Hausmitteilung Titel, Ultrarechte, Krieg im All, S-Mag
Titel
Maria Feck / DER SPIEGEL
Stirbt das »Sie« aus? Wird im Deutschen bald durch alle Altersklassen und Hierarchien nur noch geduzt? Und sorgt die klassenlos wirkende Anrede »Du« tatsächlich für mehr Gleichheit im Land? Mehr Nähe? Für die Titelgeschichte machte sich SPIEGEL-Autor Sebastian Hammelehle auf eine Recherche zu veränderten Sprachgewohnheiten. Was geschieht dadurch in der Gesellschaft? Wie kommt das weitverbreitete Duzen in Stellenanzeigen bei Bewerberinnen und Bewerbern an? Er traf eine Deutschlehrerin, diskutierte mit Sprach- und Gesellschaftswissenschaftlern, befragte zwei Freunde, Benjamin Bartz und Robert Eberhardt, die sich – aus gutem Grund – nicht einmal privat duzen. In Göttingen erklärten ihm Zuwanderer, die Deutsch als Fremdsprache lernen, dass das Siezen unkomplizierter sei als das Duzen, weil es nicht konjugiert werden muss. »Ich duze gern«, sagt Hamme-lehle, »umso mehr überraschte mich, dass wir, wollten wir einfacher kommunizieren, uns eigentlich siezen müssten.«
Ultrarechte
Andrew Mangum / DER SPIEGEL
Vor fast sieben Jahren, im November 2019, traf SPIEGEL-Reporterin Alexandra Berlin in Washington, D. C., erstmals mit Adrianne Black zusammen. In einer rechtsextremen Familie aufgewachsen, hatte Black damals gerade mit der Bewegung der amerikanischen Rechten gebrochen und warnte nun öffentlich vor US-Präsident Donald Trump. Vor zwei Jahren las die Reporterin, dass Black sich inzwischen als trans geoutet hatte. Für Berlin, wie auch für viele von Blacks Freunden, kam das überraschend. Anfang des Jahres trafen sich Black und Berlin wieder und sprachen über Blacks persönlichen Weg und darüber, wie es sich anfühlt, heute in den USA trans zu sein. In manchen Bundesstaaten würde Black indessen keine Hormontherapie mehr erhalten und müsste Strafen fürchten, wenn sie die vermeintlich falsche Toilette benutzt. »Politisch sind die Zeiten für trans Menschen in Trumps Amerika hart«, sagt Berlin. »Aber persönlich wirkt Black glücklicher, als hätte sie ihren Platz im Leben gefunden.«
Krieg im All
Jennifer Heyn
Der Weltraum ist zur Frontlinie geworden. Bundeswehrsoldaten überwachen rund um die Uhr die Bahnen russischer und chinesischer Satelliten – und wünschen sich manchmal, es wäre langweiliger. Bis 2030 will Verteidigungsminister Boris Pistorius rund 35 Milliarden Euro in die Satellitentechnologie investieren; und Airbus ist entschlossen, mit Rheinmetall und OHB, den größten Raumfahrtauftrag der deutschen Geschichte zu ergattern: 100 Kommunikationssatelliten für die Bundeswehr. Deshalb reiste SPIEGEL-Reporter Christoph Seidler – hier mit dem Kommandeur des Weltraumkommandos der Bundeswehr, Generalmajor Michael Traut – auch nach Immenstaad am Bodensee. Dort baut Airbus Satelliten des europäischen »Galileo«-Navigationssystems. Mit Matthias Gebauer, Marc Hasse und Martin Hesse beschreibt Seidler den Krieg im All, Niklas Marienhagen gestaltete die anschaulichen Grafiken. »Der Weltraum war ein Ort der Wunder und wissenschaftlichen Neugier«, sagt Seidler. »Mit der neuen Kriegsführung ist die Unschuld vorbei.«
S-Mag
Die Weltlage überfordert viele, Ängste und düstere Zukunftsbilder zehren an uns. Wie damit umgehen? »Durchhalten!« ist das Titelthema des neuen S-Magazins, das dieser Ausgabe beiliegt. Aber ist Durchhalten wirklich die richtige Antwort? »Wer immer nur ziellos durchhält, beschädigt nicht nur Seele und Körper, er oder sie verliert auch die Orientierung«, warnt die Philosophin Rebekka Reinhard und plädiert für ein bewusstes »Dabeibleiben«. Wie das gelingen kann, erzählen die französische Modemacherin Agnès Troublé, die seit fünf Jahrzehnten ihr Unternehmen agnès b. führt, sowie der Marathon-Europameister Richard Ringer und Evelyn Palla, die als Chefin der Deutschen Bahn mit einem der schwierigsten deutschen Langzeitprojekte betraut wurde. Sie sagt: »Dranbleiben lohnt sich. Aus eigener Kraft etwas zu erreichen, gibt Selbstvertrauen.« Wenn Kleidungsstücke durchhalten, ist das ein gutes Signal gegen Fast-Fashion-Schnelllebigkeit. Darum zeigt die Stilbeilage des SPIEGEL ausschließlich Vintage-Mode auf den Straßen von Paris.