DER SPIEGEL 43/2026 - Inhaltsverzeichnis
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Menschen zweiter Klasse

Wie das Gesundheitswesen gerechter werden kann

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Nr. 43 / 15.10.2026 • Alle Ausgaben •

In dieser Ausgabe

Meinung

Politische Bühne

Der Moment
Foto: Alessandra Tarantino / AP / dpa

Als Papst Leo XIV. am Dienstag mit seiner Entourage vor der Gemelli-Klinik eintrifft, wird er vom ärztlichen Direktor im weißen Kittel empfangen. Der Papst lächelt, winkt und weiß noch nicht, dass der Knoten in seiner Lunge, den sie ihm in einer 90-minütigen OP entfernen werden, ein bösartiger Tumor namens Adenokarzinom ist. Der erste US-amerikanische Papst ging in den 17 Monaten seiner Amtszeit die Herausforderungen der Gegenwart an. Er schrieb eine Enzyklika zu künstlicher Intelligenz, bot US-Präsident Trump die Stirn und verwies auf die Hände voller Blut jener, die ihre Kriege mit Religion rechtfertigen. Für weltweit 1,4 Milliarden Katholiken mag er der Stellvertreter Christi auf Erden sein. Für noch viel mehr Bewohner dieses Planeten ist er ein Mensch, der noch gebraucht wird. ded

Gegenstand der Politik
Foto:

twomeows / Moment / Getty Images

Die Sanduhr

Als der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) über die taumelnde Regierungskoalition sagte, »Es ist fünf vor zwölf. Jetzt läuft die Sanduhr«, wollte er damit »Mut, Ausdauer und Entscheidungen, die morgen noch tragen«, einfordern. Özdemir wedelte dabei mit einem seit dem Mittelalter bekannten Symbol unausweichlicher Vergänglichkeit, die Menschen, aber womöglich auch gefährdete Regierungskoalitionen gern verdrängen. In der Gegenwart steht die Sanduhr für lästiges Warten, sie ist unser aller Hinhaltesymbol am Bildschirm, solange ein Programm lädt. Auf Kosmetikpackungen kennzeichnet eine Sanduhr das Mindesthaltbarkeitsdatum. Stets drohender Verfall ist es auch, den Maler seit mehr als einem halben Jahrtausend in Fresken und öligen Stillleben mithilfe der Sanduhr verewigen, diesem Zeichen für die Flüchtigkeit alles Irdischen. Flüchtig, wie auch eine Regierungskoalition sein kann, in diesem Fall jenes schwarz-rote Bündnis mit Kanzler Friedrich Merz an der Spitze. Wer die Sanduhr erblickt, begreift die eigene Endlichkeit. Nicht lange nach Özdemirs Kommentar trat die Arbeitsministerin Bärbel Bas zurück. Bei einigen Leuten, so der Eindruck, rinnt der Sand schneller. ded

Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?

Gut: Der Entertainer Hape Kerkeling erweist sich als großer Kämpfer für die liberale Demokratie. Schon sein Auftritt im Thüringer Landtag war eindrucksvoll. Nun kämpft er in diesem SPIEGEL weiter. Das Gespräch mit ihm sollten Sie unbedingt lesen.

Schlecht: Das Hamburger Landgericht hat von der »Zeit« verlangt, Tondateien zum Fall Block herauszugeben. Das ist ein übler Angriff auf den Quellenschutz und damit auf die Pressefreiheit, die eine der wichtigsten Grundlagen der liberalen Demokratie ist.

Hieroglyphe unserer Zeit
Alkoholverbotsschild

Alkoholverbotsschild

Foto: Horst Galuschka / dpa / picture alliance

Nach einer offenbar erfolgreichen Einführung an Brennpunkten wie Hamburg, Frankfurt oder Dortmund hat die Deutsche Bahn schrittweise bis zum 15. Oktober an allen ihren rund 5400 Bahnhöfen bundesweit ein Alkoholverbot erlassen. Das entsprechende Schild ist denkbar freundlich. Flasche und Weinglas, stilisiert und auf grünem Grund, sind mit einer zarten Linie rot durchgestrichen. Ob der Hinweis genügt, um Müll und Gewalt zu reduzieren? Das bleibt, wie so manches bei der Bahn, abzuwarten. fra

Aufgezeichnet

Wieder kein Preis für Trump

Schluss mit Lustig! Amerikanische Invasion führt den Friedensnobelpreis seinem rechtmäßigen Empfänger zu.

Schluss mit Lustig! Amerikanische Invasion führt den Friedensnobelpreis seinem rechtmäßigen Empfänger zu.

Julian Fiebach / DER SPIEGEL

Menschengedenken

Die Unesco zeichnet weltweit Kultur- und Naturstätten, denen sie eine herausragende Bedeutung zumisst, als Welterbe aus. In Deutschland finden sich 55 dieser Orte: vom Wattenmeer über den Aachener Dom bis zur Altstadt von Regensburg. Jedes Bundesland kann mindestens eine dieser Stätten vorweisen, die teilweise als Ensemble ausgezeichnet werden. Im Saarland ist es etwa das Eisenwerk Völklinger Hütte. An der Spitze steht Bayern mit elf Stätten. Zuletzt kamen dort 2025 die Königsschlösser, darunter Neuschwanstein, dazu. Einige Stätten sind grenzüberschreitend – so erstreckt sich das Obere Mittelrheintal über Hessen und Rheinland-Pfalz. bbr

Deutschland

Debatte

Ausland

Wer isst viel Gemüse?
Der Moment
Foto: Yousuf Sarfaraz / Anadolu Agency / IMAGO

In Indien sind auch diese Woche wieder Tausende Menschen gegen die Wahlkommission auf die Straße gegangen. Die Anhänger der sogenannten Kakerlaken-Bewegung warnen, dass durch eine geplante Überprüfung der Wählerverzeichnisse Millionen Inder ihr Wahlrecht verlieren könnten. Die Polizei ging, wie hier in Neu-Delhi, mit Härte gegen die Demonstrierenden vor, mehrere Anführer der Proteste wurden zuletzt festgenommen. Die Bewegung hatte sich im Mai gegründet, nachdem der Oberste Richter arbeitslose junge Menschen als »Kakerlaken« beschimpft hatte. pop

Reporter

Wirtschaft

Maschine der Woche
Foto: Clément Choulot / Citroen

Ente Legende

Bei ihrer Premiere auf dem Pariser Autosalon 1948 war die Ente eine Lachnummer. So recht konnte sich keiner vorstellen, dass ein klappriger Kleinwagen mit neun PS die »Grande Nation« in Fahrt bringen würde. Doch Citroën machte mit dem 2CV, so der offizielle Name, das Land mobil. Bis 1990 lief der Wagen knapp vier Millionen Mal vom Band. Nun kehrt die Ente zurück, als E-Auto. Beim jüngsten Pariser Salon konnte man Probe sitzen. Die neue Ente zitiert die alte, von den frei stehenden Scheinwerfern bis zum Schalthebel, der wie der Griff eines Schirms aus dem Armaturenbrett ragt. Auch beim Preis bleibt sie sich treu. Mit 15.000 Euro entspricht er der Summe, die man für ein gut erhaltenes Modell aus den Achtzigerjahren zahlt. tg

Nachgezählt

72.800

Tonnen Lebkuchen haben Lebensmittelproduzenten 2025 in Deutschland gebacken, zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Steigende Preise wegen höherer Rohstoff- und Energiekosten dämpften die Nachfrage.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Wissen

Nachgezählt

69

Prozent der Studienanfänger blieben im Wintersemester 2025/26 zum Studieren in dem Bundesland, in dem sie ihr Abitur abgelegt hatten. In Nordrhein-Westfalen hielt es mit 82 Prozent die meisten in der Heimat, in Brandenburg hingegen waren es nur 33 Prozent.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Der Moment
Foto:

Tahsin Ceylan / Anadolu Agency / IMAGO

Fische schwimmen um einen Korallenstock im Ras-Mohammed-Nationalpark im Roten Meer bei Scharm al-Scheich. Das Riff im Osten Ägyptens gilt als vergleichsweise widerstandsfähig gegenüber dem Klimawandel. Eine neue Studie im Fachjournal »Nature« zeigt jetzt jedoch: Von 774 riffbildenden Korallenarten haben weltweit 340, also 44 Prozent, ein erhöhtes Risiko auszusterben. 2008 waren es, nach dieser Methode gerechnet, rund 19 Prozent. Die Lage dürfte noch ernster sein, denn die Studie bezieht sich nicht auf die Rekordhitzejahre seit 2023. kk

Kultur

S-Magazin 2/2026

Lieblingsorte: Nur noch eine Reise – wohin würden wir aufbrechen

Welches Ziel wählen Sie, wenn Sie nur noch eine einzige Reise unternehmen dürften? In dieser Ausgabe beantworten 15 prominente Vielreisende diese Frage – und verraten dabei mehr über sich selbst als über den Ort. Ihre Geschichten zeigen: Reisen heißt nicht, neue Orte zu sammeln. Reisen heißt, den Augenblick zu erkennen, in dem die Welt uns zulächelt.

Sport

Randsportart
Foto:

Issei Kato / REUTERS

Für einen prachtvollen Fallrückzieher muss man nicht mehr ins Stadion oder auf den Bolzplatz gehen, diese hohe Fußballkunst kann auch beim Teqball bestaunt werden. Die Erfindung aus Ungarn ist eine Mischung aus Tischtennis und Fußball, es gibt weltweit bereits mehr als 150 Verbände. Gespielt wird auf einem gebogenen Tisch mit einem Netz in der Mitte. Die Spieler müssen den Ball mit maximal drei Berührungen auf die gegnerische Seite bringen – aber Achtung: Er darf nicht zweimal hintereinander vom selben Körperteil berührt werden. bka

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Niemals geht man so ganz