Streit mit der Bundesspitze Drei Abgeordnete verlassen Thüringer BSW-Fraktion
Thüringens Landeschefin Katja Wolf und BSW-Parteigründerin Sahra Wagenknecht, 2025
Foto:Martin Schutt / dpa
Drei Thüringer BSW-Abgeordnete verlassen Partei und Fraktion. Das gab die Fraktionschefin Sigrid Hupach im Landtag bekannt. Mit den Austritten von Stefan Wogawa, Dirk Hoffmeister und Roberto Kobelt schrumpft die Fraktion der mitregierenden Partei von 15 auf 12 Mitglieder.
Die Landesregierung von CDU, SPD und BSW unter Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) verfügt ohnehin über keine eigene Mehrheit und ist auf Unterstützung der Linken angewiesen. Mit den nun erfolgten Austritten wird aus der Patt-Regierung in Erfurt eine echte Minderheitsregierung, die theoretisch im Parlament von der Opposition überstimmt werden kann.
Die drei abtrünnigen Abgeordneten wollen ihre Mandate behalten. Nach Angaben von Dirk Hoffmeister haben sie eine neue Partei gegründet mit dem Namen »Deine Stimme zählt«.
Wogawa, der in der BSW-Fraktion Parlamentarischer Geschäftsführer war, begründete seinen Austritt mit dem Kurs der Parteispitze um Parteigründerin Sahra Wagenknecht. »Die permanenten destruktiven Eingriffe aus dem Bundesvorstand sind unerträglich. Unsere Arbeit wird mit Dreck beworfen und unter Generalverdacht gestellt«, sagte Wogawa der »Welt« . Wagenknechts Kurs setze nicht mehr auf konstruktive Politik, sondern darauf, »am lautesten und populistischsten zu schreien«. »Damit kann man weder im Land noch im Bund das Leben der Menschen verbessern«, sagte der 59-Jährige.
Stefan Wogawa, Dirk Hoffmeister und Roberto Kobelt
Foto: Martin Schutt / dpaDie Austritte verschärfen den offenen Streit zwischen dem BSW in Thüringen und der Bundespartei. Wagenknecht hatte angekündigt, das BSW werde den AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, im dritten Wahlgang durch Enthaltung nicht daran hindern, Ministerpräsident zu werden. Die BSW-Landeschefin und Thüringens Finanzministerin Katja Wolf positionierte sich gegen ein solches Szenario. »Ich warne davor, dass meine Partei einer AfD leichtfertig zur Macht verhilft. Für das BSW kann es keine Verbrüderung mit der AfD geben«, sagte Wolf.
Wolf wandte sich außerdem gegen Wagenknechts Forderung, die Landesregierung in Thüringen aufzulösen und eine Expertenregierung mit wechselnden Mehrheiten zu wählen. Wagenknecht benutze »das politische Schicksal Thüringens, um Wahlkampfpunkte für Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zu sammeln«, sagte Wolf.
Thüringens BSW-Fraktion trotzt der Parteiführung und bleibt in der Regierung mit der CDU – eine offene Rebellion gegen Sahra Wagenknecht. Mehr über die Frage, ob das BSW jetzt zerbröselt, lesen Sie hier.