DER SPIEGEL 13/1970 - Inhaltsverzeichnis
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Gespräch in Erfurt

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Nr. 13 / 22.03.1970 • Alle Ausgaben •
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»DER KOPF DER VERSCHWÖRER SITZT IM PRÄSIDIUM«

Das Prager Parteiorgan »Rudé právo« hat am 5. März begonnen, die politischen Prozesse der fünfziger Jahre in der Tschechoslowakei zu rechtfertigen: In vielen der Verfahren seien »echte Feinde des Sozialismus bestraft« worden. Die wahren Hintergründe der Schauprozesse und Hinrichtungen stehen in einem geheimen Untersuchungsbericht der Kommunistischen Partei, den der SPIEGEL jetzt aus der Tschechoslowakei erhalten hat. Der Bericht wurde von einer zwölfköpfigen Kommission verfaßt, die im April 1968, bei Beginn der Dubcek-Ära, von der Parteiführung berufen wurde, um durch Prüfung und Publikation aller Terrorakte der Stalinzeit eine Wiederholung für immer auszuschließen. In der Kommission führte ein Mitglied des Parteipräsidiums den Vorsitz, der heutige Gewerkschaftschef Jan Piller, Die Kommission wertete die Archive des Zentralkomitees und anderer Institutionen sowie private Unterlagen aus und studierte 15000 Aktenseiten. Kommissions-Sekretär Karel Kaplan, ein Historiker, stellte eigene Recherchen an, die der SPIEGEL gleichfalls auszugsweise veröffentlicht. Die Bekanntgabe des Berichts der Piller-Kommission wurde durch die sowjetische Intervention verhindert; der maschinengeschriebene Bericht von 400 Seiten mit rund 125000 Worten liegt seither im Tresor des Zentralkomitees der KPC. Der SPIEGEL zitiert aus einer authentischen Kopie, deren voller Text mit einem Vorwort von Jiri Pelikán, früher Generaldirektor des Prager Fernsehens, demnächst im Europa-Verlag, Wien-Frankfurt-Zürich, erscheint. »Der Bericht enthält schreckenerregende Einzelheiten«, hatte Kommissions-Chef Piller 1968 vor dem Parteipräsidium erklärt und vor der Veröffentlichung gewarnt.
21 Min

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