Aufruhr in West-Berlin Es begann am Gründonnerstag um 16.35 Uhr mit den Schüssen des Anstreichers Josef Bachmann auf den SDS-Ideologen Rudi Dutschke in West-Berlin. Die lange schwelende geistige Unruhe unter den Studenten entlud sich in Gewalt. Fünf Tage lang stürmte rebellierendes junges Volk gegen Polizeikordons, gingen Autos in Flammen auf, droschen Polizisten auf Demonstranten, beschossen Wasserwerfer die Menge -- wurde diesseits der Mauer Stacheldraht gezogen. Der Zorn der vaterlosen Generation richtete sich gegen das Regime, gegen die Repräsentanten des Berliner Stadtstaats und der Bonner Republik. Doch der Frontalangriff richtete sich gegen den Springer-Konzern, dessen publizistische Strategie, wie die Revoltierenden meinen, jenes Klima erst geschaffen hatte, das die Schüsse vom Gründonnerstag auslöste. Als Ostern vorbei war, hatte sich die Republik verändert: Die Politikerwaren unsicherer als zuvor, und die Studenten schwankten -- zwischen Hybris und Bestürzung. Zur Merkliste hinzufügen
REBELLEN OHNE PROGRAMM George F. Kennan, 64, ehemaliger US-Botschafter in Moskau und einer der bedeutenden politischen Denker Amerikas untersuchte in einem Vortrag die Lage der radikalen Linken an Amerikas Universitäten. Der Analyse, die im »Monat« in deutsch erschien und die auch auf die deutsche Situation zutrifft, sind folgende Auszüge entnommen: 6 Min Zur Merkliste hinzufügen
»EINFACH SO DAHINGESCHWAFELT« Die katholische Publizistin Vilma Sturm hat versucht, »dem Übel der unzulänglichen religiösen Sprache ganz konkret auf die Spur zu kommen«. Sie analysierte Rundfunkpredigten und berichtet über die Ergebnisse in einem Sammelband »Dynamik der Kommunikation«. Herausgegeben wurde das Buch von den katholischen Prälafen Karl Bekker (Karlsruhe) und Karl-August Siegel (Hamburg), erschienen ist es im Frankfurter Verlag Josef Knecht, 72 Seiten, 5,50 Mark. Vilma Sturms Beitrag über die »Krisis der religiösen Sprache« sind die folgenden Auszüge entnommen. 6 Min Zur Merkliste hinzufügen
SOWJET-UNION / INTELLEKTUELLE Porridge und Apfelkuchen Ich habe nichts an Ihrer Idee auszusetzen, daß die Intellektuellen für uns notwendig sind. Wogegen ich mich auflehne, ist ihre Feindseligkeit uns gegenüber. Lenin zu Maxim Gorki 1923 3 Min Zur Merkliste hinzufügen
EIN NEUES WETTRÜSTEN STEHT BEVOR Die USA beginnen jetzt, für 20 Milliarden Mark das »Sentinel«-System aufzubauen, das Amerikas Städte und 1000 verbunkerte Interkontinental-Raketen vom Typ »Minuteman« vor feindlichen Langstreckenraketen schützen soll. Die US-Luftwaffe arbeitet bereits an Anti-Raketen-Raketen, die von Riesenflugzeugen abgefeuert werden können. Die Marine will die Entwicklung einer neuen Generation schnellerer und stärkerer atomgetriebener Raketen-U-Boote erzwingen. Die Gründe des neuen Wettrüstens zwischen USA und Sowjet-Union untersucht der ehemalige amerikanische Vize-Verteidigungsminister Roswell L. Gilpatric. 10 Min Zur Merkliste hinzufügen
Helen von Ssachno über Boris Pasternak. "Briefe nach Georgien" VERFEMUNG UND ZUVERSICHT Die Münchner Autorin Dr. Helen von Ssachno-Uselis, in Rußland geboren und Expertin für russische Literatur, veröffentlichte 1966 ein Buch über die nachstalinistische Literatur der Sowjet-Union: »Der Aufstand der Person. -- Der russische Lyriker und Erzähler Boris Pasternak (1890 bis 1960) erhielt 1958 für seinen zuerst in Italien, bis heute nicht in der Sowjet-Union erschienenen Roman »Doktor Schiwago« den Nobelpreis zugesprochen, mußte ihn jedoch unter dem Druck der Sowjet-Behörden ablehnen. 4 Min Zur Merkliste hinzufügen
»ANTWORT DES FACHIDIOTEN« Der Ordinarius für Philosophie und Soziologie an der Universität Frankfurt, Theodor W. Adorno, vertrat in einem SPIEGEL-Gespräch (9/1968) die Meinung, die Konzert- und Operndarbietungen des Ersten und Zweiten Fernsehens seien »ein Stück leerer Kulturbetrieb«. Die Polemik blieb nicht unwidersprochen. Der SPIEGEL druckte in den Ausgaben 12 und 13/1968 kritische Stellungnahmen ab. Adorno antwortet nun auf diese Kritik. 3 Min Zur Merkliste hinzufügen
SCHALLPLATTEN / NEU IN DEUTSCHLAND Robust und rabiat Nikolai Rimski-Korsakow: »Scheherazade«. Symphonische Suite für Orchester nach »Tausendundeine Nacht«; Bournemouth Symphany Orchestra, Dirigent: Constantin Silvestri; Gerald Jarvis, Solo-Violine; Etectrola SME 81 05O; 21 Mark. 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
PERSONALIEN Ernst Benda, Hermann Höcherl, Sven Simon, Adelheid Schütz, Reinhold Oberlereher 3 Min Zur Merkliste hinzufügen