Khao San Road in Bangkok: Same same but different
Sanierung in Bangkok Warum die Khao San Road schon längst verloren ist
Es riecht nach Fritteusenfett, Fleisch und frischer Ananas. Eine alte Frau steht vor ihrem Wok und brät Pad Thai, daneben bietet ein Mann Kokoseis mit Erdnüssen an, das er in ausgehöhlten Kokosnüssen serviert. Ein Stück weiter steht mitten auf der Straße ein Handkarren mit frittierten Insekten. Tuk-Tuks quetschen sich zwischen den Menschenmassen durch.
Am Abend geht es erst richtig los in der legendären Khao San Road, der berühmtesten Backpacker-Straße der Welt: Auf den Tischen vor den Bars stehen "Beertower", kleine Säulen aus Plastik, aus denen man sich sein Bier selbst zapfen kann. Die englischen Schriftzüge auf den Schildern am Straßenrand blinken in Neonfarben, "Pingpong-Show, Pingpong-Shooow" zischt es an den Ecken.
Wer hierher kommt, will es so
Es ist dreckig und laut, und es riecht ein bisschen übel, vor allem morgens, wenn die letzten Feiernden aus den Klubs stolpern und Whisky, den sie vorher Bucket-weise getrunken haben, auf die Straße erbrechen. Für viele junge Reisende beginnt in der Khao San Road ihre erste Backpacking-Erfahrung. Spätestens seit Alex Garlands Roman "The Beach" und der späteren Verfilmung mit Leonardo DiCaprio ist die Straße aber auch bei Menschen bekannt, die selbst noch nie in Thailand waren.
Wer sich hinein begibt, landet gleichzeitig in der touristischsten und chaotischsten Ecke der thailändischen Hauptstadt. Wer hierher kommt, will es so.
Doch schon bald wird es hier wohl anders aussehen: Der Bürgermeister von Bangkok hat angekündigt, die Khao San Road sanieren zu wollen. Laut der "Bangkok Post" sehen die Pläne vor, die Bürgersteige zu ebnen und die Straße mit geflammten Bodenplatten auszulegen, die angeblich weniger rutschig sind. Den Straßenhändlern sollen feste Plätze zugewiesen werden, die aus Sicherheitsgründen mit 60 Zentimeter hohen, rostfreien Geländern von der Straße abgetrennt sein sollen, heißt es.
Insgesamt 240 Stände, die jeweils drei Quadratmeter groß sind, soll es geben. Jeder Verkäufer darf zwei Jahre lang auf der Khao San Road stehen, danach folgen neue Händler. Der Umbau soll am 1. Oktober starten und rund 48 Millionen Baht (umgerechnet rund 1,4 Millionen Euro) kosten.
Khao San Road in Bangkok: Same same but different
Bereits im August vergangenen Jahres hatte die Bangkok Metropolitan Administration (BMA) mit einer großen Aufräumaktion mehr als zweihundert Straßenhändler von der Khao San vertrieben. Sie dürfen seither bei Tag nichts mehr verkaufen. Viele Händler widersetzten sich. Der Vorstoß erfolgte im Rahmen des Mega-Plans, die Hauptstadt moderner und sauberer zu machen. Nach und nach wollen die Behörden die Garküchen aus der ganzen Stadt vertreiben.
Same same but different?
Die aktuellen Umbaupläne klingen nun nach einem weiteren Schritt in Richtung Rundumerneuerung des Straßenbildes: keine klapprigen Handkarren mehr, ein neuer Straßenbelag, die Händler hinter rostfreien Barrieren. Die Atmosphäre wird sich damit verändern. Vielleicht wird es weniger chaotisch, und vielleicht werden die Besucher das Gefühl haben, mit den Thailändern nicht mehr so leicht in Kontakt zu kommen.
Doch wenn man ehrlich ist, hat sich die Khao San Road bereits in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren gewaltig verändert. Was früher einmal echtes Backpacker-Erlebnis war, ist mittlerweile größtenteils nur noch auf das locker sitzende Geld der Touristen ausgelegt. Die Straße hat längst nichts mehr mit thailändischer Authentizität zu tun.
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Die Klubs spielen jede Nacht die gleiche schlechte Musik aus scheppernden Anlagen. Wo früher die Verkäufer hartnäckig versuchten, Plastikbuddhas, Bintang-Shirts oder Schmuck zu verkaufen, schauen viele von ihnen heute gelangweilt auf ihre Smartphones (Das gleiche Bild ergibt sich übrigens in den Gemeinschaftsbereichen der Hostels, den einstigen Treffpunkten der Soloreisenden: Dort entstanden früher Freundschaften, heute gibt es WLAN.)
Gentrifizierung ist normal
Wo einst an den Obstständen die Mangos noch frisch vor den Augen der Käufer aufgeschnitten und klebrig-triefend überreicht wurden, stehen heute die geschälten Scheiben bereits in Plastikbechern bereit. Die Hostels sind inzwischen mehr Klubs als heimelige Unterkünfte, und die Tuk-Tuk-Fahrer versuchen sich in Smalltalk, weil sie erpicht auf das Trinkgeld sind - und nicht aus ehrlichem Interesse.
Wer das echte Bangkok erleben will, geht nicht in die Khao San Road - egal, ob saniert oder nicht. Der fährt auch nicht zum Damnoen Saduak, dem schwimmenden Markt, der auf allen Top-Ten-Bangkok-Listen zu finden ist. Und der betrachtet auch nicht den Sonnenuntergang von der Skybar des Lebua State Towers, wo die Cocktailpreise spätestens seit dem Film "Hangover 2" die europäischen noch übertreffen.
Wer die Stadt so erleben will wie die Einheimischen, der besucht Stadtviertel, die in keinem Reiseführer stehen, und biegt ohne bestimmtes Ziel in die kleinen Gassen ab. Der sucht die stillen und grünen Plätze der Metropole, und der isst dort, wo kein einziger Tourist in der Schlange steht.
Es ist egal, ob sich die Khao San Road verändert. Sie ist bereits nicht mehr dieselbe. Und so wie Marken-Filialen im Hamburger Schanzenviertel Plattenläden und urige Kneipen vertreiben und die Wände von Berlin-Kreuzberg von Graffitis gesäubert werden - so werden vielleicht irgendwann auch die Neonschilder in der Khao San Road abgenommen und "Beertower" und Whisky-Buckets verboten. Dafür wird es dann auch kein Erbrochenes mehr geben und weniger Plastik.
Vor Gentrifizierung ist keine Stadt gefeit. Auch Bangkok nicht. Schlimm ist das nicht für die Touristen, sondern für die Einheimischen: Denn die sind es, die auf das günstige Essen in den Garküchen angewiesen sind und die ihre Arbeitsplätze durch die Säuberungsaktion der Regierung verlieren.