BONN / DEUTSCHLAND-POLITIK Russisches Roulett Die alten Fahrplane der Deutschland-Politik stimmen nicht mehr. Die Strecke ist eingestellt. Herbert Wehner 22 Min Zur Merkliste hinzufügen
Mehr Disziplin Nachdem Ex-FDP-Chef Erich Mende in Zeitungsinterviews Ihr seine Partei »die Gefahr des Bruchs und der Auflösung« gesehen und zugleich die Gründung einer »neuen Organisationsform für den alten Liberalismus« angekündigt hatte, schrieb Mende-Nachfolger Walter Scheel seinem Vorgänger zwei Tage vor Weihnachten einen Brief. Mit dem Stempelaufdruck »Streng vertraulich« wurde der Inhalt des Schreibens am Dienstag vergangener Woche den Mitgliedern des FDP-Bundesvorstands mitgeteilt. 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
PRESSE / RECHT In engen Grenzen Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein. Karl Marx 4 Min Zur Merkliste hinzufügen
Matthias Wegner über Walter Hasenclever: "Irrtum und Leidenschaft" ZERSTÖRUNG IM EXIL Dr. Matthias Wegner, 32, teiler des Christian Wegner Verlags und seit kurzem auch Geschäftsführer des Rowohlt Verlags, veröffentlichte 1961 eine Untersuchung über »Exil und Literatur. Deutsche Schriftsteller im Ausland 1933-1945«. -- Walter Hasenclever, in Aachen geboren, wurde mit seinen expressionistischen Dramen »Der Sohn« (1914) und »Die Menschen« (1918) berühmt und war später mit zeltkritischen Konversationskomödien ("Ein besserer Herr") erfolgreich. 1940 nahm sich der Emigrant in einem französischen Internierungslager das Leben. 3 Min Zur Merkliste hinzufügen
BÜCHER / NEU IN DEUTSCHLAND Rheinwein auf dem Mars Kurd Lasswitz: »Auf zwei Planeten«. Scheffler; 352 Seiten; 12,80 Mark. 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
BÜCHER Witze vom Sender Michael Schiff (Herausgeber): »Radio Eriwan antwortet«. Kindler; 124 Seiten 7,80 Mark. 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
BÜCHER Hausfrau gegen Apo Draginja Dorpat: »Junge Knaben beim Spiel«. Merlin; 44 Seiten; 4,80 Mark. 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
BÜCHER Hausmeister an der Adria Hans Weigel: »Vorschläge für den Weltuntergang«. Residenz; 128 Seiten; 9,50 Mark. 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
BÜCHER Ehefrau auf Glanzlack Babs H. Deal: »Sieben Frauen«. Wegner; 328 Seiten; 20 Mark. 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
Theater »VIELLEICHT BIN ICH EIN BARBAR« Sechs turbulente Inszenierungen am traditionsreichen Zürcher Schauspielhaus reichten aus, alle »Toleranzlimite« ("Neue Zürcher Zeitung« zu sprengen, das Arbeitsklima am Theater zu »vergiften« (Schweizerischer Bühnenkünstlerverbarid) und den schlimmsten Skandal seit Gründung der Zürcher »Neuen Schauspiel AG« (1938) auszulösen: Dr. Peter Löffler, 42, von 1969 an Intendant (Titel: »Direktor"), übertraf mit seinem Spielplan alle Vorgänger (Oskar Wälterlin, Kurt Hirschfeld, Leopold Lindtberg) durch Lust zu Experiment und gesellschaftspolitischer Provokation. Die Herausforderung, von Regisseuren wie Peter Stein, Max Ammann und Ulrich Heising »mit Schock-Stücken (Bonds »Early Morning"), DDR-Mythologie (Heiner Müllers »Prometheus ) und Trinker-Poesie (O'Caseys »Kikeriki") inszeniert, wurde in der Öffentlichkeit mißverstanden, das Löffler-Theater als »Propogandainstitut der sogenannten Neuen Linken« ("Neue Zürcher Zeitung") diffamiert. Resultat: Löffler muß samt seinem Dramaturgen Klaus Völker zum Spielzeit-Ende gehen; das Gremium, das zuvor Löfflers Spielplan gebilligt hatte, der Verwaltungsrat der »Neuen Schauspiel AG« (Kapital: 200 000 Franken, teils in stadtischem« überwiegend jedoch in privatem Besitz), hat, von der Bühnengewerkschaft unterstützt, die Kündigung empfohlen. Eine Bestätigung des Beschlusses durch die Hauptversammlung wird für Januar 1970 erwartet. Mit dem erzwungenen Abgang des Direktors -- eine Aufforderung, selbst zu kündigen, lehnte er ab-geht ein fachkundiger Zürcher seiner Heimatstadt, nicht aber dem Theater verloren: Löffler, der van Gustav Knuth zum Schauspieler ausgebildet wurde, Assistent Barraults und Chefdramaturg Lindtbergs war, ehe er der West-Berliner Akademie der Künste vier Jahre lang als Präsidialsekretär und dem Senat als Festwochen leiter diente, verspürt nach seinem jüngsten Eklat dennoch keinen Jammer um die Zukunft des Theaters: »Ich glaube«, sagt Löffler, »das Theater hat gerade angefangen, so sellschaftsrelevant zu werden, wie das vielleicht in en letzten 15 Jahren nicht in solchem Maße der Fall war.« 4 Min Zur Merkliste hinzufügen
PERSONALIEN Helmut Kohl, Willy Brandt, Armand Fernandez, Rudi Dutschke 3 Min Zur Merkliste hinzufügen