Rücktritt von NFL-Superstar Aaron Donald Er war der beste Verteidiger seiner Zeit
Nach zehn Jahren mit den Los Angeles Rams hat Aaron Donald seine Karriere beendet
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Quarterbacks in der US-Footballliga NFL atmen auf. Denn mit Aaron Donald, 32, hat sich der größte Schrecken aller Spielmacher aus dem Profi-Football verabschiedet. Am Freitagabend deutscher Zeit gab er seinen Rücktritt bekannt – obwohl er immer noch auf seiner Position unangefochten war.
Erst vor einem halben Jahr gab es eine Szene, die perfekt zeigte, welch panische Reaktionen Donald selbst bei erfahrenen, abgebrühten Quarterbacks auslösen konnte. Es war im Spiel zwischen den Seattle Seahawks und Donalds Los Angeles Rams. Spielmacher Geno Smith bekam den Ball, tippelte kurz zurück, sein Kopf zuckte hin und her, um das Spielfeld und mögliche Anspielstationen zu erfassen.
Aber was Smith sah, war kein freier Mitspieler. Er sah nur Donald, der Seattles Schutzreihe schon durchbrochen hatte und auf Smith zustürmte.
Smith erkannte die Gefahr und rief nur noch »Oh, mein Gott!« , ehe er den Ball im letzten Moment wegwarf. So entging er dem schmerzhaften Zusammenprall mit dem knapp 130 Kilogramm schweren Verteidiger. Und das wird den NFL-Spielmachern künftig erspart bleiben.
Dreimal Verteidiger des Jahres
Kyler Murray von den Arizona Cardinals verlieh seiner Erleichterung über Donalds Rücktritt bei X Ausdruck. »Gott sei Dank« , schrieb er als Antwort auf Donalds Statement und fügte später hinzu: »Eine Ehre, gegen den Besten aller Zeiten gespielt zu haben! Genieß deinen Ruhestand, und bitte komm nicht wieder zurück.«
Abseits des Feldes neigte Aaron Donald häufig zu Albernheiten
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Murrays Formulierung ist keine Übertreibung. Auf der Position als Defensive Tackle war Donald einmalig. Für manche Experten war er sogar, unabhängig von der genauen Position, der beste Verteidiger der NFL-Historie. In einer Abstimmung aller NFL-Profis wurde er 2019 zum besten Spieler der Liga gewählt .
Donalds Statistiken legitimieren das Lob. In seinen zehn Jahren wurde er achtmal ins Team des Jahres gewählt. 2017, 2018 und 2020 war er Verteidiger des Jahres, so oft wurden nur zwei andere Spieler mit diesem wichtigen Preis ausgezeichnet. Besonders imposant war Donalds Spielzeit 2017/2018, als er 20,5 Sacks verzeichnete, also Tackles gegen den Quarterback.
Diese Zahlen mögen ein bisschen verwirren, aus dem Fachjargon übersetzt bedeuten sie: Donald war nahezu unaufhaltbar.
In seiner gesamten Laufbahn brachte er 111 Mal den gegnerischen Spielmacher zu Boden. Seit Donalds Karrierebeginn 2014 ist das mit Abstand Bestwert. Das Besondere ist aber, dass ihm das auf der Position des Defensive Tackle gelang.
Der Beste, obwohl er es am schwersten hatte
In dieser Rolle stellt man sich genau in der Mitte der Defensivreihe auf: wo es am engsten ist und Football zum Ringkampf wird. Geht dann der Spielzug los, soll man entweder gegnerische Läufer aufhalten oder sich zum Quarterback durchkämpfen und ihn niederwerfen. Im Grunde hat man die gleiche Aufgabe wie Mitspieler, die weiter außen spielen. Der Nachteil ist aber, dass man in der Mitte kaum Platz zum Manövrieren und oft nicht nur einen Gegenspieler hat, sondern zwei oder sogar drei – oder, wie in Donalds Fall, manchmal vier .
Für Donald hat das nie einen Unterschied gemacht.
In der gesamten NFL wurde kein Spieler so oft gedoppelt wie er. Und trotzdem kam Donald mit am häufigsten durch. In den vergangenen Jahren strömten häufig Grafiken durch das Internet, von Statistiknerds mit komplizierten Abkürzungen beschriftet. Optisch ähnelten sich diese Achsendiagramme aber meist: Ganz oben und ganz rechts auf den beiden Achsen war ein einsamer Punkt eingezeichnet, beschriftet mit »Aaron Donald«.
Double team rate (x) by pass rush win rate (y), regardless of where players line up.
— Seth Walder (@SethWalder) January 31, 2022
2021 regular season. Top 50 PRWR players shown.
(ESPN / NFL Next Gen Stats) pic.twitter.com/7OsnokOa8R
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Egal, wie die Experten es erklärten, die Pointe lautete immer: Donald war der Beste – obwohl er es am schwersten hatte.
Koordination und Kraft
Ein Grund für seinen immensen Erfolg ist zum einen Donalds besonderer Körper. Mit 1,85 Metern ist Donald verhältnismäßig klein für seine Position. Dadurch hat er aber einen niedrigen Körperschwerpunkt und war nie leicht zu packen. Hinzu kamen außergewöhnliche Schnelligkeit, Beweglichkeit und Kraft.
Donald wuchs in einem Arbeiterviertel in Pittsburgh auf, einer Industriestadt in Amerikas Rustbelt. Schon als Zwölfjähriger trainierte er in den frühen Morgenstunden mit Gewichten, um seinen Körper in Schuss zu bringen. In seiner NFL-Karriere priesen Trainer und Mitspieler oft seinen Fleiß im Kraftraum.
Aber Einsatz und Athletik waren nicht alles. Donald war nicht bloß stärker und schneller als der Rest, er wusste sich auch mit Timing, gezielten Stößen und Schrittfolgen durchzusetzen. Im Fernsehen mag Football manchmal wie wildes Gerangel aussehen, dahinter stecken aber ausgefeilte Techniken. Die Profis wissen genau, wann sie es etwa mit einer schnellen Drehung versuchen, wohin sie ihre Gegner schubsen und drängen, wie sie den Stößen der anderen entgehen oder diese abfedern.
So manch ein Quarterback erlebte Aaron Donalds Wucht am eigenen Körper
Foto:Tim Ireland / AP
In diesen Techniken war Donald ein Meister. Er wusste, wann er sich wie bewegen musste. Insbesondere wenn es wirklich darauf ankam, wie im Super Bowl 2022. Nach mehreren Jahren als Titelkandidat und sogar einem Super Bowl 2019, den Donalds Los Angeles Rams gegen Tom Brady und die New England Patriots verloren hatten, stand das Team erneut im Endspiel der NFL. Dieses Mal sollte es endlich klappen.
»Aaron Donald wird was machen«
Auf der anderen Seite stand mit den Cincinnati Bengals ein junges Überraschungsteam. In der Schlussphase wurde es knapp. Die Rams hielten eine knappe Dreipunkteführung, Cincinnati war am Ball und drauf und dran, das Spiel auszugleichen oder sogar zu drehen.
Dann schlug Donalds große Stunde.
Erst hielt er mit nur einem Arm den Bengals-Runningback fest, obwohl er selbst bedrängt wurde. Damit ergab sich ein alles entscheidender Moment, Cincinnati musste den letzten, vierten Versuch ausspielen.
Rams-Trainer Sean McVay wusste, was passieren würde. Am Spielfeldrand stand der Coach mit den Händen auf die Knie gestützt und sagte, wie bei einem Gebet, um sich selbst zu beruhigen: »Aaron Donald wird was machen.« Und Donald machte es. Mit einem schnellen Satz durchbrach er die Bengals-Schutzreihe, schnappte sich Quarterback Joe Burrow und schleuderte ihn zu Boden. Der Super Bowl war entschieden.
Aaron Donald bei der Meisterfeier 2022
Foto:Marcio Jose Sanchez / dpa
Es war die Krönung von Donalds Karriere. Vielleicht hätte er seine Meriten noch erweitern können, immerhin waren die Rams im vergangenen Jahr konkurrenzfähig und Donald selbst mit 32 Jahren nach wie vor einer der dominantesten Spieler der Welt. In seinem Abschiedsstatement betonte er die Besonderheit, seine gesamte Karriere samt Meistertitel bei einem einzigen Team verbracht zu haben. Vielleicht sah er einen Abschied von den Rams kommen und wollte diesen Moment nicht erleben.
Vielleicht hatte Aaron Donald im Football aber einfach nichts mehr zu beweisen.