Tag eins nach der vermurksten Kandidatenkür der SPD – auf dem Juso-Bundeskongress in Halle ist Erleichterung zu spüren – endlich Klarheit in der K-Frage, auch wenn nicht alle Jungsozialisten begeistert sind von der Entscheidung.
Jetzt sollen wieder die Inhalte im Vordergrund stehen, so der Bundesvorsitzende Philip Türmer. Die Jusos müssten nun dafür sorgen, dass möglichst viele linke Positionen eine Rolle spielen. Dann werde man auch den harten Winterwahlkampf durchstehen.
Umfrage:
»Boris Pistorius ist eine sehr selbstbewusste Person. Und deswegen denke ich, wäre er persönlich der bessere Kanzlerkandidat gewesen. Einfach auch, weil er mehr Rückhalt hat von den Bürgerinnen und Bürgern, auch als Verteidigungsminister.«
»Ich will gerne sagen, dass die Partei sich dieses ganze Hin und Her im Kommunikativen der letzten Wochen hätte sparen müssen. Nicht nur können, weil das war tatsächlich ziemlich unwürdig.«
»Ich fand es vor allem traurig, dass es eine Entscheidung war, die nicht mit der Basis abgesprochen wurde. Also meine Empfindung war, es gab keinen Entscheidungsprozess, wie ich ihn mir gewünscht hätte, im Austausch mit verschiedenen Gremien der Partei, auch mit uns persönlich.«
Philipp Türmer, Juso-Vorsitzender:
»Ich bin bereit, in der Kälte die Flyer zu verteilen vor der S-Bahnstation und bei Minustemperaturen die Kabelbinder um die Plakate zu machen. Aber dafür brauche ich euch an meiner Seite. Denn wir wissen gemeinsam, für was wir kämpfen: für unsere Grundüberzeugungen, die viel stärker sind als jede Person und für die wir jetzt gerade zusammenstehen müssen.«
Ein ungeliebter Kandidat mit niedrigen Umfragewerten, dazu der Wahlkampf bei ungemütlichen Temperaturen: Die Motivation der Basis war schon mal größer.
Umfrage:
»Ja, das ist ein bisschen schwierig. Wir wollen natürlich, dass wir auch die Themen, die wir haben, jetzt durchsetzen können. Und wenn das in dieser Regierung schon nicht so ganz geklappt hat, dann fehlt da, glaube ich, bei einigen Leuten bei den Jusos die Lust.«
»Wir haben ja auch schon vor drei Jahren Wahlkampf für Olaf Scholz gemacht. Und ich glaube, da hat sich da inhaltlich wenig verändert. Von daher ist unsere Stimmung die gleiche. Wir gehen natürlich trotzdem in den Wahlkampf.«
»Wenn der Wahlkampf hart wird, müssen wir uns damit auch auseinandersetzen. Es ist, wie es ist. Und je härter der Wahlkampf, desto süßer der Sieg.«
Bewundernswerter Optimismus – und dennoch: Eine erneute Aufholjagd des Kandidaten Olaf Scholz? So weit will dann doch keiner gehen.