»IN EINER EINZIGEN NOTSEKUNDE« Bundesverkehrsminister Georg Leber (SPD) hat einen Entwurf für eine neue Straßenverkehrsordnung veröffentlicht, die er als Unfallverhütungsvorschrift« verstanden wissen möchte. Das geplante Gesetz enthält wie die Stvo von 1937 fünfzig Paragraphen und soll bereits am 1. März 1971 in Kraft treten. Dr. Heinrich Jagusch, Herausgeber des Kommentars zum Straßenverkehrsrecht Floegel-Hartung«, gibt im SPIEGEL Verbesserungsanregungen, meint aber, daß Lebers Entwurf »sich sehen lassen kann«. 4 Min Zur Merkliste hinzufügen
»ILLICH SCHON IM ANTI-WAGEN?« Kritik am Entwicklungsdienst der deutschen katholischen Hilfswerke »Adveniat« und »Misereor« äußerte der katholische Südamerika-Experte Ivan Illich (Mexiko) in einem SPIEGEL-Gespräch (Nr. 9/1910). Auf Bitten des SPIEGEL gab dazu der Vorsitzende der Bischöflichen Kommission für Lateinamerika, Bischof Franz Hengsbach (Essen), folgende Stellungnahme: 2 Min Zur Merkliste hinzufügen
ZEITGESCHICHTE / DEUTSCHLAND-POLITIK Kaiser ohne Land Es gibt keine Lösung der deutschen Frage ohne Rußland; es gibt kein Auseinanderbrechen Deutschlands ahne das deutsche Volk. Sowjetmarschall Sokolowski zu Jakob Kaiser, 1847. 7 Min Zur Merkliste hinzufügen
»ABWARTEN UND AMNES-TEE TRINKEN?« Ex-Kommunarde Fritz Teufel, einst prominentester Untersuchungshäftling der Außerparlamentarischen Opposition, verfaßte für das West-Berliner Apo-Blatt »883« einen Kommentar zur Bonner Demonstranten-Amnestie, den der SPIEGEL auszugsweise veröffentlicht. »Ironische Passagen« bittet Teufel ("Wenn man mich einen Clown genannt hat, so lag es daran, daß ich einer war") zu entschuldigen: Es falle ihm schwer, sich »von dieser Rolle zu trennen«. 2 Min Zur Merkliste hinzufügen
Kriegsverbrechen »DEFREGGER WIRD NICHT EINREISEN« Armando Troise, 59, Chef der Staatsanwaltschaft von L'Aquila, leitet seit vergangenem Sommer die Ermittlungen gegen den Münchner Weihbischof Matthias Defregger, 55. Der Bischof war 1944 als Wehrmachts-Hauptmann an der Exekution von 17 Einwohnern des Abruzzendorfes Filetto beteiligt gewesen. Seit dem letzten Herbst ermittelt die Münchner Staatsanwaltschaft in derselben Sache. Gemeinsames Zwischenergebnis: In Deutschland wie in Italien ist bislang kein Ende des Verfahrens gegen Defregger abzusehen. 3 Min Zur Merkliste hinzufügen
»DER KOPF DER VERSCHWÖRER SITZT IM PRÄSIDIUM« Das Prager Parteiorgan »Rudé právo« hat am 5. März begonnen, die politischen Prozesse der fünfziger Jahre in der Tschechoslowakei zu rechtfertigen: In vielen der Verfahren seien »echte Feinde des Sozialismus bestraft« worden. Die wahren Hintergründe der Schauprozesse und Hinrichtungen stehen in einem geheimen Untersuchungsbericht der Kommunistischen Partei, den der SPIEGEL jetzt aus der Tschechoslowakei erhalten hat. Der Bericht wurde von einer zwölfköpfigen Kommission verfaßt, die im April 1968, bei Beginn der Dubcek-Ära, von der Parteiführung berufen wurde, um durch Prüfung und Publikation aller Terrorakte der Stalinzeit eine Wiederholung für immer auszuschließen. In der Kommission führte ein Mitglied des Parteipräsidiums den Vorsitz, der heutige Gewerkschaftschef Jan Piller, Die Kommission wertete die Archive des Zentralkomitees und anderer Institutionen sowie private Unterlagen aus und studierte 15000 Aktenseiten. Kommissions-Sekretär Karel Kaplan, ein Historiker, stellte eigene Recherchen an, die der SPIEGEL gleichfalls auszugsweise veröffentlicht. Die Bekanntgabe des Berichts der Piller-Kommission wurde durch die sowjetische Intervention verhindert; der maschinengeschriebene Bericht von 400 Seiten mit rund 125000 Worten liegt seither im Tresor des Zentralkomitees der KPC. Der SPIEGEL zitiert aus einer authentischen Kopie, deren voller Text mit einem Vorwort von Jiri Pelikán, früher Generaldirektor des Prager Fernsehens, demnächst im Europa-Verlag, Wien-Frankfurt-Zürich, erscheint. »Der Bericht enthält schreckenerregende Einzelheiten«, hatte Kommissions-Chef Piller 1968 vor dem Parteipräsidium erklärt und vor der Veröffentlichung gewarnt. 21 Min Zur Merkliste hinzufügen
FILM / MORRISSEY Hübsche Schleife O schmölze doch dies allzu feste Fleisch. Shakespeare, »Hamlet« 2 Min Zur Merkliste hinzufügen
Hartmut Häußermann über Karl Steinbuch: "Programm 2000" EIN PRIESTER DER TECHNIK Hartmut Häußermann, 26, im Sommer der Studentenrebellion 1967 Asta-Vorsitzender an der Freien Universität Berlin, ist jetzt Assistent am FU-Institut für Soziologie und vertritt den Sozialdemokratischen Hochschulbund (SHB) im Bildungspolitischen Ausschuß der SPD. -- Professor Karl Steinbuch, 52, Ordinarius für Nachrichtenverarbeitung und -übertragung in Karlsruhe, ist durch seinen Bestseller »Falsch programmiert« (1968) bekannt geworden. 4 Min Zur Merkliste hinzufügen
»ÜBER DEN EKEL KOMMT KEINER HINAUS« Als »besonders fortgeschrittene Produkte einer spätkapitalistischen Gesellschaft amerikanischer Spielart stigmatisiert der Schriftsteller Martin Walser, 43, in einem Aufsatz »Über die Neueste Stimmung im Westen« jüngere Autoren wie Peter Handke, 27. und Rolf Dieter Brinkmann, 29. Walser, der als »sogenannter gesellschaftskritischer Schriftsteller« mitarbeiten will »an der Entwicklung dieser Gesellschaft zu einer sozialistischen Demokratie«, tadelt an den Jungen deren selbstgewählte gesellschaftliche Isolation, ihre »narzißtische Gestik« und »regressive Gereiztheit«, den Trend zu einer »neuen Innerlichkeit«, der sich diese Autoren durch »Reduktion des Ausdrucks auf Sprachfertigteile« durch »Traum, Vision und Ekstase«, durch Drogen und Anrufung indischer Heiliger näherten. Aus dem Walser-Aufsatz, der Ende dieses Monats in Heft 20 ("Über ästhetische Fragen") von Hans Magnus Enzensbergers Zeitschrift »Kursbuch« erscheinen wird, druckt der SPIEGEL vorab folgende Auszüge: 3 Min Zur Merkliste hinzufügen
BÜCHER / NEU IN DEUTSCHLAND Leben im Kreisel Valentin Katajew: »Kubik«, Zsolnay; 188 Seiten; 12,80 Mark. 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
BÜCHER Schrecklicher Fortschritt Axel von Fersen: »Rettet die Königin. Revolutionstagebuch 1789-1193«. List; 224 Seiten; 16,80 Mark. 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
BÜCHER Froh und fromm Andre Couteaux: »Frau für Vater und Sohn gesucht«. Rowohlt; 220 Seiten; 16,80 Mark. 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
BÜCHER Claras Scheitern Joyce Carol Oates. »Ein Garten irdischer Freuden«. Wegner; 416 Seiten; 25 Mark, 1 Min Zur Merkliste hinzufügen
KIRCHE / KÜNSTLICHE BEFRUCHTUNG Der dritte Mann Westdeutschlands Ärzte wollen sich jetzt offiziell genehmigen, was sie sich schon seit längerem standes- und sittenwidrig erlauben: die künstliche Befruchtung von Ehefrauen mit dem Samen eines fremden Mannes. 6 Min Zur Merkliste hinzufügen
PERSONALIEN Günter Slotta, Peter Fleischmann, Volker Schlöndorff, Werner Dollingor, Wolter Scheel, Cynthia Rosenwald, Ladislas Farago, Gustav Heinemann 3 Min Zur Merkliste hinzufügen