DER SPIEGEL 53/1969 - Inhaltsverzeichnis
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BONN SPRICHT MIT DER DDR

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Nr. 53 / 28.12.1969 • Alle Ausgaben •
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Theater »VIELLEICHT BIN ICH EIN BARBAR«

Sechs turbulente Inszenierungen am traditionsreichen Zürcher Schauspielhaus reichten aus, alle »Toleranzlimite« ("Neue Zürcher Zeitung« zu sprengen, das Arbeitsklima am Theater zu »vergiften« (Schweizerischer Bühnenkünstlerverbarid) und den schlimmsten Skandal seit Gründung der Zürcher »Neuen Schauspiel AG« (1938) auszulösen: Dr. Peter Löffler, 42, von 1969 an Intendant (Titel: »Direktor"), übertraf mit seinem Spielplan alle Vorgänger (Oskar Wälterlin, Kurt Hirschfeld, Leopold Lindtberg) durch Lust zu Experiment und gesellschaftspolitischer Provokation. Die Herausforderung, von Regisseuren wie Peter Stein, Max Ammann und Ulrich Heising »mit Schock-Stücken (Bonds »Early Morning"), DDR-Mythologie (Heiner Müllers »Prometheus ) und Trinker-Poesie (O'Caseys »Kikeriki") inszeniert, wurde in der Öffentlichkeit mißverstanden, das Löffler-Theater als »Propogandainstitut der sogenannten Neuen Linken« ("Neue Zürcher Zeitung") diffamiert. Resultat: Löffler muß samt seinem Dramaturgen Klaus Völker zum Spielzeit-Ende gehen; das Gremium, das zuvor Löfflers Spielplan gebilligt hatte, der Verwaltungsrat der »Neuen Schauspiel AG« (Kapital: 200 000 Franken, teils in stadtischem« überwiegend jedoch in privatem Besitz), hat, von der Bühnengewerkschaft unterstützt, die Kündigung empfohlen. Eine Bestätigung des Beschlusses durch die Hauptversammlung wird für Januar 1970 erwartet. Mit dem erzwungenen Abgang des Direktors -- eine Aufforderung, selbst zu kündigen, lehnte er ab-geht ein fachkundiger Zürcher seiner Heimatstadt, nicht aber dem Theater verloren: Löffler, der van Gustav Knuth zum Schauspieler ausgebildet wurde, Assistent Barraults und Chefdramaturg Lindtbergs war, ehe er der West-Berliner Akademie der Künste vier Jahre lang als Präsidialsekretär und dem Senat als Festwochen leiter diente, verspürt nach seinem jüngsten Eklat dennoch keinen Jammer um die Zukunft des Theaters: »Ich glaube«, sagt Löffler, »das Theater hat gerade angefangen, so sellschaftsrelevant zu werden, wie das vielleicht in en letzten 15 Jahren nicht in solchem Maße der Fall war.«
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