – auf den Weg gebracht. Aber offenbar verhärteten sich die Fronten zwischen den beteiligten Flugzeugbauern Airbus und Dassault so sehr, dass Merz nun den Stecker zog.
Die Details sind vielschichtig (mehr dazu hier ). Fatal ist das Ganze für die meisten Beobachter weniger aus militärischer denn aus politischer Sicht. Das Scheitern hat auch mit Macrons Schwäche zu tun, der nicht mehr zu einer Wahl antreten wird. Merz hat das Thema geerbt. Er trägt dennoch Mitverantwortung dafür, dass die beiden wichtigsten Länder Europas keinen gemeinsamen Kampfjet bauen können, während Amerika immer unzuverlässiger und Russland immer aggressiver wird.
Und dennoch konnte sich Merz kaum anders entscheiden, schreibt mein Kollege Paul-Anton Krüger aus unserem Hauptstadtbüro. Dassault wollte die alleinige Führung bei dem Projekt. Hätte Merz nachgegeben, so Paul-Anton, »wäre Airbus zum bloßen Zulieferer degradiert worden«.
Doch oft, wenn etwas endet, entsteht auch etwas Neues: Eine Gruppe von deutschen Unternehmen um Airbus will nun selbst einen neuen Kampfjet der sechsten Generation entwickeln (mehr dazu hier). Ihr Name: »Team Gen 6«.
Mehr Hintergründe hier: Warum Merz beim FCAS-Aus richtig entschieden hat
Das Paket wird wohl zum Päckchen
Erinnern Sie sich noch an den »Herbst der Reformen«? Da ging es um Neuerungen bei der Rente, Pflege, Bürgergeld, Wehrpflicht. Einiges wurde angestoßen, vieles blieb unvollendet – oder ging direkt in den Sommer der Reformen über.
Bedürftige ältere Menschen bei einer Tafel in Wiesbaden: Das System ist überlastet, die Menschen sind es offenbar auch
Foto: A3471 Boris Roessler/ picture alliance / dpaDer ist jetzt. Es geht um bekannte große Themen: Rente, Pflege, Einkommensteuer, Bürokratieabbau. Am Abend trifft sich die Regierung Merz zu einem Gipfel mit Arbeitgebern und Gewerkschaftern. Es geht um die Reformpläne der Regierung. Ein Meinungsaustausch, wie es heißt, denn nicht von überall fliegen einem die Herzen zu, wenn man übers Kürzen und Sparen sprechen muss. So dient das Treffen mit den Sozialpartnern denn auch dazu, die Stimmung aufzuhellen. Und sie nebenbei »auch mit in die Verantwortung zu nehmen«, sagt mein Kollege Christian Teevs, der für uns die Christdemokraten beobachtet – und die Reformfortschritte.
Gestern Abend wurde stimmungsmäßig schon ein wenig geübt, auf der traditionellen Spargelfahrt des konservativen »Seeheimer Kreises« auf dem Tegeler See bei Berlin. Mit an Bord waren nicht nur CSU-Chef Marcus Söder, Außenminister Johann Wadephul und CDU-General Carsten Linnemann, sondern auch Gewerkschafter Michael Vassiliadis sowie den Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes BDA, Steffen Kampeter (mehr über den Ausflug lesen Sie in diesem Stück von Christian Teevs, Sebastian Fischer und Andreas Niesmann).
Viel Zeit bleibt nicht für das Reformpaket. Bis zur Sommerpause, so legte es der Bundeskanzler fest, sollten die wesentlichen Entscheidungen gefällt werden. Warum dieser Zeitdruck, fragt etwa der Bremer Bürgermeister und Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte (mehr hier ).
Mehr Hintergründe zu den schwarz-roten Reformen: »An der Baustelle Deutschland arbeiten« – Aber wie? Und in welchem Tempo?
Kaum Sprit auf der Krim
Auf der Krim geht das Benzin aus. Der Statthalter Moskaus auf der von Russland besetzten ukrainischen Halbinsel erklärte, dass der Verkauf von Treibstoff für einige Tage eingestellt werde. Die Ukraine setzt offenbar immer erfolgreicher KI-gesteuerte Drohnen auf bewegliche Ziele an. Sie treffen den Güterverkehr auf einer zentralen Versorgungsroute zwischen der russischen Grenzregion und der besetzten Halbinsel.
Tankstelle in Semferopol auf der Krim: Wo gibt es noch Benzin?
Foto: Sergei Malgavko / ITAR-TASS / IMAGODas Ergebnis: lange Schlangen vor Tankstellen, viel Austausch in den sozialen Netzwerken darüber, wo es vielleicht noch was gibt. Und russische Touristen, die nicht mehr wegkommen. Aber auch anderswo gibt es offenbar Versorgungsengpässe. Betroffen sind ebenfalls die Regionen Belgorod, Kursk und Leningrad, zum Teil auch Moskau, wie die SPIEGEL-Redakteure Anastasia Trenkler und Alexander Chernychev schreiben.
Noch vor wenigen Tagen inszenierte sich Russlands Machthaber Wladimir Putin auf seinem Petersburger Wirtschaftsforum als souveräner, unbeeindruckter Macher mit exzellenten Wirtschaftszahlen. Der von ihm angezettelte Krieg gegen die Ukraine? Kein Thema. Dafür Einblicke in Putins Weltbild: Die Zeit des Westens sei vorbei, Russland und China gestalteten die neue Ordnung.
Auf der Krim aber erst einmal ohne Sprit.
Die ganze Geschichte hier: Putins Blamage auf der Krim
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Verlierer des Tages…
…sind die New York Knicks.
US-Präsident Trump beim NBA-Spiel: Buhrufe als angebliche Jubelrufe deklariert
Foto: Saul Loeb / AFPAlle sprechen natürlich wieder nur über US-Präsident Donald Trump, der beim NBA-Finalspiel der Mannschaft gegen die San Antonio Spurs im Madison Square Garden von den Fans ausgebuht wurde. Er deklarierte die Proteste später als angebliche Jubelrufe. Aber kaum jemand spricht über die New York Knicks. Sie kassierten im dritten Spiel der Finalserie ihre erste Niederlage. Es ist die erste NBA-Finalteilnahme des Teams seit 1999.
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
US-Militär greift Ziele im Süden Irans an – Teheran reagiert offenbar mit Attacken in Golfregion: Donald Trump macht das Regime in Teheran für den Verlust eines US-Kampfhubschraubers verantwortlich. Er wollte Vergeltung. Jetzt meldet das amerikanische Militär neue Attacken. Iran verkündet Gegenschläge auf US-Ziele.
Fast 600 bestätigte Ebolafälle in DR Kongo: Die Zahl der Ebolainfizierten in Zentralafrika steigt weiter, mehr als hundert Menschen sind bereits gestorben. Um Infektionen bei der Fußball-WM zu verhindern, fordern die USA Einreisebeschränkungen in Europa.
Rassistische Ausschreitungen nach Messerangriff in Belfast eskalieren: Mitten auf einer Straße in Belfast traktiert ein Messerangreifer sein blutendes Opfer, ein Video der Tat wird vielfach geteilt. Nun kam es in britischen Städten zu Demonstrationen – angefacht von Rechtsextremen.
Heute bei SPIEGEL Extra: Der Babyboomer-Effekt – wo die Hauspreise bald sinken könnten
[M] Kamila Ramezani / DER SPIEGEL; Fotos: Oliver Helbig / Getty Images; 10'000 Hours / Getty Images
Wenn die Gesellschaft altert und die Bevölkerung schrumpft, dürften viele Immobilien bald günstig zu haben sein. Hier erfahren Sie, welche Regionen zum Schnäppchen werden und wo die Preise weiter steigen .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihre Özlem Topçu, Leiterin des SPIEGEL-Auslandsressorts
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes wurde Steffen Kampeter als Arbeitgeberpräsident bezeichnet. Tatsächlich ist er Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Wir haben den Fehler korrigiert.