Luka Malić, Jahrgang 2008:
»Ich finde es eigentlich ganz gut, dass wenigstens die Musterung Pflicht ist.«
Jarmo Madee, Jahrgang 2008:
»Klar ist mit dem Gang zur Musterung nicht gleich die ganze Wehrpflicht eben auch besiegelt. Aber ich finde, das ist der erste Schritt dahin.«
Andreas Landberg, SPIEGEL:
»Hier hinter mir sind ein paar der Jungs, die nach den Plänen der Bundesregierung als erstes wieder zur Musterung müssen. Jahrgang 2008, hier beim Fußballtraining in Hamburg. Denn Union und SPD haben entschieden: Wer ab dem 1.1.2008 geboren ist, für den ist die Musterung bei der Bundeswehr wieder Pflicht. Zum Wehrdienst müssen die Jungs noch nicht, solange sich genug Freiwillige melden. Wir wollen von ihnen wissen: Was denken sie darüber?«
Oscar Hiddemann, Jahrgang 2008:
»Finde ich erst mal nicht allzu schlimm, weil das ja nicht direkt etwas bedeutet, dass wir sozusagen zur Bundeswehr gehen müssen.«
Finley Dresemeyer, Jahrgang 2008:
»Ich finde es eigentlich nicht schlecht, dass es eine Musterung geben wird, vor allem weil ich viel von meinem Vater darüber gehört habe, weil er selber zur Bundeswehr gegangen ist und er nur Gutes davon eigentlich erzählt hat.«
Armando Dragomir, Jahrgang 2008:
»Was ich auch relativ komisch finde, dass es nur für die Jungs so ist, oder für die Männer.«
Luke Nöcker, Jahrgang 2008:
»Gegen die Musterung habe ich jetzt nicht viel, solange das alles freiwillig bleibt, finde ich das voll in Ordnung.«
Andreas Landberg, SPIEGEL:
»Würdest du freiwillig gehen zur Bundeswehr?«
Oscar Hiddemann, Jahrgang 2008:
»Nein, ich würde nicht freiwillig zur Bundeswehr gehen, weil ich selber nicht mein Leben, meinen Alltag, den ich hier gerade am Laufen habe sozusagen für diese Zeit aufgeben will und weil ich einfach nicht im Notfall dann kämpfen will, weil ich dieser Gewalt und dieser Gefahr sozusagen nicht ausgesetzt sein will.«
Armando Dragomir, Jahrgang 2008:
»Ich aber tatsächlich habe jetzt erst mal andere Pläne.«
Finley Dresemeyer, Jahrgang 2008:
»Ich würde mich nicht freiwillig melden. Ich denke also, ich mache mein Abi in zwei Jahren und ich weiß noch nicht genau, was ich danach mit meinem Leben anfangen möchte und möchte mir das auch noch ein bisschen offenhalten.«
Luka Malić, Jahrgang 2008:
»Ich mache mein Abi und habe danach Pläne, Studiengang und meine Ziele zu verfolgen. Von daher ist das eigentlich nicht vorgesehen.«
Andreas Landberg, SPIEGEL:
»Losgehen soll es mit den verpflichtenden Musterungen Mitte 2027. Und in den nächsten zehn Jahren soll sich die Bundeswehr personell stark vergrößern, auf 255.000 bis 270.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. Aktuell sind es viel weniger, nur gut 180.000. Trotzdem soll das ohne allgemeine Wehrpflicht funktionieren. Aber melden sich in einem Jahr nicht genug Freiwillige, dann könnte es auch dazu kommen, dass weitere junge Männer verpflichtend eingezogen werden. Wie das genau passiert, das ist noch nicht klar. Aber dann könnten eben auch welche von den Jungs, die sich nicht freiwillig gemeldet haben, trotzdem aufgefordert werden, ihren Wehrdienst anzutreten.«
Finley Dresemeyer, Jahrgang 2008:
»Ich finde, das wäre nur verständlich, würde ich sogar sagen. Ich meine, wenn es zu wenige gibt.«
Jarmo Madee, Jahrgang 2008:
»Wir Jugendlichen müssen da ganz klar sagen, dass wir in unserer Freiheit nicht so eingeschränkt werden dürfen.«
Armando Dragomir, Jahrgang 2008:
»Das ist echt schon schockierend, dass teilweise Jugendliche zu etwas gezwungen werden, was sie vielleicht auch gar nicht wollen oder was gar nicht in deren Entscheidung steht. Dann würde das mir schon Angst bereiten, dass ich vielleicht in den Krieg ziehen muss, so radikal es sich auch anhört.
Oscar Hiddemann, Jahrgang 2008:
»Eine Sache, die ich nicht ganz verstehen kann, ist, dass die jetzt mit den Jüngsten anfangen, also mit unserem Jahrgang, da ich gerade glaube, wenn es dann zur Ernstlage kommen würde und Leute eingezogen werden müssen in den Krieg, dass gerade die Jüngeren beziehungsweise wir, die Jüngsten, sowohl körperlich als auch mental vielleicht nicht gerade in der Lage dazu sind, direkt so einem großen Druck ausgesetzt zu sein.«
Wer dann eingezogen wird, darf allerdings immer noch den Kriegsdienst verweigern. So steht es im Grundgesetz, Artikel 4, Absatz 3: »Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.« Was würden die jungen Fußballer machen, sollten sie nach der Musterung eingezogen werden, ohne sich selbst gemeldet zu haben?
Luka Malić, Jahrgang 2008:
»Ich denke, ich würde hingehen, auch wenn es nicht geplant ist, glaube ich trotzdem, dass man auch seine Vorteile daraus ziehen kann.«
Finley Dresemeyer, Jahrgang 2008:
»Ich würde dann eher sogar die Wehrpflicht in Betracht ziehen, vor allem wegen den Sachen, die mein Vater gesagt hat, dass es Disziplin gelehrt hat und dass es vielleicht dann auch für mich ein wichtiger Schritt in meinem Leben sein könnte. Aber ich habe natürlich auch Angst davor, dass etwas passieren könnte. Aber ja, ich würde dann trotzdem in die Wehpflicht gehen, denke ich.«
Luke Nöcker, Jahrgang 2008:
»Ja, ich würde wahrscheinlich nicht hingehen oder ich würde versuchen, irgendwie da rauszukommen.«
Oscar Hiddemann, Jahrgang 2008:
»Zur Bundeswehr zu gehen und dann diesem Druck ausgesetzt zu sein, dass man, sage ich mal, für sein Land kämpfen muss, töten muss, finde ich schon ziemlich krass die Vorstellung und deshalb könnte ich mir das nicht vorstellen.«
Jarmo Madee, Jahrgang 2008:
»Ich würde es aber gut finden, wenn man als Alternative zum Beispiel den Sozialdienst dann eben verpflichtend macht, dass man selber dann schon irgendwo noch die Entscheidung hat, dass man sich entscheiden kann, okay, ich gehe in die Wehrpflicht oder ich geh in den Sozialdienst und leiste da eben meinen Beitrag für die Gesellschaft. Das würde ich auf jeden Fall gut finden, wenn jeder Jugendliche da in Deutschland seinen Beitrag zur Gesellschaft leisten würde.«