Expo-Kritik : Shalom im Hightechland - DER SPIEGEL
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Expo-Kritik Shalom im Hightechland

Die Israelis haben bekanntermaßen größere Sorgen als ihre Präsentation in Hannover. So begannen ihre Planungen denn auch erst 40 Tage vor Eröffnung der Weltausstellung. Das Ergebnis ist ziemlich überraschend.
Von Thorsten Pifan
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hannover - Isr@el - From Holy Land to Whole-E-Land - vom Heiligen Land ins Hightechland.

Mit diesem Slogan, der bereits alles und doch wenig über die Ausstellung Israels verrät, lockt der Stand die Besucher in Halle 15 - der Erfolg ist überwältigend. Die zahlreichen Gäste erleben eine Hightechschmiede direkt vor den Toren Europas.

"Was sollten wir auch mit dem ganzen Sand anfangen, den wir erblickten, wenn wir zu unseren Füßen schauten?", fragt Alex Nussem vom israelischen Pavillon. Wasserreserven sind im Heiligen Land rar. Sorgfältige Haushaltung ist nötig, um alle ernähren zu können. Den Israelis blieb keine andere Wahl, als sich auf ihr Know-how zu konzentrieren und "mitten in der Wüste" die Zukunft zu planen.

Vor dem Pavillon, direkt am Eingang zwischen den Hallen 15 und 16 begrüßt ein kleiner Garten die Besucher. "Tulpen und ähnliches suchen unsere Gäste hier vergeblich", schmunzelt Nussem. Dafür flimmern Bildschirme mit Impressionen aus dem Heiligen Land Interessierten entgegen: Eindrücke von "Mensch - Natur - Technik" - und Kultur. Einen Wunsch hat Nussem angesichts des "Technikgartens": "Bitte pflücken sie bei uns keine Blumen, wenn sie wieder gehen."

"Shalom, eine kurze Information?", begrüßen freundliche Mitarbeiter ihre Gäste und drücken ihnen ein Flugblatt in die Hand. Das verschwindet meist ungelesen in der Tasche. Ist das Expo-Angebot Israels doch zunächst viel spannender: 21 Terminals nehmen die Besucher mit auf die Internet-Homepages Israels (www.israelexpo.net). Rund 1000 Links versprechen, dass es kaum langweilig wird.

Selbst in Netzmuffeln erwacht plötzlich der Surfer. Die nötigen Schritte sind rasch erklärt. Schon kann die virtuelle Reise mit dem Hubschrauber über das heilige Land starten. Das Tote Meer, Jerusalem oder Tel Aviv heißen die Ziele, die in sekundenschnelle erreicht werden - aus der Vogelperspektive.

Wie im Urlaub können sich die Gäste vor der Silhouette Jerusalems ablichten lassen. Die Ergebnisse wirken - nahezu - täuschend echt. Dabei ist nur der Balkon, auf dem die Models stehen, Wirklichkeit - der Hintergrund ist ein Foto.

Der Clou: Später können die Bilder als E-Mail von der israelischen Expo-Homepage in alle Welt verschickt werden.

Wer jetzt vermutet, Israel hätte bloß einen riesigen Technikspielplatz aufgefahren, der irrt. Die Ausstellung bietet mehr. Drei große Weltreligionen haben ihre Wiege im Heiligen Land: Der Islam, das Judentum und das Christentum. Für jede Religion präsentieren die Israelis einige Fresken und Steinfiguren - Originale und Repliken.

Auf der gegenüberliegenden Seite ist per Satellit eine Direktleitung zum Holocaust-Mahnmal Jad Waschem in Israel geschaltet. Eine kleine Ecke für Ruhe und Besinnung mitten im Techniktrubel des Pavillons.

An der Decke sind derweil Eindrücke aus dem Heiligen Land auf Leinwänden zu entdecken: Menschen - Natur - Technik.

Seit Ende Juli verweisen die Israelis auf einen weiteren Publikumsmagneten: die Pin-Börse. In fast allen Pavillons können die Besucher Anstecker ergattern - manche gibt es gratis, manche müssen käuflich erworben werden.

Eifrige Sammler haben nun die Gelegenheit, fehlende Stücke am Informationsstand Israels zu tauschen. Wieder ein netter Einfall, der Gäste lockt. Kein Wunder, dass der Besucherstrom kaum verebbt.

Bewertung: Note: 2 Prädikat: Verweildauer: je nach Spieltrieb mehr als zehn Minuten Erholungswert:

Bewertung:
Note: 2
Prädikat: hochtechnisch magnetisierend
Verweildauer: je nach Spieltrieb mehr als zehn Minuten
Erholungswert: Gelegenheiten zum Ausruhen sind nicht zu entdecken.


Expo-Porträt: Israel
Auf einen Blick: Von A bis Z - Die Expo-Teilnehmer

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