Felsen von Étretat in der Normandie Monet machte sie berühmt, Instagram machte sie kaputt
Nördlich von Le Havre, an der Küste der Normandie, schwingen sich die drei Felsbögen von Étretat aus dem Meer. Die Kräfte der Natur haben die Durchbrüche in der weißen Kreide der sogenannten Alabasterküste erschaffen: Regen, Frost und die
Meeresbrandung.
Am eigentümlichsten wirkt die Porte d'Aval, der Elefantenrüssel, mit der benachbarten Felsnadel Aiguille. Der zarte weiße Felsbogen wird durchzogen von braun-schwarzen Bändern aus Feuersteinen. Massiver sind Manneporte und Porte d’Amont und auch die Formation Pointe de la Courtine, die eine Art Schlüsselloch birgt und südwestlich der Bögen liegt.
Porte d’Aval: Die Formation südwestlich von Étretat ist 75 Meter hoch
Foto: Eugen-B / iStockphoto / Getty Images
Felsbogen Manneporte: Oft von Claude Monet gemalt
Foto: Olivier Rateau / Dreamstime / IMAGODramatisch dunkel wirken die bis über 80 Meter hohen Bögen bei stürmischem Wetter über dem Ärmelkanal, beeindruckend und licht bei Sonnenschein. Wie viele Maler zog es auch den Franzosen Claude Monet an die Küste von Étretat, vielfach hat er Formationen bei Regen und im Sommerlicht gemalt.
Hohe Wellen am Strand von Étretat: Dramatisch dunkel
Foto: Sameer Al-Doumy AFPDer Schriftsteller Maurice Leblanc, der selbst in Étretat wohnte, ließ seinen Gentleman-Dieb Arsène Lupin auf den Klippen wandeln und in einer Höhle den Schlüssel zum Schatz der Könige von Frankreich finden. Zu sehen waren die Felsen dementsprechend zuletzt in der Netflix-Serie »Lupin«.
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Nachdem die erste Staffel im Januar 2021 veröffentlicht worden war, entdeckten deren Fans den Schauplatz – und sorgten für einen verstärkten Besucheransturm. Teilweise waren es Tausende Touristen und Touristinnen, die täglich durch das Dorf pilgerten.
»Auf allen Hauptstraßen herrscht Stau, die Parkplätze sind überfüllt, und die Autos werden einfach irgendwohin gestellt«, sagte der Bürgermeister von Étretat damals den Medien. Genervte Anwohner würden schon ihre Koffer packen, um umzuziehen. Er drohte damit, dass Étretat nur noch für einheimische Autos zugänglich sein würde, außerhalb des Dorfes sollten dafür mehr Parkplätze errichtet werden.
Gefährlicher Balanceakt: Suche nach dem Schatzschlüssel
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Porte d’Amont: Beliebter Küstenspaziergang
Foto: Michele D'Amico supersky77 / Moment / Getty ImagesSeither scheint die Liebe der Besucher und Besucherinnen nicht nachgelassen zu haben. Inzwischen kommen jährlich knapp 1,5 Millionen, was die Gemeinde besorgt. Die fortschreitende Erosion trifft zwar die gesamte Küste der Normandie, aber die Klippen von Étretat sind besonders gefährdet, da die vielen Touristen den Druck auf den Ort noch verstärken. Immer wieder kommt es zu Felsabstürzen.
Riskantes Verhalten: »Ein wiederkehrendes Übel«
Die örtliche Feuerwehr warnte 2022 in einem Video vor den Gefahren, die sowohl auf den Klippen als auch an ihrem Fuß drohten. Die Menschen gingen immer mehr Risiken ein, um auf den Felsen Fotos zu machen, hieß es. Wenn Touristen sich für ihre Selfies zu nahe an den Klippenrand heranwagten, kam es bereits zu tödlichen Unfällen.
»Ein wiederkehrendes Übel«, sagte Bernard Le Damany, erster stellvertretender Bürgermeister der Stadt, der Nachrichtenagentur AFP, »so sehr, dass in den vergangenen Wochen zwei Gruppen im Abstand von zwei Tagen dort gerettet werden mussten.« Manche Stellen seien unterhöhlt, weil die Felsen darunter bereits abgebrochen sind.
Doch nicht nur die Wege nahe dem Abbruch der Steilküste, auch kleine Tunnel in den Klippen und ein Felsloch stellen beeindruckende Kulissen dar – und sind beliebte Spots für Instagram-Fotos:
Eingang zur Höhle Chambre des Demoiselles auf der Porte d'Aval: Künftig nicht mehr erlaubt
Foto: Michael Evers / dpaEnde April hat das Seebad eine Anordnung erlassen, die die Spaziergänge zu den Felsbögen und Klippen reguliert: »aufgrund der Zerbrechlichkeit und Gefährlichkeit der Klippen sowie des Rückgangs der Küstenlinie und der Nichtbeachtung der Gezeiten«, heißt es darin. Verboten ist es nun, weite Teile der Strände der Gemeinde zu betreten und durch die viel fotografierten Felsdurchbrüche unterhalb der Spitzen der Klippen zu laufen, wie etwa durch den Tunnel Trou à l'homme. Dort saßen immer wieder Spaziergänger während der Flut fest.
Auf Höhe der Klippen sind die Zugänge zu allen Höhlen, zur »Chambre des Demoiselles« auf der Porte d'Aval oder zum »Descente au Chaudron« auf der Porte d'Amont verboten. Auf den Wegen der Hochplateaus der beiden Bögen muss ein Abstand von fünf Metern zur Kante eingehalten werden. Wer die Verbote missachte oder über Absperrungen klettere, dem droht ein Bußgeld von 135 Euro. Rettungseinsätze, bei denen Menschen an den Klippen geborgen werden, könne die Feuerwehr in Rechnung stellen.
Weiterhin erlaubt wird das Fotografieren von der Promenade in Étretat aus und der Besuch der Pointe de la Courtine – was noch immer spektakuläre Bilder liefert:
Porte d'Aval bei Sonnenuntergang: Immer noch eine Reise wert
Foto: Pascal Rossignol / REUTERS
Pointe de la Courtine: Das Loch in der Formation, etwa 40 Minuten Fußweg entfernt von Étretat wird auch Liebesgrotte oder Pandaauge genannt
Foto: olrat / iStockphoto / Getty ImagesEin anderes berühmtes Felsentor in Europa ist vor ein paar Jahren zusammengebrochen: das »Azure Window« vor der Küste der maltesischen Insel Gozo. Der 20 Meter hohe Bogen aus Kalk, der sich durch Erosion erst im 19. Jahrhundert gebildet haben soll, stürzte 2017 während eines Sturms ein. Schon fünf Jahre zuvor wurde das Betreten verboten, was häufig ignoriert und daher unter Strafe gestellt wurde.
Azure Window (2016): Der massive Bogen schmückte die Westküste von Gozo
Foto: Darrin Zammit Lupi / REUTERS
Gähnende Leere: Nach dem Zusammensturz im März 2017
Foto: Christian Mangion / AP