Berlin-Mitte am Samstagnachmittag. Mehrere Tausend Menschen haben sich versammelt, um für die Menschen in Gaza und gegen die Angriffe der israelischen Armee zu demonstrieren. Die Demonstration findet unter strengen Auflagen statt. Mit dabei ist auch Levi Salomon, Gründer des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus. Seit 15 Jahren beobachtet und dokumentiert er unter anderem propalästinensische Veranstaltungen – so auch heute: Salomon wird schließlich von einem Demonstrationsteilnehmer angesprochen. Es entwickelt sich ein Dialog.
Levi Salomon, Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus:
»Am 7. Oktober hat die Hamas uns überfallen, Israel. Die Menschen wurden ermordet, die Frauen wurden vergewaltigt. Eine große Festival-Gruppe, über 200 Menschen wurden gekidnappt. Und so weiter und so fort. Wo sind die Verurteilungen dieser Taten? Oder Sie sehen die Hamas als eine Befreiungsarmee?«
Demonstrant:
»Meiner Meinung nach ist Gewalt auf jeden Fall verboten - von allen Seiten. Ich stehe nicht auf Hamas-Seite, ich stehe auch nicht auf der israelischen politischen Seite. Aktuell aus dem Grund, was Israel aktuell in Gaza macht: Kinder erschießen, ermorden, gezielte Krankenhäuser ermorden. Und das hat nicht mit ein paar Hamas - keine Ahnung, irgendwelchen Soldaten - zu tun.«
Levi Salomon, Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus:
»Wir werden uns wahrscheinlich einig in einer Sache: Dass die Palästinenser Leidtragende sind in diesem Konflikt. Die tragen dieses große, große Leid. Und dieses Leid der Palästinenser tut uns auch weh. Glauben Sie mir. Aber das ist das Problem mit Wehtun: Danach muss man nachdenken, breit nachdenken. Was kann man machen? Und dazu gehört auch: Der palästinensischen Bevölkerung tun auch die Taten von Hamas weh.«
Demonstrant:
»Ich sehe gerade, dass sie mich irgendwie in eine Richtung drängen, dass ich irgendwie für Hamas spreche, wo ich aber voll dagegen bin eigentlich. Ich bin voll gegen Hamas. Das müssen Sie verstehen, das muss Deutschland auch. Lassen Sie mich zu Ende reden. Bitte unterbrechen Sie mich nicht. Sie versuchen, dass ich sage: ja, Hamas hat recht. Hamas verteidigt sich. Das wollen Sie hören. Das kriegen Sie aber nicht von mir. Die Palästinenser haben genau das Recht, genau wie Israel, sich zu verteidigen. Das steht! Es gibt... sonst sind Sie unfair. Sonst sind wir einseitig. Und das finde ich nicht fair.«
Es ist nur eine kleine Szene, die aber zeigt: Es ist möglich, miteinander zu reden, trotz unterschiedlicher Positionen und Beurteilung des Konflikts. Das allerdings ist angesichts der Ereignisse in Nahost derzeit eher die Ausnahme als die Regel.