Der Kanzler hat die Töchter als Kronzeugen in der »Stadtbild«-Frage aufgerufen – und damit Protest geerntet. Vor der CDU-Zentrale versammelten sich am Dienstagabend einige Tausend Menschen unter dem Motto »Wir sind die Töchter«. Der Ärger für Friedrich Merz hatte begonnen mit seinem Lob für die verschärfte schwarz-rote Migrationspolitik, mit der Einschränkung, dass man »im Stadtbild noch dieses Problem« habe. Deswegen sei man dabei, »in sehr großem Umfang« auch Rückführungen zu ermöglichen. Das war nebulös. Später legte Merz nach: »Fragen Sie mal Ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte.« Am Mittwoch differenzierte er: Menschen mit Migrationshintergrund seien »unverzichtbarer Bestandteil unseres Arbeitsmarktes«. Merz selbst hat zwei Töchter. Deren Antwort ist bislang nicht überliefert.
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Arne Bellstorf / DER SPIEGEL
Gut: In den USA wächst der Widerstand gegen Donald Trumps autokratisches Gebaren. Am Wochenende demonstrierten Millionen in den Städten unter dem Slogan »No Kings«, keine Könige.
Schlecht: Trump verhöhnte diese Aktionen, indem er ein KI-generiertes Video verbreitete: Mit Krone auf dem Kopf steuert er einen Kampfjet und lässt eine braune Masse auf Demonstranten herabregnen, mutmaßlich Scheiße. Hat sich jemals ein demokratisch gewählter Staatschef ekelhafter über Versammlungsfreiheit geäußert? Das Niveau sinkt und sinkt.
Himmel-Gewimmel: Gleich zweimal musste der Flughafen München Anfang Oktober den Betrieb einstellen, weil in der Nähe Drohnen entdeckt worden waren. Laut der Deutschen Flugsicherung (DFS) sind solche Störungen keine Ausnahme: Bis Ende September wurden 172 Fälle gemeldet, in denen Flugzeuge durch Drohnen oder ähnliche Flugobjekte behindert worden waren, gegenüber 129 im Vorjahreszeitraum. Die meisten Sichtungen gab es rund um Flughäfen, zuvorderst Frankfurt am Main mit allein 37 Fällen. Ob dahinter feindliche Militärs oder Hobbypiloten stecken, ist unklar, auch Modellflugzeuge zählt die DFS mit. Die Objekte werden vom Tower, von Piloten oder von der Bundespolizei gemeldet. fri
Nutzt ein Polizist für seine Arbeit in Deutschland einen Hund, handelt es sich dabei um einen sogenannten Gebrauchshund. Dient er der Justiz, erhält der Hundeführer, etwa in Berlin, 110 Euro monatlich für die Haltung. Nepals Polizisten haben eine spirituellere Beziehung zu ihren Tieren. Einmal im Jahr, im Herbst, ehren sie sie: am Tihar-Fest, das der Gottheit Yama gewidmet ist. Dessen Botschafter auf Erden sind Hunde. Deswegen führen die Polizisten mit ihnen Kunststücke vor – und zeigen so die besondere Verbindung von Tier und Mensch.
Milliarden Dollar ist die südkoreanische Kosmetikfirma APR an der Börse wert, mehr als viermal so viel wie zu Jahresbeginn. Der Grund: eine Werbekampagne mit TV-Star Kylie Jenner und der Boom um koreanische Schönheitsprodukte.
Quelle: »Financial Times«
Maschine der Woche
iPhone-Hülle: 2,7 Kilogramm Edelstahl
Handy, ganz unhandlich
Viele Menschen versuchen erfolglos, ihre Smartphonezeit zu reduzieren. Der US-Amerikaner Logan Ivey sammelt nun auf der Plattform Kickstarter Geld für seine passende Erfindung: eine 2,7 Kilogramm schwere iPhone-Hülle aus Edelstahl. Zusammengesteckt mit dem Handy ergibt sie einen Apparat, der an die Zeit der Schnurtelefone erinnert. Er ist so unhandlich, so die Idee, dass man nicht endlos scrollt – schon gar nicht auf dem Sofa, über Kopf. Und weil das klobige Ding in keine Hosentasche passt, muss es häufiger zu Hause gelassen werden. »Mach dein Handy wieder zum Werkzeug«, wirbt Ivey. Die finale Version kostet 210 Dollar und hat vier Schrauben zur Befestigung. So lässt sich die Hülle nicht mal schnell abstreifen. kko
Tage braucht der Asteroid »2025 SC79« ungefähr, um die Sonne einmal zu umrunden. Astronomen haben ihn mit einem Teleskop in Chile aufgespürt. Schneller als er fliegt nur ein anderer bekannter Brocken um die Sonne: »2021 PH27« braucht 113 Tage für eine Runde.
Mit dem Flügel eines toten Artgenossen wird dieser Monarchfalter bald davonflattern: Janine Bendicksen vom Sweetbriar Nature Center in Smithtown auf Long Island im US-Bundesstaat New York, hat das Transplantat an den Resten des eigenen zerbrochenen Flügels des Schmetterlings befestigt. So berichtet sie es in einem Beitrag auf Instagram. »Ob ihr es glaubt oder nicht, es hat funktioniert«, sagt Bendicksen in dem Video, das Hunderttausende Likes erhielt, »jetzt kann er seine Reise nach Mexiko fortsetzen.« Dorthin flüchten die Monarchfalter Nordamerikas alljährlich vor der Winterkälte in ihrer Heimat.
Buzkaschi bedeutet wörtlich »Ziege greifen« – und genau darum geht es auch. Bei dem jahrhundertealten Spiel kämpfen Dutzende Reiter um den Kadaver einer Ziege oder eines Kalbs. Sieger ist, wer das tote Tier quer über das Spielfeld um eine Fahne manövriert und es dann in einem markierten Feld fallen lässt. Buzkaschi gilt in Teilen Zentralasiens als Nationalsport. Während die Reiter in der Bevölkerung hohes Ansehen genießen, kritisieren Tierschützer die Praktik. Tote Tiere würden als Spielball missbraucht, das ruppige Spektakel in vollem Galopp sei darüber hinaus für die Pferde gefährlich. ngo
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