Stark Defense: Juristin aus dem Kanzleramt wechselt zu Start-up für Kamikazedrohnen - DER SPIEGEL
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Neuer Job für Regierungsberaterin Juristin aus dem Kanzleramt wechselt zu Start-up für Kamikazedrohnen

Seit einigen Jahren macht Marie Theres Niedermaier Karriere in der Bundesregierung, erst im Finanzressort, dann im Kanzleramt. Nun geht die Juristin zu Stark Defense, einem Newcomer der boomenden Rüstungsindustrie.
Bundeskanzleramt in Berlin: Aus der Regierungszentrale ins Rüstungsunternehmen
Bundeskanzleramt in Berlin: Aus der Regierungszentrale ins Rüstungsunternehmen

Bundeskanzleramt in Berlin: Aus der Regierungszentrale ins Rüstungsunternehmen

Foto: Christoph Soeder/ DPA

Das Berliner Rüstungs-Start-up Stark Defense verstärkt sich personell mit einer Einwechslung aus Friedrich Merz’ Regierungszentrale, dem Bundeskanzleramt. Nach SPIEGEL-Informationen will die Juristin Marie Theres Niedermaier aus der Politik zu dem rasant wachsenden Produzenten von sogenannten Kamikazedrohnen wechseln, der gerade erst einen Großauftrag der Bundeswehr an Land gezogen hat.

Intern hat die Juristin den Schritt bereits angekündigt, aber wohl noch nicht offiziell gekündigt. Niedermaier selbst wollte sich zu dem bevorstehenden Karriereschritt nicht äußern. Das Unternehmen wollte die Personalie auf Anfrage »zu diesem Zeitpunkt nicht kommentieren«. Auch das Bundeskanzleramt lehnte eine Stellungnahme ab, da man Personalangelegenheiten grundsätzlich nicht kommentiere.

Die in der alten und und neuen Bundesregierung vernetzte Niedermaier ist derzeit als Referentin in der Abteilung von Levin Holle tätig, die sich mit Wirtschafts- und Finanzpolitik befasst und für die Merz-Regierung die internationalen G7- und G20-Gipfel vorbereitet.

Davor arbeitete sie unter Christian Lindner im Finanzressort, im Sommer 2023 wechselte sie als persönliche Referentin von Wirtschaftsberater Jörg Kukies ins Kanzleramt. Als Kukies nach dem Rausschmiss von Lindner im Spätherbst 2024 auch die Rolle des Finanzministers übernahm, wechselte Niedermeier zurück ins Finanzressort. Seit Herbst 2025 ist sie wieder im Kanzleramt. Ihre Karriere startete sie einst als Anwältin in einer Großkanzlei.

Mit ihrer neuen Tätigkeit hatte Niedermaier indes schon früher Berührungspunkte. Als Referentin für Finanzpolitik im Finanzministerium war sie dort unter anderem mit dem Thema Risikokapital für Start-ups befasst und der »European Tech Champions«-Initiative, die bei der Wachstumsfinanzierung junger Techunternehmen aus Europa helfen soll.

Vor dem letzten Regierungswechsel hatte Niedermaier eng mit Interimsfinanzminster Jörg Kukies zusammengearbeitet, ihrem bisher »coolsten, nettesten und beeindruckendsten Chef«, wie sie in einem Abschiedspost beim Businessnetzwerk LinkedIn schrieb. Auch öffentliche Auftritte zu ihren Themen hat die Juristin bereits absolviert, etwa bei der Digitalkonferenz re:publica in Berlin.

Stark Defence wurde erst Anfang 2024 von den ehemaligen Bundeswehroffizieren Florian Seibel und Sven Kruck gegründet und gehört zu den drei Unternehmen, welche die Bundeswehr jüngst mit ihrer Grundausstattung an »Loitering Munition«-Systemen mittlerer Reichweite beauftragt hat. Stark hat in diesem Segment aktuell die Kamikazedrohne Virtus im Angebot, die senkrecht starten kann und die nach Unternehmensangaben eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern hat und fünf Kilo Sprengstoff ins jeweilige Ziel tragen können soll.

Aktueller Geschäftsführer des Rüstungs-Start-ups, das nach seiner jüngsten Finanzierungsrunde auf eine Bewertung von mehr als einer Milliarde Euro kommt, ist Uwe Horstmann – auch er ein Reserveoffizier, sowie Mitgründer und Partner des Berliner Wagniskapitalfonds Project A.

Nicht der erste Wechsel aus der Politik

Bei der jüngsten Vergabeentscheidung hatte insbesondere die Gesellschafterseite des Start-ups für heftige Bedenken gesorgt: So ist der umstrittene US-Wagniskapitalgeber Peter Thiel seit Gründung des Start-ups daran beteiligt. Auch ein Sohn des Axel-Springer-Chefs Mathias Döpfner hält Anteile, er hatte zuvor bei und für Peter Thiel gearbeitet.

Der Haushaltsausschuss hatte die für die Beschaffung vorgesehenen Summen erheblich beschränkt, statt jeweils mehr als zwei Milliarden Euro sollen Stark und die ebenfalls berücksichtigten Kamikazedrohnen-Hersteller Helsing (HX-2) und Rheinmetall (Raider) nun erst einmal für maximal eine Milliarde liefern dürfen.

Bei Stark Defence ist Niedermaier nicht der erste Zugang aus der Politik. Zuvor war bereits der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Arlt (SPD) zu dem Berliner Unternehmen gewechselt. Kritiker hatten damals auf mögliche Interessenkonflikte hingewiesen, da Arlt bis dahin im Verteidigungsausschuss gesessen hatte.

mgb/ rom