Expo-Kritik: Vatikanische Stille - DER SPIEGEL
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Expo-Kritik Vatikanische Stille

Besonders bei Ruhesuchenden erfreut sich der Expo-Pavillon des Vatikan großer Beliebtheit. Wer eine kritische Auseinandersetzung mit Papst und Kirche sucht, wird dagegen enttäuscht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hannover - Während in der katholischen Kirche Reformer und Konservative im Streit liegen, ist der Vatikan eine Oase des Friedens - zumindest auf der Expo. Der kreisrunde hölzerne Pavillon des Heiligen Stuhls ist bei erschöpften und neugierigen Besuchern gleichermaßen beliebt.

"Hier lässt es sich herrlich entspannen", sagt eine Frau aus Stuttgart. Die 50-Jährige hat sich gemeinsam mit Mann und zwei Kindern den luftigen Pavillon als "Basislager" für die Expo-Ausflüge auserkoren hat.

Während kaum ein Quadratmeter des Expo-Geländes ohne laute Events auskommt, bietet der Vatikan Ruhe pur. "Hier ist endlich mal nichts los", freut sich ein Besucher. Dennoch hat der Kirchenstaat in seinem zehn Millionen Mark teuren Pavillon durchaus Spektakuläres zu bieten.

Besuchermagnet ist das Mandylion, ein Tuchbild mit dem "wahren Antlitz Christi". Die vermutlich älteste Christusdarstellung der Welt aus dem 2. oder 3. Jahrhundert, die sich seit dem 13. Jahrhundert in der päpstlichen Privatkapelle befindet, wird auf der Expo erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Hinzu kommen fünf wertvolle vatikanische Skulpturen, darunter eine Skulptur von Michelangelo und eine Fotoausstellung zu Themen wie "Familie", "Frauen" und "Frieden". Den weltumspannenden Charakter der Ausstellung sollen vier lebensgroße Skulpturen zeitgenössischer Künstler aus Afrika, Asien, Amerika und Europa repräsentieren.

Obwohl der 1400 Quadratmeter große Pavillon nicht gerade zentral gelegen ist, strömen die Besucher. Erst vor wenigen Tagen konnte der Vatikan mit 9000 Menschen einen neuen Besucherrekord melden. Das führt mitunter zu Warteschlangen, denn aus Sicherheitsgründen dürfen sich nicht mehr als 500 Besucher gleichzeitig in dem hölzernen Rundbau aufhalten. Der wird nach dem Ende Expo demontiert und der lettischen Hafenstadt Libau geschenkt, wo er als Gotteshaus und Begegnungszentrum dienen soll.

Antworten auf die ansonsten allgegenwärtige Kritik an Kirche und Papst suchen Besucher im Pavillon allerdings vergebens. Auch Ansprechpartner für kritische Christen fehlen. "Wir möchten diese Themen außen vor lassen", sagt der deutsche Botschafter Mario Graf von Matuschka. Zur Expo finden zwar mehrere "Vatikanische Gespräche" zu Themen wie "Religion und Gesellschaft" oder "Menschenrechte" mit Teilnehmern wie Innenminister Otto Schily oder Außenminister Joschka Fischer statt - allerdings nicht öffentlich. Laut Matuschka werden jeweils nur 50 bis 80 geladene Gäste dabei sein.

Wie das Ausstellungskonzept dem Papst gefällt, weiß der Pavillondirektor nicht. Und dass der oberste Hirte kommt, ist eher unwahrscheinlich - auch wenn das Aufsichtspersonal permanent danach gefragt wird.

Bewertung:
Note: --
Prädikat: beschaulich
Verweildauer: 30 Minuten
Erholungswert: hoch


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