DER SPIEGEL 37/1968 - Inhaltsverzeichnis
Zum Inhalt springen

Vor 30 Jahren: Das erste Diktat

Moskau 1968

PDF
Vorherige Ausgabe Vorherige Ausgabe
Nr. 37 / 08.09.1968 • Alle Ausgaben •
Nächste Ausgabe Nächste Ausgabe

In dieser Ausgabe

Deutschland

Panorama

Zitat

1 Min

Ausland

Sport

Kultur

»EIN BISSCHEN WELTGEIST, EIN BISSCHEN MENGELE«

Um den »Anachronismus« der etablierten Kunst-, Literatur- und Musikkritik zu dokumentieren, ersuchte der Münchner Schriftsteller Peter Hamm für ein soeben im Hanser-Verlag erschienenes Buch (Titel: »Kritik -- von wem, für wen, wie") arrivierte deutsche Rezensenten um »Selbstdarstellung«. Ihre Konfrontation mit Arbeiten »von möglichst unbekannten, vom Markt noch nicht verschlissenen, also jüngeren und jüngsten Kritikern« gelang jedoch nur halbwegs. Denn »mehrere der am heftigsten und härtesten in der Öffentlichkeit tätigen Kritiker«, so Karl Korn, Günter Blöcker und Friedrich Luft, verweigerten Beiträge, andere, wie Marcel Reich-Ranicki, der sich als »Vermittler zwischen der Ewigkeit und dem Gebot der Stunde« fühlt, zogen sie zurück. Daß die Berufsgebrechen der Selbstherrlichkeit und der Stil-Impotenz Alterssymptome seien, wie Hamm wohl hoffte, wird in dieser Kollektion von Kritiker-Meinungen oft widerlegt. Das beweisen junge Schreib- und Denkkünstler wie Hellmuth Karasek, 34, Wolfram Schütte, 29, und Peter Klaus den, 29, der zum Beispiel im allerschönsten Feuilleton-Deutsch schreibt: »Wer so gern auf die Anatomie des Kunstwerks sich beruft, hat die prohibitive Rückseite der Medaille, die Einschränkung heißt, wohl im Auge.« Ob jung oder alt: Sie wollen fast alle nach Walser -- »ein bißchen Amtsarzt« sein, »ein bißchen Weltgeist, ein bißchen Tante Lessing, ein bißchen Onkel Linné, ein bißchen Robert Koch, ein bißchen Mengele, ein bißchen Kaninchen, ein bißchen Schlange, ein bißchen Hausmacher-Intellekt on the rocks und kein bißchen Schriftsteller«. Einen Essay über »Die unkritische Musikkritik« des Münchner Komponisten Wolf Rosenberg druckt der SPIEGEL ab.
7 Min

Rubriken