DER SPIEGEL 2/1968 - Inhaltsverzeichnis
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Nr. 2 / 07.01.1968 • Alle Ausgaben •
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»ICH HABE NOCH DREI MONATE ZU LEBEN«

Seit vierzehn Wochen ist Dr. Werner Kising, 50, bettlägerig. Nach medizinischem Ermessen ist seine Krankheit -- Krebsgeschwülste im rechten Bein und in der linken Lunge -- unheilbar. Anfang Juli vorigen Jahres hegte der Patient selber erstmals den Verdacht, es könne sich bei der Veränderung am Fußknöchel um Krebs handeln. Eine grotesk anmutende Kette von falschen Diagnosen und Fehlbehandlungen führte jedoch dazu, daß die Chance, seine Krebskrankheit nach einzudämmen, vertan wurde. Dr. Kising, Oberregierungsrat und Experte für Landwirtschaft in Staufen im Breisgau, Vater von sechs Kindern, schrieb die Geschichte seiner Krankheit nieder und übersandte das Tagebuch dem SPIEGEL zur Veröffentlichung. In einem Begleitbrief bezeichnete er sich als »Opfer leichtfertig gestellter Diagnosen« und teilte mit, daß ihm »die Ärzte nur nach drei bis fünf Monate Zeit geben«. Gegen den Bericht van Krebspatient Kising könnte der Einwand erhoben werden, es handle sich um einen nicht typischen Einzelfall. Demgegenüber glaubt Kising in seiner eigenen Krankengeschichte typische Mängel ärztlicher Wachsamkeit für Krebssymptome zu erkennen. Er äußerte die Hoffnung, daß die Veröffentlichung seines Berichts die Aufmerksamkeit nicht nur von Patienten, sondern auch der Ärzte für frühe Alarmzeichen einer drohenden Krebserkrankung schärfen könne. Der SPIEGEL veröffentlicht das von Dr. Kising eingesandte Dokument im Wortlaut.
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