NFL-Star Brett Favre Football-Legende versinkt im Korruptionssumpf
Quarterback-Legende Favre in der goldenen Jacke der Pro Football Hall of Fame: »Revolverheld«
Foto:Matt Ludtke / AP
Dreimal in Folge wurde Brett Favre zum wertvollsten Spieler (MVP) der US-Footballliga NFL gewählt. Ein Kunststück, das sonst niemandem gelang.
Der frühere Quarterback, der seine erfolgreichste Zeit zwischen 1992 und 2007 bei den Green Bay Packers erlebte, gewann den Super Bowl, stellte viele persönliche Rekorde auf und ist Mitglied der Pro Football Hall of Fame. Favre war immer ein Liebling der Fans.
Der Grund dafür war sein starkes Profil. Favre war nicht gerade risikoscheu, seinen Spielertypus beschrieben viele als »Revolverheld«. Er hatte einen starken Wurfarm, seine langen Würfe über das Feld hinweg waren zwar häufig präzise, landeten aber auch oft beim Gegner.
Favre traute sich alles zu – und glaubte, damit durchzukommen. Auch abseits des Spielfeldes.
Acht Millionen von den Armen
Schon während seiner Karriere sorgte Favre für einige Kontroversen. Die schwerste: 2008 sollte er die Moderatorin Jenn Sterger mit Text- und Sprachnachrichten sexuell belästigt haben. Das konnte ihm zwar nie offiziell nachgewiesen werden, für seine mangelnde Kooperation bei der Untersuchung des Falls erhielt Favre von der Liga aber eine Geldbuße von 50.000 US-Dollar. Eine verhältnismäßig milde Strafe für den Superstar.
Jetzt, elf Jahre nach seinem Karriereende, steckt Favre in einem Skandal, der ihn wohl mehr kosten wird. Vermutlich sogar seinen Kultstatus bei NFL-Fans.
Der 52-Jährige soll sich am öffentlichen Hilfsprogramm Temporary Assistance for Needy Families bedient haben. Von acht Millionen US-Dollar ist die Rede. Acht Millionen, die eigentlich für besonders arme Familien gedacht waren. Und das in Favres Heimat Mississippi, dem ärmsten Bundesstaat der USA , wo 200.000 Kinder unterhalb der Armutsgrenze leben und es in der Hauptstadt Jackson gerade nicht einmal mehr sauberes Wasser gibt.
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Stattdessen soll das Geld bei Favre gelandet sein, der es dann weiterverteilt haben soll. Ein Teil soll an eine Biotech-Firma gegangen sein, in die er investiert hat. Den größten Teil, etwa fünf Millionen, soll Favres früheres College bekommen haben, die University of Southern Mississippi, damit diese ein neues Gelände für das Volleyballteam Golden Eagles bauen kann. Das Team, in dem Favres Tochter Breleigh spielt.
Öffentlich wurde der Skandal bereits 2020, als das Büro von Shad White, State Auditor (Staatsprüfer) von Mississippi, ein halbes Dutzend Leute festnehmen ließ und ein Untersuchungsverfahren wegen Veruntreuung von insgesamt 94 Millionen US-Dollar eröffnete. Favres persönliche Bereicherungen sind nur ein kleiner Teil eines viel größeren Falls von Korruption und Nepotismus. Schon damals wurde die Football-Legende beschuldigt.
»Nancy, der Weihnachtsmann war da«
In einer detaillierten Recherche brachte das Newsportal »Mississippi Today« Anfang September neue Beweise für Favres Vergehen hervor, was den früheren Quarterback erneut in den Fokus der US-Öffentlichkeit rückte. Die Empörung ist groß. Auf den 52-Jährigen prasselt von vielen Seiten Kritik ein, der Publikumsliebling steckt mitten in einem Shitstorm. Bei der Hall of Fame des Profi-Footballs gingen vor Kurzem sogar Forderungen nach einem Rauswurf Favres ein.
Währenddessen dementiert die Football-Legende fleißig. Über seinen Anwalt ließ Favre mitteilen, dass er gar nicht gewusst habe, woher die Millionen stammten. »Brett Favre hat sich während der ganzen Sache ehrenhaft verhalten«, sagte dessen Anwalt Anfang September. Die Indizien lassen das Gegenteil vermuten. Das wohl stärkste ist das Schuldgeständnis von Nancy New, die eine an der Veruntreuung beteiligte NGO führte. Inzwischen kooperiert sie mit den Ermittlern und belastet Favre auch vor Gericht.
Das Beweismaterial ist öffentlich: »Mississippi Today« zeigte Chatverläufe zwischen Favre, New und Phil Bryant, von 2012 bis 2020 Gouverneur von Mississippi. Begonnen hat die Kommunikation zwischen den drei Parteien spätestens 2017.
Der ehemalige Gouverneur von Mississippi, Phil Bryant, 2018 bei einer Rede mit dem damaligen US-Präsidenten Trump
Foto: Rogelio V. Solis / AP»Habe gerade Brett Favre verabschiedet. Können wir ihm bei seinem Projekt helfen?«, lautet eine Nachricht von Bryant an New aus dem Juni 2019, die noch am selben Tag an Favre schreibt: »Er möchte, dass ich Ihnen und uns weiterhin helfe, unser Projekt zu verwirklichen.« Zu einem anderen Zeitpunkt meldete sich Favre bei New: »Nancy, der Weihnachtsmann war heute da und hat etwas Geld vorbeigebracht«, lautet eine Textnachricht.
Während dieser Absprachen fühlte sich Favre offenbar sicher. Er ging wohl ein großes Risiko ein, glaubte aber, wieder mal damit durchzukommen. So wie früher auf dem Footballfeld.
Trotzdem wusste Favre, was er tat – was ihm offenbar schon früh Sorgen bereitete. 2017 äußerte er Bedenken gegenüber seinen Komplizen. »Wenn du mich bezahlst«, schrieb Favre an New, »gibt es irgendeine Möglichkeit, dass die Medien herausfinden, woher das Geld kommt und wie viel es ist?«
Wer sich ehrenhaft verhält, hat keine Angst, erwischt zu werden.