WIE WÖLFE Weil Gewaltlosigkeit die Welt nicht verändern werde, billigt der belgische Dominikaner-Pater Dominique Pire, der 1958 für Verdienale um Displaced Persons den Friedensnobelpreis empfing, Gewaltanwendung. Vor über lausend Teilnehmern eines Jugenddelegiertentages in der Frankfurter Paulskirche erließ er »eine Art 'Frankturter Manifest' ..., das auch in Prag, Tokio, Paris, Madrid und selbst in Pretoria, Moskau und Peking Gültigkeit hätte« (Pater Pire). 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
Studenten »DIE BANNMEILE IST EINE TOTE KATZE« Seit dem 7. Mai läuft gegen den Hamburger SDS-Führer Karl Heinz Roth, 26, ein mit Verdunkelungsgefahr begründeter Haftbefehl. Der Kandidat der Medizin wird von der Staatsanwaltschaft verdächtigt, am 1. Mai zur Verletzung der Bannmeile eines Parlaments -- des Hamburger Rathauses -- aufgefordert und bei seiner Festnahme Widerstand gegen die Staatsgewalt geleistet zu haben. Obwohl Roth seitdem an mehreren Kundgebungen und Demonstrationen teilnahm, konnte er der Polizei bislang entkommen: SDSler schirmten ihn systematisch vor seinen Verfolgern ab, Hamburger Familien verbargen ihn in ihren Häusern (SPIEGEL 24/1968). In der Wohnung eines »Sympathisanten« am Stadtrand Hamburgs gab Roth dem SPIEGEL letzte Woche das folgende Interview. 3 Min Zur Merkliste hinzufügen
»MIR WAR, ALS HÄTTE ICH DIE KUGEL IM KOPF« Gute Wünsche ("Wir freuen uns wahnsinnig, daß Sie das Scheißattentat überstanden haben") wie Beschimpfungen ("Eingeschleustes Agentenschwein") enthalten die rund 3000 Briefe, die der SDS-Ideologe Rudi Dutschke nach dem auf ihn verübten Attentat im Berliner Westend-Krankenhaus bekam. Post traf ein von Ministern und Hausfrauen, von Kommunisten und Quartanern, aus der Bundesrepublik und der DDR, aus den USA und aus der Libyschen Wüste. Auch Geschenke waren dabei: Strampelhosen für den Sohn Hosea Che und Leninbilder für den Vater. Die Briefe sollen demnächst, mit einem Vorwort von Rudi Dutschke und herausgegeben von Stefan Reisner, in der »Edition Voltaire« des Heinrich-Heine-Verlages, Frankfurt, erscheinen. Der SPIEGEL veröffentlicht Auszüge. 15 Min Zur Merkliste hinzufügen
»MIT VIERZIG MARK BEGANNEN WIR EIN NEUES LEBEN« Am Sonntag, dem 20. Juni 1948, traf in Westdeutschland auf Befehl der Alliierten die Währungsreform in Kraft. Mit drei »Gesetzen zur Neuordnung des Geldwesens« wurden die durch Krieg und Inflation wertlosen Reichsmark für ungültig erklärt und 500 Tonnen in Amerika sowie in England gedruckte Geldscheine verteilt. Jeder Westdeutsche erhielt gegen 40 Reichsmark 40 neue Deutsche Mark eingewechselt; Firmeninhaber pro Beschäftigten 60 neue Mark zusätzlich. Alles Bargeld mußte abgeliefert werden, Bank- und Sparguthaben schrumpften im Verhältnis 100:6,5 zusammen. Das Ende der Zigarettenwährung (Schwarzmarktpreis für eine amerikanische »Camel": sechs Reichsmark) war der Beginn des wirtschaftlichen Wiederaufstiegs der Deutschen. Mit der anschließenden Währungsreform in der sowjetisch besetzten Zone wurde jedoch gleichzeitig die Teilung Deutschlands besiegelt. Der SPIEGEL befragte prominente Bundesbürger nach ihrer Erinnerung an die Zeit der Geldumstellung. 11 Min Zur Merkliste hinzufügen
LOCKENKOPFCHEN, ICH WILL DICH SCHEREN Selbst Stunden nach den Barrikadenkämpfen machte de Gaulles Bereitschaftspolizei noch Jagd auf Studenten und Sanitäter, Frauen und Minderjährige und mißhandelte sie in Wohnungen, Einsatzwagen und Kommissariaten. De Gaulle aber lobte seine Ordnungshüter: Sie hätten »ihre Aufgabe auf der ganzen Linie sehr gut erfüllt«. Mit welcher Brutalität vor allem Polizisten der CRS ("Compagnies républicaines de sécurité") Demonstranten und Unbeteiligte zusammenknüppelten, dokumentieren über 300 Zeugen, deren Aussagen ein Studenten-»Ausschuß für Beweismaterial und Rechtshilfe« sammelte. Der SPIEGEL veröffentlicht eine Auswahl dieser Aussagen; die wiedergegebenen Vorfälle ereigneten sich in den Nächten vom 23. auf den 24. und vom 24. auf den 25. Mai in Paris. 4 Min Zur Merkliste hinzufügen
»UMGRABEN DIESE ZERFURCHTE ERDE« Die blutigen Aufstände im Pariser Quartier Latin brachten ihre eigene Poesie hervor. Zwischen 20 und 25 Jahre alte Autoren, die anonym bleiben wollen, besingen ihre Revolution. Das »Revolutionskomitee für kulturelle Aktion« ("CRAC") sammelt die Texte, heftet sie an die Wände der Sorbonne und rezitiert sie auf Straßen. In Kaufhäusern und Fabriken. Der SPIEGEL veröffentlicht drei Beispiele dieser Barrikaden-Lyrik 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
SCHALLPLATTEN / NEU IN DEUTSCHLAND Fette Köter Franz Josef Degenhardt: »Der Senator erzählt«. Polydor 237 834; 19 Mark. 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
Gerd Fuchs über Rolf Dieter Brinkmann: "Keiner weiß mehr" EHE ZU ZWEIT Der Schriftsteller Gerd Fuchs, 35, debütierte 1966 mit dem Erzählungsband »Landru und andere«. 3 Min Zur Merkliste hinzufügen
BÜCHER NEU IN DEUTSCHLAND Stück Tragik Helmut Sembdner (Herausgeber): »Der Kleist-Preis 1912-1932. Eine Dokumentation«. Erich Schmidt; 152 Seilen; 213 Mark. 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
BÜCHER NEU IN DEUTSCHLAND Geselliges Ich Friedhelm Kemp (Herausgeber): »Rahel Varnhagen im Umgang mit ihren Freunden«. Kösel; 480 Seiten; 19.80 Mark. -- »Rahel Varnhagen und ihre Zelt«. Kösel; 504 Seiten; 19,80 Mark. 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
BÜCHER NEU IN DEUTSCHLAND Arm, aber froh Nell Dunn: »Leben in Battersea«. Suhrkamp 136 Seiten; 3 Mark. 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
PERSONALIEN Karl Schiller, William Tubman, Paul Lucke, Gustav Heinemann 3 Min Zur Merkliste hinzufügen