Hausmitteilung Titel, Ukraine, Reiseforschung, Missbrauch
Titel
Julia Gaes / DER SPIEGEL
Als vor einem Jahr der Prozess gegen die Hamburger Unternehmerin Christina Block begann, wussten Reporterin Julia Jüttner und Redakteur Christopher Piltz sogleich, dass es ein besonderes Verfahren werden würde. Block soll die Entführung ihrer eigenen Kinder beauftragt haben. Mit auf der Anklagebank sitzt neben anderen ihr Partner, der ehemalige Sportmoderator Gerhard Delling. Ein Mann fehlte, und doch war er oft präsent – Eugen Block, Gründer der Steakhauskette Block House, Multimillionär und Oberhaupt der Block-Familie. Bis heute lenkt er das Unternehmen, doch über eines hat er die Kontrolle verloren: seine Familie. Mehrere Monate recherchierten Jüttner und Piltz im Umfeld der Familie Block, sie sprachen mit Dutzenden Personen. »Eugen Block ist ein Macher, der großherzig sein kann – doch gegenüber seinen eigenen Kindern tritt er besonders hart auf«, sagen die Autoren.
Ukraine
Svet Jacqueline
Allzu viele Demonstrierende waren es gar nicht, die SPIEGEL-Redakteur Georg Fahrion in der vergangenen Woche Abend für Abend in der Innenstadt von Kyjiw demonstrieren sah: sicher mehrere Tausend, aber noch keine Massenbewegung. Sie forderten die Entlassung des Oberbefehlshabers der ukrainischen Streitkräfte im Land. Doch seit der Revolution auf dem Maidan kann es sich kein Mächtiger in der Ukraine mehr leisten, den Willen der Straße zu ignorieren, denn 2014 fegten die Aufstände den damaligen Staatschef aus dem Amt. Präsident Wolodymyr Selenskyj sah sich genötigt, ihm zu entsprechen. »Der neue Armeechef steht für eine moderne Kriegführung und dürfte auch bei den westlichen Partnern gut ankommen«, sagt Fahrion. Das Selbstbewusstsein der Demonstrierenden habe ihn erstaunt. »Praktisch keiner von ihnen schien daran zu zweifeln, dass sie sich durchsetzen werden«, so Fahrion, der die Proteste in Kyjiw seit dem ersten Tag begleitete und die Vorgänge gemeinsam mit seinem Kollegen Christian Esch analysiert hat.
Reiseforschung
Silja Vocks
Reisen kann das Leben verändern – aber warum ist das so? Das wollte SPIEGEL-Autor Olaf Stampf herausfinden. Menschen berichteten ihm, wie ausschlaggebend das Unterwegssein für sie ist. Eine Psychologin erklärte, warum Reisen eine therapeutische Wirkung haben kann. Stampf sprach mit einem Biologen, der in der Sehnsucht nach neuen Orten ein uraltes Erbe der Evolution sieht. Am Ufer der Limmat in Zürich traf Stampf den Schweizer Lukas Marchesi, der ihm seine ungewöhnliche Geschichte erzählte. »Marchesi ist ein lebensfroher Mensch, aber das war nicht immer so«, sagt Stampf, »ein Flug nach Australien hat ihm vermutlich das Leben gerettet.« Nach dem Interview stiegen sie gemeinsam in den Fluss und kühlten ihre Füße. Reiselust ist auch dem Autor selbst nicht fremd: Nachdem er die Geschichte fertig produziert hatte, machte Stampf Urlaub in Paris.
Missbrauch
Dan Petermann / DER SPIEGEL
Ohne Familie, Partner und Freunde hätte sie das alles nicht durchgestanden, erzählt Pia, 21 Jahre. Die junge Frau ist eine von 17 Patientinnen, die in einer Rostocker Physiotherapiepraxis sexualisierte Gewalt erlebt haben. Pia hat den Täter angezeigt, er sitzt im Gefängnis. Doch das ist die Ausnahme. Nur etwa drei Prozent der Fälle sexualisierter Gewalt gegen Frauen werden in Deutschland angezeigt. Wie kann das sein? SPIEGEL-Redakteurin Julia Köppe hat mit Betroffenen gesprochen, mit Fachleuten aus dem Bereich Opferschutz und Studien zu dem Thema ausgewertet. »Jede Tat ist anders«, so Köppe, »aber oft sind es dieselben Mechanismen, die Täter schützen: Angst, eine falsche Vorstellung dessen, was eine vermeintlich echte Vergewaltigung ist, und zu wenig Wissen darüber, welche Hilfen es gibt.«