Irgendetwas stimmt nicht mit dieser königlichen Kutschfahrt. Zwar zuckeln King Charles und US-Präsident Donald Trump bei dessen pompösem Staatsbesuch im britischen Dunst planmäßig vom Hubschrauberlandeplatz Richtung Windsor Castle, sechs Pferde ziehen das Gefährt, doch … niemand winkt! Aber wen hätten die beiden auch grüßen sollen? Da ist kein Volk im Windsor Park. Seit Jahrhunderten dienen Kutschfahrten der Sichtbarkeit von Herrschern. Diese hier findet versteckt hinter Schlossmauern statt. Zur Sicherheit, hieß es. Jenseits der Absperrungen und in ganz London formieren sich Proteste gegen den Besucher. Vermutlich versuchen Gastgeber und Gast während zwei Tagen Pomp, Trump and Circumstance, die Illusion ungetrübter Beziehungen zu füttern. Aber anders als die Pferde vor der Kutsche trägt die Welt da draußen keine Scheuklappen. ded
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Arne Bellstorf / DER SPIEGEL
Schlecht: »Deutschland stürzt bei den Aufstiegschancen geradezu ab.« Diesen Satz sagte der Ifo-Forscher Andreas Peichl dem SPIEGEL zu einer neuen Studie seines Instituts . Ist die soziale Mobilität zu schwach, dominiert auf ewig eine unveränderliche Elite. Zu einer Demokratie passt das nicht.
Gut: Vor den Kommunalwahlen lag die Zahl der politisch motivierten Straftaten in NRW deutlich niedriger als vor der Bundestagswahl. Gerade angesichts der Attentate in den USA ist das ein Zeichen der Hoffnung.
Gegenstand der Politik
[M] DER SPIEGEL, Foto: Foodcollection / picture alliance
Die Bratwurst
Am Mittwoch haben die Fraktionen von Union und SPD auf einem Grillfest versucht, sich auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen: die Bratwurst. Ob das ebenso urtümliche wie volkstümliche Ritual seinen Zweck erfüllt hat, wird sich noch zeigen. Presse und Öffentlichkeit waren vom Grillfest der Koalition ausgeschlossen. Dreh- und Angelpunkt der archaischen Veranstaltung war ein obskures Gemisch aus Fleisch, Bauchfett und Gewürzen, in einen Darm gepresst und mithilfe fossiler Brennstoffe erhitzt. Dabei ist die Bratwurst sowohl Sinnbild kulinarischer Volkstümlichkeit als auch Inbegriff der Politik selbst. Reichskanzler Bismarck wird das Zitat zugeschrieben, Gesetze seien wie Würste: »Man sollte besser nicht dabei sein, wenn sie gemacht werden.« Beides, Gesetz und Wurst, sind staatstragend. Weshalb auch der Vorwurf des ehemaligen Vizekanzlers, der bayerische Ministerpräsident betreibe »fetischhaftes Wurstgefresse«, ins Leere geht. Von jeher gehört der unfallfreie Verzehr der unter Druck stehenden Bratwurst zu den Kernkompetenzen des Populisten. Ihr verführerisches Röstaroma vereint oben und unten, rechts und links. Wenn Liebe wirklich durch den Magen geht, dann ist das bisweilen auch der Politik zu wünschen. fra
Hieroglyphe unserer Zeit
Diese fünf Pfeile stehen für einen Tastaturbefehl im Videospiel »Helldivers 2«. Wer diese Tasten drückt, lässt eine verheerende Bombe niedergehen. Die Zeichen waren auf eine der Patronenhülsen von Tyler Robinson graviert, zusammen mit den Wörtern »hey, fascist! CATCH!« Der mutmaßliche Mörder Charlie Kirks bündelte damit auf engstem Raum, wofür andere Attentäter lange Manifeste benötigen. Das tödliche Geschoss und die politische Botschaft: vereint in einer Kugel. abn
»Viva México!«, ruft die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum. »Viva!«, antwortet die Menge auf dem Zocalo-Platz in Mexiko-Stadt. Mit dem »Schrei der Dolores« gedenkt Mexiko am Vorabend des Nationalfeiertags des Aufstands gegen die spanische Kolonialmacht, der in dem kleinen Ort Dolores begann. Zum ersten Mal seit 215 Jahren kommt der »Grito«, der Schrei, von einer Frau. Präsidentin Sheinbaum verlieh den Feierlichkeiten ihre eigene Note: Sie trug eine von Offizierinnen gefertigte Schärpe, die Nationalflagge wurde ihr von einer weiblichen Ehrengarde überreicht. kgp
»Er hat das Recht auf eine beispiellose Belohnung.«
Tesla-Verwaltungsratschefin Robyn Denholm in der »Financial Times« vom 14. September über den Plan, Vorstandsboss Elon Musk ein Bonuspaket von bis zu einer Billion Dollar in Aktien zu gewähren, falls er den Wert des E-Auto-Bauers verachtfacht.
Vierbeinige Roboter werden oft an einsamen Orten eingesetzt. Auf Bohrinseln zum Beispiel, wo sie Gaslecks entdecken sollen. Entsprechend groß war die Aufregung, als ein Modell des Schweizer Start-ups Rivr Ende August bis Anfang September mitten durch den Zürcher Stadtteil Oerlikon rollte. Das futuristische Gefährt, ferngesteuert, lieferte für einen Imbiss ein vergleichsweise traditionelles Gericht aus: Döner. Bis die Polizei den Feldversuch stoppte. Das Schweizer »Bundesamt für Strassen« prüft nun, ob der Lieferroboter ein Risiko darstellt. Falls nicht, dürfte er bald wieder auftauchen, in Zürich und anderswo. Die nötige Finanzkraft ist vorhanden: Zu den Geldgebern zählt Amazon-Gründer Jeff Bezos. sh
Nachgezählt
1896
Prozent beträgt der Anstieg der Rheinmetall-Aktie seit Beginn des Ukrainekriegs im Februar 2022. Am Sonntag gab der Rüstungskonzern die Übernahme der Militärsparte der Bremer Lürssen-Gruppe bekannt.
Der Zitronengelbe Seitling gilt als Delikatesse: Sein nussiges Aroma erinnert Köche an Cashewkerne, beim Braten wird die zarte Textur knusprig. Feinschmecker freut deshalb, dass er sich jetzt in Nordamerika ausbreitet. Nicht so Forschende: Ursprünglich in Pilzfarmen angebaut, besiedelt er rasant Wälder und bedroht die Artenvielfalt. Weniger problematisch ist der Rosa Seitling, der vor allem, wie hier im Bild, im Klima Floridas gedeiht und zu empfindlich ist, um in kühleren Regionen dauerhaft zu wachsen. kk
Nachgezählt
1,4
Drinks am Tag – oder 14 Gramm Ethanol – nehmen Schimpansen in Form vergorener Früchte zu sich. Forschende in Uganda und der Elfenbeinküste zeigen damit in einer Studie, dass der Konsum die »Drunken Monkey«-Hypothese stützt: Schon unsere Vorfahren könnten eine Neigung zu Alkohol entwickelt haben.
Elefantenpolo ist ein Vormittagssport. Morgens wird gespielt, nachmittags sollen sich die Tiere ausruhen. Die Sportart, die hauptsächlich in Nepal, Thailand und Indien betrieben wird, ähnelt dem Polo mit Pferden, allerdings ist das Spielfeld kleiner. Die Mahouts genannten Elefantenführer lenken die Tiere, während die Spieler mit bis zu drei Meter langen Schlägern versuchen, den Ball ins Tor zu befördern. Teilnehmen dürfen nur weibliche Elefanten. Sie gelten als sanftmütiger und teamfähiger als ihre männlichen Artgenossen.
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