Ein Forscher steuert die Evolution, das Reinheitsgebot als Marketing-Gag, Trumps Trümpfe - diese Geschichten empfehle ich aus dem aktuellen SPIEGEL.
An dieser Stelle stellt Ihnen die SPIEGEL-Redaktion ihre Lieblingsgeschichten aus der neuen Ausgabe vor.
In dieser Woche: Charlotte Klein, 33, seit 2011 beim SPIEGEL. Sie ist Redakteurin im Ressort Deutschland.
Dass wir Menschen unsere Welt unwiederbringlich verändern können, jagt mir große Angst ein. Der Genforscher Kevin Esvelt hat nun eine Methode perfektioniert, mit der das im Schnellgang möglich ist: Er kann Erbanlagen so manipulieren, dass sie sich rasend schnell über eine ganze Population ausbreiten. Die Ägyptische Tigermücke, die das Zika-Virus verbreitet, ließe sich so gegen den Krankheitserreger immunisieren - oder gleich komplett ausrotten. Mein Kollege Johann Grolle hat Esvelt getroffen. Sein Artikel beschreibt eine biologische Kettenreaktion. Ob diese kontrolliert ablaufen kann, darum kreisen Esvelts Gedanken pausenlos. Doch allein, dass sie überhaupt möglich ist, ist erschreckend. Die Technik, die Esvelt anwendet, so schreibt Grolle, stufe der Nationale Geheimdienstdirektor der USA als Verfahren ein, dass zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen taugen könnte.
Lebensmittelmoden haben mich immer kaltgelassen. Weder konnte ich mich vor zehn Jahren für den damals plötzlich allgegenwärtigen Bärlauch begeistern, noch habe ich in letzter Zeit vermehrt isländischen Joghurt, Quinoa oder Matcha-Tee zu mir genommen. Auch den Trend zu Craft-Beer aus kleinen Brauereien wollte ich ignorieren und mochte stattdessen ein friesisch-herbes Massenbier. Bis darin Glyphosat gefunden wurde. Was mein Kollege Nils Klawitter nun über die Produktion der deutschen Weizen- und Gerstensäfte schreibt, dürfte jedoch nicht nur mir nachhaltig den Appetit verderben: Hopfenaroma wird mit Lösungsmitteln aus Pellets gepresst, und im Braukessel können mikroskopisch kleine Plastikteilchen schwimmen - das "Reinheitsgebot" erscheint wie ein Marketing-Gag. Craft-Biere, die mit dem Gebot häufig in Konflikt geraten, sind offenbar trotzdem gesünder. Noch besser aber steigt man auf Mineralwasser um - auch wenn das mitunter teurer ist als Bier. Na dann: Prost!
Bei den irrsinnigen Auftritten Donald Trumps in den vergangenen Monaten musste ich oft an George W. Bush zurückdenken. Wie skurril wirkte damals dessen "Mission Accomplished"-Auftritt auf dem Flugzeugträger, nachdem der Irakkrieg gewonnen war. Im Vergleich zu dem, was Trump sich bereits im Vorwahlkampf alltäglich leistet, erscheint das jedoch geradezu niedlich. Der pöbelnde Republikaner ist inzwischen auf dem besten Weg, Präsidentschaftskandidat seiner Partei zu werden. Mein Kollege Holger Stark geht der Frage auf den Grund, warum selbst evangelikale Christen sich für einen Mann begeistern können, der im prüden amerikanischen Fernsehen mit Beleidigungen weit unter der Gürtellinie um sich wirft und gern mit seinem Unterleib prahlt. Das Beängstigende daran ist, dass dies offenbar ähnliche Gründe hat wie in Deutschland der Aufstieg von Pegida und AfD: eine tief sitzende Abneigung gegenüber dem Staat, seinen Vertretern und den altbekannten Parteien.
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Eine interessante SPIEGEL-Lektüre wünscht Ihnen
Charlotte Klein