Der alte Präsident ist wieder zu Hause. Erst im September war Nicolas Sarkozy zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der Mann hatte Geld vom libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi angenommen und 2007 für seinen Wahlkampf verwendet. Im Oktober war er dann in das berüchtigte Gefängnis La Santé eingerückt, wo er neben einer Biografie von Jesus Christus angeblich auch den Roman »Der Graf von Monte Christo« lesen wollte. So öffentlich er seine Haft antrat, so diskret hat er sie nach nur drei Wochen nun unterbrochen. Ohne Lächeln oder Winken für die Kameras. Ohne gemeinsame Bilder mit seiner Gattin Carla Bruni. Ohne Jesus oder Alexandre Dumas. Der bescheidene Auftritt entspricht dem Ernst seiner Lage. Frei ist Sarkozy unter strengen Auflagen und vorerst nur, bis das Gericht über seinen Antrag auf Berufung entschieden haben wird. fra
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Arne Bellstorf / DER SPIEGEL
Gut: In seiner Rede zum 9. November hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier viele wichtige Sätze gesagt, darunter diesen: Es sei gefährlich, »wenn Themen wie Migration und Sicherheit nicht besprochen werden können, weil sofort ein Rassismusvorwurf im Raume steht«.
Schlecht: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik befürchtet weitere Cyberangriffe auf Deutschland, insbesondere auf »die Kronjuwelen der Demokratie«, also Regierungen und Parlamente, selbst auf politische Stiftungen.
Gegenstand der Politik
[M] DER SPIEGEL; Foto: Jochen Tack / picture alliance
Der kaputte Regierungsflieger
Auf die Frage, was er nach seiner Zeit als britischer Premierminister am meisten vermissen werde, soll Harold Macmillan 1963 trocken geantwortet haben: »Transportation«. Auch für deutsche Spitzenpolitiker gehören exklusive Transportmittel wie die schwere, gepanzerte Limousine, der Hubschrauber der Bundespolizei und vor allem der Langstrecken-Airbus A350 der Luftwaffe zu den begehrtesten Insignien der Macht – wenn sie denn funktionieren. Die Regierungsflieger haben da einen zweifelhaften Ruf. Zuletzt traf es Außenminister Johann Wadephul, als er von Hamburg aus nach Kolumbien reisen wollte. Die Enteisungsanlage war defekt, die Maschine wurde gegroundet, und der Minister musste Linie fliegen. Was ist nur los mit der Flugbereitschaft? Die Antwort mag überraschen: nichts Besonderes. Nach einer peinlichen Pannenserie hat die Luftwaffe ihre alten Langstreckenflieger in den vergangenen Jahren gegen drei neue A350 ausgetauscht, aber sie leidet unter dem Fluch der kleinen Zahl. Die Ausfallquote bei der Flugbereitschaft ist nicht schlechter als bei der Lufthansa, doch die betreibt nicht 3, sondern gleich 31 dieser Langstreckenflugzeuge. Fällt da mal eines aus, bekommt die Öffentlichkeit das gar nicht mit. Auch, weil nicht Dutzende Journalisten an Bord sind. ham
Hieroglyphe unserer Zeit
Auswärtigen erscheint oft nicht nur der Kölner Karneval komplett rätselhaft, sondern auch ein Detail des Stadtwappens: das Ensemble identischer Zeichen auf weißem Grund. Sie könnten Tränen sein, werden gern »schwarze Flammen« genannt, sind in der Heraldik aber als Hermelinschwänze bekannt – und erinnern an die Heilige Ursula und ihre elf Jungfrauen, die einst auf Pilgerfahrt vor den Toren der Stadt von den Hunnen gemeuchelt wurden. Ein Kriminalfall unter Auswärtigen also. fra
Aufgezeichnet
Prostitution in Deutschland
Julia Klöckner befürwortet das nordische Modell.
Helena Baumeister / DER SPIEGEL
Landauf, landab
Bildungsgraben: Etwa 62.000 Schülerinnen und Schüler haben die Schule 2024 ohne Hauptschulabschluss verlassen. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2014. Damals lag die Quote der Schulabbrecher, bezogen auf die gleichaltrige Bevölkerung, bei 5,5 Prozent, jetzt liegt sie bei 7,9 Prozent. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß – die Spanne reicht von 6,1 Prozent in Bayern bis 14,3 Prozent in Sachsen-Anhalt. Überall ist die Mehrheit der Schulabbrecher männlich, bundesweit liegt der Anteil bei 61 Prozent. Rund 39 Prozent der Abgänger ohne Abschluss haben eine Förderschule besucht, wo ein Hauptschulabschluss teils gar nicht vorgesehen ist. sun
Indigene Aktivisten stürmen die gesicherte Zeltstadt der Uno-Klimakonferenz COP 30 im brasilianischen Belém. Mit Trommeln und Transparenten protestieren sie gegen die Abholzung des Amazonas-Regenwalds, die Zerstörung ihrer Heimat. Der Regenwald in Brasilien spielt eine Schlüsselrolle für den globalen Klimaschutz. Zehn Jahre nach dem historischen Pariser Übereinkommen zur Begrenzung der Erderwärmung treffen sich Delegierte aus mehr als 190 Ländern diese Woche, um abermals darüber zu verhandeln, wie die Klimaziele erreicht werden können.
Der Rettung der Welt steht nichts mehr im Weg: MacGyver kann jetzt auch Espressomaschinen reparieren. Endlich verfügt das Schweizer Taschenmesser, mit dem sich der TV-Serienheld zwischen 1985 und 1992 aus jeder aussichtslosen Situation befreien konnte, auch über Tools für ausgewählte Siebträgermaschinen. Dampfdüsen können eingestellt, Kaffees portioniert werden. Damit ist das Victorinox Swiss Army Knife in der Gegenwart vorwiegend männlicher MacGyver-Fans angekommen. In der es nicht mehr allein darum geht, leckende Schwefelsäuretanks mit Schokoladentafeln abzudichten oder eine Bombe mit einer Büroklammer zu entschärfen, sondern als Barista auch einen perfekten Espresso zu servieren. Das Messer ist aktuell ausverkauft. mad
Nachgezählt
363.120
Spam-Mails gingen von Juli 2024 bis Juni 2025 täglich im Schnitt in den IT-Netzwerken von Regierungsbehörden wie dem Kanzleramt ein. Darunter befanden sich viele Phishing-Versuche. Die Bundesverwaltung konnte rund 90 Prozent dieser Mails abwehren.
Quelle: Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
Milliarden Menschen leiden unter Kopfschmerzen – das zeigt eine aktuelle Analyse weltweiter Studien aus dem Jahr 2023. Die Zahl ist seit 1990 gleich und zeigt laut Forschenden, dass kaum Fortschritte bei Prävention oder Therapie erzielt wurden. Die Belastung dadurch ist bei Frauen doppelt so hoch wie bei Männern.
Quelle: »Lancet Neurology«
Der Moment
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Zum zweiten Mal in diesem Jahr muss das Haus des Bauern Nurun Nabi auf ein Boot geladen werden: Der Fluss Brahmaputra im Norden Bangladeschs frisst sich ins Ufer der Insel, auf der er lebt. Die Erosion trägt Wohn- und Landwirtschaftsflächen ab, Hunderte Familien müssen die Gegend verlassen. Die Flusslandschaft mit ihren Sedimentinseln verändert sich zwar stets, doch das raschere Abschmelzen der Himalajagletscher, aus denen sich der Strom speist, führt dazu, dass sich das Wasser immer häufiger Land einverleibt. kk
Menschen, die ihr Fahrrad auf dem Hinterreifen balancieren, stellen nicht zwangsläufig ein Verkehrsrisiko dar, sondern sind manchmal einfach nur Sportler. Kunstradfahren ist eine Mischung aus Geräteturnen und Eiskunstlauf und in jedem Fall ein Balanceakt. Es ist eine Sportart mit Tradition: Bereits im 19. Jahrhundert staunte die Welt über Akrobaten auf zwei Rädern . Seitdem haben sich die Kunststücke weiterentwickelt, heute werden Weltmeisterschaften abgehalten – bei denen die Deutschen überaus erfolgreich sind. Gerade holte sich Jana Pfann den WM-Titel. bka
[M] DER SPIEGEL; Foto: Jochen Tack / picture alliance
Julia Klöckner befürwortet das nordische Modell.
Helena Baumeister / DER SPIEGEL
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Foto: Mohammad Ponir Hossain / REUTERS
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