Abenteurerin und Feministin Amelia Earhart »Ich habe bei der Landung keine Kuh getötet – es sei denn, eine wäre vor Angst gestorben«
Amelia Earhart: Vor 125 Jahren, am 24. Juli 1897, wurde die US-Flugpionierin und Frauenrechtlerin in Kansas geboren. Die Amerikanerin starb mit nur 39 Jahren, als sie versuchte, als erster Mensch mit einem Flug die Erde entlang des Äquators zu umrunden und im Pazifik abstürzte. Seitdem gibt es viele Mythen um ihren Tod.
Ankunft in Londonderry in Nordirland am 20. Mai 1932: Ihren größten Triumph feierte Earhart, als sie als erste Frau den Atlantik im Alleinflug überquerte. Später sagte sie: »Einige Aspekte des Fluges sind übertrieben dargestellt worden, fürchte ich. Es war viel spannender zu schreiben, ich sei mit den letzten Litern Treibstoff gelandet. Tatsächlich hatte ich noch über 400 (Liter). Und ich habe bei der Landung keine Kuh getötet – es sei denn, eine wäre vor Angst gestorben.«
Porträt mit drei Jahren (r.) mit Schwester Muriel: Geboren in Atchison, Kansas, wuchs Earhart hauptsächlich bei ihren Großeltern auf, ihr Vater war alkoholkrank. Nach der Highschool arbeitete sie als Militärkrankenschwester in Toronto und Sozialarbeiterin und später als Lehrerin in Boston. Mit 23 flog sie zum ersten Mal in einem Flugzeug mit – und der Traum, Pilotin zu werden, begann.
Auf dem Dach des Hyde Park Hotel in London: Earhart hat sich ihren Pilotenschein selbst erarbeitet – mit 28 verschiedenen Jobs. Ihre ersten Flugstunden nahm sie 1921 bei der Pilotin Neta Snook und kaufte sich mit gespartem und geliehenem Geld kurz darauf ihr erstes Flugzeug, einen Zweisitzer mit offenem Cockpit. 1921 stellte sie mit »The Canary« einen Höhenweltrekord für Frauen auf (4300 Meter).
Ankunft der »Friendship« in Burry Port in Wales: International bekannt wurde Earhart im Juni 1928 – als erste Frau, die den Atlantik in einem Nonstop-Flug als Passagierin überquerte, Flieger war Wilmer Stultz. »Ich war nur Gepäck, wie ein Sack Kartoffeln«, sagte sie damals, »vielleicht werde ich es eines Tages allein versuchen.« Stultz starb ein Jahr später, erst 29 Jahre, bei einem Flugzeugabsturz, er soll betrunken gewesen sein.
Earhart mit George P. Putnam: Der New Yorker Verleger war auch ihr Mentor und hatte erst beim sechsten Heiratsantrag Erfolg. Sie heiratete ihn im Februar 1931 »widerstrebend«, wie sie sagte. Sie wollte lieber fliegen, statt Kinder zu bekommen. Die beiden einigten sich auf eine offene Ehe.
Earhart im Cockpit: Schon nach ihrem Rekordflug als Passagierin wurde sie zur »Frau des Jahres« gewählt und zum Idol junger US-amerikanischer Frauen. Sie gab Interviews und hielt Vorträge, um so »die Frauen aus dem Käfig ihres Geschlechts herauszuholen«. Frauen hätten »den Hinweis auf ihr Geschlecht schon viel zu lange als Ausflucht benutzt«. An sie sollten aber keine anderen Maßstäbe angelegt werden als an Männer.
Amelia Earharts Lockheed Vega 5B: Am 20. Mai 1932 wagte sie ihren berühmtesten Flug – die Überquerung des Atlantiks als erste Frau am Steuer. Von Harbor Grace in Neufundland bis nach Paris war der Plan. »Little Red Bus« nannte die Pilotin ihren modifizierten, einmotorigen Hochdecker der Lockheed Aircraft Company. 15 Stunden und 3260 Kilometer nach dem Abheben landete sie in einem Feld bei Londonderry, schlechtes Wetter und technische Probleme stoppten sie vor ihrem Ziel. Heute steht die 8,38 Meter lange Maschine mit einer Flügelspannweite von 12,49 Meter im Air and Space Museum in Washington, D.C.
Herbert C. Hoover and Amelia Earhart (1932): Die Pilotin erhielt von dem damaligen US-Präsidenten die Goldmedaille der National Geographic Society. Drei Jahre zuvor hatte sie zusammen mit drei anderen Pilotinnen den Club der Neunundneunzig (Ninety Nines) gegründet mit dem Ziel, die Stellung der Frau in der Luftfahrt zu stärken. Sie wollten ebenfalls an Luftrennen und Wettflügen teilnehmen. Heute ist der Club mit mehr als 5000 Mitgliedern die größte Pilotinnenvereinigung mit Sektionen in fast allen Ländern der Welt.
Amelia Earhart und Fred Noonan (r.) in Darwin, Australien: Die Pilotin und der Navigator unternahmen 1937 den Versuch, die Welt entlang des Äquators zu umrunden. Sie hatte eine Electra von Lockheed zur Verfügung. In Miami starteten sie am 21. Mai, landeten in Brasilien, Westafrika, Kalkutta und Rangun, bevor sie am 2. Juli in Neuguinea zum Pazifiküberflug abhoben.
Die Titelzeile der »Daily News« vom 2. Juli 1937: »Earhart-Flugzeug auf See verschollen«. Die Pilotin und Noonan steuerten die Howlandinsel an, kamen dort aber nie an. Eine große Suchaktion startete, 64 Flugzeuge und acht Kriegsschiffe kreisten in der Region und überprüften mehr als 400.000 Quadratkilometer Meer. Vermutet wird als Unglücksursache eine Kombination aus fehlerhafter Positionsberechnung und Problemen mit der Funkkommunikation.
Suche nach dem Wrack: Nach dem Verschwinden von Earhart und Noonan wurden viele Szenarien durchgespielt. Bis heute versuchen Forscher und Luftfahrtfans, den Verlauf ihres letzten Fluges zu rekonstruieren. Die Tighar-Stiftung ließ 2012 einen Tauchroboter im Pazifischen Ozean zu Wasser.
Fundstücke: Ric Gillespie, Direktor der The International Group for Historic Aircraft Recovery, zeigt 2007 einen Absatz und ein Plexiglas-Teil. Er fand diese Relikte auf Gardner Island im Südpazifik. Gehörten sie Amelia Earhart? Bisher konnte die Frage nicht geklärt werden.
Riff von Nikumaroro in Kiribati (1937): 2012 gab Gillespie bekannt, dass Analysen des Fotos das Fahrwerk eines Lockheed-Electra-Flugzeugs zeigen würden – wie es Earhart geflogen hat. Die Anomalie am Riff, bei der es sich um ein Wrack handeln könnte, befinde sich links zwischen dem Strand und dem offenen Wasser. Bestätigt werden konnte diese Vermutung nicht.
Verfilmung von Earharts Leben: Hilary Swank spielte im Film »Amelia« (2009) von Mira Nair die Pilotin, Richard Gere ihren Ehemann George Putnam. Die Kritik bei SPIEGEL ONLINE war negativ: »Die rigorose Entschlossenheit, mit der Earhart soziale, kulturelle und politische Grenzen ignorierte, sie wird mit diesen Bildern schlichtweg geleugnet. So bleibt schließlich nur die Katalogversion einer mutmaßlich herausragenden Vita«, schrieb Autor Daniel Haas.