Barrichello-Abschied: Ende einer Hassliebe - DER SPIEGEL
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Barrichello-Abschied Ende einer Hassliebe

Sechs Jahre hielt Rubens Barrichello seinem Arbeitgeber Ferrari die Treue. Doch nach immer heftigeren Reibereien mit Teamkollege Michael Schumacher ist nach dieser Saison Schluss für den Brasilianer, der nicht länger den Wasserträger für den Weltmeister spielen will.
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Hamburg - Eigentlich klärt man Meinungsverschiedenheiten bei Ferrari hinter geschlossenen Türen. Doch nach einem riskanten Überholmanöver beim Großen Preis von Monaco brannten bei Rubens Barrichello die Sicherungen durch. In aller Öffentlichkeit kündigte der Brasilianer seinem Stallgefährten Michael Schumacher die Freundschaft.

"In der Zukunft betrachte ich Michael nicht mehr als meinen Teamkollegen, sondern als Piloten wie jeden anderen auch", zitierten am Freitag mehrere italienische Zeitungen den Brasilianer. "Michael nimmt die Realität nur so wahr, wie er es will", legte Barrichello nach. Schumacher hatte seinen Teamkollegen kurz vor Rennende auf dem engen Stadtkurs überholt und bei diesem waghalsigen Manöver für einen mickrigen WM-Punkt eine Menge riskiert.

"Michael ist eine Linie gefahren, die nicht da war", giftete der 33-Jährige. Einmal in Fahrt, schoss sich Barrichello auf den Mann ein, dem er sechs Jahre treu gedient hatte: "Ich bin froh, dass ich jeden Abend ruhigen Gewissens einschlafen kann. Ob Michael das auch kann, weiß ich nicht." Schumachers Kommentar auf den verbalen Ausbruch des sonst eher zurückhaltenden Kollegen: "Das ist hier keine Kaffeefahrt."

Das Verhältnis der beiden Ferraristi bekam schon vor Jahren tiefe Risse. Beim Großen Preis von Österreich 2002 überholte Schumacher hundert Meter vor der Ziellinie auf Anweisung der Teamchefs Ross Brawn und Jean Todt ("Let Michael pass for the Championship") seinen deutlich schnelleren Kollegen Rubens Barrichello. Im Gegensatz zum Publikum, das die Stallorder mit einem lautstarken Pfeifkonzert quittierte, blieb Barrichello ruhig.

Doch nach 210 Grand-Prix-Starts hat der zweifache WM-Zweite genug von seiner Rolle als Wasserträger. Nach der Farce von Indianapolis schrieben die Formel-1-Piloten einen offenen Brief an Fia-Präsident Max Mosley. Die Unterschrift von Michael Schumacher fehlte - im Gegensatz zu der seines früheren Freundes: "Ich habe Michael immer geschützt. Das ist vorbei. Er sieht die Dinge immer nur so, wie er sie sehen will", begründete Barrichello seine Entscheidung.

Das zerrüttete Verhältnis zu seinem Teamgefährten ist ein möglicher Trennungsgrund. Ein anderer ist die fehlende Würdigung seiner Leistung. "Seit ich im Team bin, hat Ferrari alle Titel gewonnen. Vielleicht liegt das ja auch ein bisschen an mir", sagte "Rubinho" vor der Saison. Wie jedes Jahr kündigte der Familienvater, der mit dem ehemaligen Modell Silvana verheiratet ist, einen Kampf um die WM gegen Michael Schumacher an. Dazu kam es aufgrund der Unterlegenheit der Scuderia in dieser Saison nicht.

Auch für die kommende Serie darf ein Zweikampf zwischen Schumacher und Barrichello um die WM nahezu ausgeschlossen werden. Selbst wenn Ferrari den Rückstand auf die Konkurrenz aufholt, werden sich beide kaum in die Quere kommen. Barrichello soll sich mit dem BAR-Honda-Team über ein Engagement für die nächsten zwei Jahre einig sein. Der britische Rennstall fuhr in 132 Grand-Prix noch keinen Sieg ein.